Amazon Prime Day: Die Schnäppchen-Party mit Haken

Es ist mal wieder so weit: Amazon lädt zum Prime Day und wirbt wieder mit satten Rabatten und verspricht ein “zweitägiges Feuerwerk voller toller Angebote“. Aber Augen auf bei der Schnäppchen-Schlacht, Amazon arbeitet nämlich mit einigen Verkaufstricks.

Julia Ptock
Amazon Prime Day 2019

Amazon rührt wieder fleißig die Werbetrommel für den hauseigenen Schnäppchen-Marathon – den Prime Day. Um gleich vorab sämtliche Unklarheiten zu vermeiden: Der Startschuss für den Amazon Prime Day 2019 ist am 15. Juli. Dann kann volle 48 Stunden lang ein Schnäppchen nach dem anderen gejagt werden. 

Was nach einer großen Shopping-Party klingt, hat aber durchaus den ein oder anderen Haken. Welche das sind, verraten wir euch hier. 

 #1 Der Prime Day ist nur für Prime Mitglieder da

Wie der Name des Events schon verrät, ist der Prime Day nur für die Nutzer des Amazon Bonusprogramms “Amazon Prime“ gedacht. Ohne eine Mitgliedschaft könnt ihr nicht von den Angeboten profitieren. 

 Die Amazon Prime Mitgliedschaft

In Deutschland kostet die Amazon Prime Mitgliedschaft 69 Euro pro Jahr. Seit einiger Zeit kann man die Gebühr auch monatlich bezahlen, allerdings zahlt man dann knapp 8 Euro und damit aufs Jahr gerechnet 96 Euro. Mit dem Mehr von 27 Euro erkauft man sich die Möglichkeit, Prime monatlich zu kündigen. Ob es einem das wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. 

Die Vorteile einer Prime Mitgliedschaft sind bekannt und können in voller Länge hier eingesehen werden. Was die wenigsten wissen: Als Amazon Prime-Mitglied darf man eine weitere berechtigte, im Haushalt lebende Person einladen, als registrierter Gast die Amazon Prime-Versandvorteile ohne zusätzliche Kosten zu nutzen. Prime-Mitglieder, die bereits vor dem 08. November 2017 Prime Mitglied waren, können weiterhin bis zu vier berechtigte, im selben Haushalt lebende Personen als registrierte Gäste einladen.

Kostengünstiger fahren übrigens Studenten. Für die ersten 12 Monate des Abos fallen gar keine Gebühren an, die übernimmt der “Sponsor“ – in diesem Fall Durex (Stand 02.07.2019). Nach Ablauf des ersten Jahres kostet Prime Student jährlich 34 Euro oder monatlich 4 Euro. 

 30 Tage Prime kostenlos

Für Neumitglieder bietet Amazon einen 30-tägigen Gratiszeitraum an. Die Krux bei dem Probemonat liegt in der automatischen Verlängerung. Die wird dann kostenpflichtig. Damit sich der Probemonat nicht ungewollt in ein normales Prime-Abo verwandelt, musst Du in Deinem Kundenkonto auf “Meine Amazon Prime Mitgliedschaft verwalten“ gehen. Da siehst Du dann, ob der Probemonat noch läuft. Das erkennst Du im Menü auf der linken Bildschirmseite anhand des Datums, an dem die nächste Zahlung fällig wird. Befindest Du Dich noch innerhalb des Probemonats, kannst Du einfach auf “Mitgliedschaft beenden“ klicken. So wird aus dem kostenlosen Probe-Abo nicht automatisch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft. 

 #2 Vorsicht vor überzogenen Rabatten

Gegenüber der Welt rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zur Vorsicht. Und das nicht ohne Grund. Amazon setzt bei seinem Prime Day auf „verkaufspsychologische Folterinstrumente“ wie ablaufende Countdowns oder die angebliche Knappheit eines bestimmten Produktes. Georg Tryba, Online-Experte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, erklärt gegenüber der Welt, dass viele Artikel, die angeblich ablaufen, nach ein paar Stunden wieder im Netz stehen. Es besteht also nicht wirklich ein Grund, genau jetzt zuzuschlagen. 

Weiterhin raten die Verbraucherschützer, vor dem Kauf mindestens zwei weitere Preisvergleichsportale zurate zu ziehen. Nur wer die Preise vergleicht, weiß, ob er wirklich ein Schnäppchen macht. Übrigens gibt es für jedes Produkt eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers. In der Regel liegen die Preise im Handel unter dem UVP, doch wenn es um Schnäppchen geht, führen Händler gern den UVP als Vergleichswert an. Der Grund: Die angezeigte Ersparnis ist höher. Der Verbraucherschutz macht das an Beispiel für einen Mehrweg-Kaffeebecher sichtbar: 

UVP: 26,99 Euro 

normaler Händlerpreis: 15,99 Euro

Angebotspreis: 12,45 Euro 

Ersparnis zum normalen Händlerpreis: 22 Prozent

Ersparnis zum UVP: 54 Prozent 

Es ist übrigens auch schon vorgekommen, dass Händler vor der Schnäppchen-Aktion die Preise für die Produkte im Vorfeld extra erhöht haben, damit der prozentuale Nachlass noch größer ausfällt. Vor solchen sogenannten “Mondpreisen“ bzw. “Streichpreisen” wird immer wieder gewarnt. Eine solch irreführende Preisgegenüberstellung (Mondpreis bzw. Streichpreis gegenüber dem rabattierten Preis) ist nach dem “Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ irreführende Werbung und damit verboten.

Beim Prime Day kommt zudem noch die Gebühr für die Prime-Mitgliedschaft dazu. Die Kosten solltest Du zum Angebotspreis hinzurechnen. 

 #3 Frag Dich selbst, ob Du das Produkt wirklich brauchst

Frei nach dem Motto “Du hast bei dem Schnäppchen kein Geld gespart, sondern Geld ausgegeben“, solltest Du Dir ganz genau überlegen, ob Du das Produkt wirklich brauchst. Denn auch wenn Du vielleicht für den im oberen Beispiel genannten Mehrweg-Kaffeebecher zum UVP gut 14 Euro sparst, hast Du trotzdem über 12 Euro ausgegeben. Deshalb: Stell Dir die Frage, ob Du das Produkt wirklich brauchst. Nimm Dir die Zeit und denk darüber nach und lass Dich nicht von irgendwelchen Countdowns unter Druck setzen. 

Hast Du doch erst einmal beim Schnäppchen zugeschlagen und stellst dann fest, dass Du das Produkt doch nicht benötigst (oder es woanders noch günstiger gefunden hast), kannst Du online deine Bestellung 14 Tage lang widerrufen. Diese Taktik sollte aber nicht zum Standard werden, wenn Online-Händler, darunter auch Amazon, sperren Kundenkonten von Kunden, die ihr Widerrufsrecht ausnutzen. 

Julia Ptock