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Die Löschfristen der Auskunfteien im Überblick

Für Bonitätsdaten bei SCHUFA, Creditreform Boniversum und anderen Auskunfteien gelten Löschfristen. Wie diese Deine Bonität beeinflussen und wann das Negativmerkmal endlich verschwindet, erfährst Du hier:

text von

Elisa Thiem

27. November 2018

Löschfristen bestimmen die Zeitspanne, nach der ein Eintrag aus Deiner Bonitätsauskunft gelöscht werden muss.

Die meisten Einträge haben eine Löschfrist von drei Jahren. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie etwa Insolvenzverfahren.

Nicht immer werden Bonitätsmerkmale automatisch gelöscht, obwohl das eigentlich der Fall sein müsste. Deshalb ist eine eigenständige Überwachung der Einhaltung von Löschfristen sehr wichtig.

 Was sind Löschfristen?

Löschfristen legen fest, wann personenbezogene Daten, die von Unternehmen gespeichert und archiviert wurden, gelöscht werden müssen. Sie sollen damit den Erhalt des Datenschutzes für Dich als Verbraucher sicherstellen. Unter personenbezogene Daten fallen alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen. Oder anders ausgedrückt, alle Informationen, die sich Dir zuordnen lassen, wie etwa Dein Geburtsdatum oder Deine Kontonummer.

 Löschfristen und Negativmerkmale

Der Begriff "Löschfristen” begegnet Dir vermutlich sehr oft im Zusammenhang mit sogenannten Negativmerkmalen. Diese sind Einmeldungen an Auskunfteien über nicht vertragsgerechtes Verhalten.

Zum besseren Verständnis der Negativmerkmale: Stell Dir vor, Du bestellst etwas auf Rechnung und begleichst diese nicht. Nach der zweiten Mahnung darf das jeweilige Unternehmen diese Zahlungserfahrung mit Dir als Kunden an eine Auskunftei, wie etwa der SCHUFA oder Creditreform Boniversum, weitergeben. Die Auskunftei speichert dieses Verhalten als Negativmerkmal, was sich wiederum auf Deine Bonität auswirkt.

Negativmerkmale werden in verschiedene Kategorien unterteilt, die sich an der Schwere des jeweiligen Verstoßes orientieren. Sie können in weiche, mittlere und harte Merkmale aufgegliedert werden, die teilweise unterschiedliche Löschfristen aufweisen.

 Weiche Negativmerkmale

Unter weiche Negativmerkmale fallen beispielsweise angemahnte und nicht beglichene Forderungen. Einträge dieser Art werden maximal drei Jahre und dann taggenau in Deinen personenbezogenen Daten gespeichert und anschließend gelöscht.

 Mittlere Negativmerkmale

Mittlere Negativmerkmale sind unter anderem Vollstreckungsbescheide und Zwangsvollstreckungen. Die Löschfristen dieser Negativmerkmale sind in der Regel identisch zu denen von weichen Merkmalen.

 Harte Negativmerkmale

Haftbefehle zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung oder Verbraucherinsolvenzverfahren zählen beispielsweise zu den harten Negativmerkmalen. In diesen Fällen variieren die Löschfristen teilweise sehr stark. Die jeweilige Löschung des Negativmerkmals kann bis zu 10 Jahre nach dem Eintrag dauern.

 Die wichtigsten Löschfristen im Überblick

 1. Sofortige Löschung

Findest Du Daten, die veraltet, falsch oder unvollständig sind, müssen diese nach Aufforderung bei dem jeweiligen Unternehmen sofort gelöscht oder korrigiert werden.

Doch wie entdeckst Du, ob fehlerhafte Informationen über Dich gespeichert sind? Der einfachste Weg ist eine Bonitätsauskunft bei den Auskunfteien. Diese sammeln überblicksartig alle zu Dir gespeicherten Daten aus öffentlichen Registern (wie etwa Gerichtsdaten) und von kooperierenden Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Mit einer Bonitätsauskunft erhältst Du eine einfach Möglichkeit, alle über Dich gespeicherten Daten auf einen Blick zu kontrollieren. Dank der Datenschutz-Grundverordnung steht Dir mehrmals im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft zu, die alle Informationen enthält.

Mit bonify siehst Du sofort und kostenlos Deine bei unserer Partnerauskunftei Creditreform Boniversum gespeicherten Bonitätsinformationen ein.

Die sofortige Löschung gilt auch für geringfügige Schulden bis maximal 2.000 EUR. Begleichst Du diese Schulden innerhalb von 6 Wochen nach der Meldung, wird der Eintrag sofort gelöscht.

 2. Löschung nach maximal 3 Jahren

 Kredite

Hast Du einen Kredit erfolgreich abbezahlt, gilt eine Löschfrist von taggenau 3 Jahren nach dem Rückzahlungsdatum.

Beispiel: Ein Ratenkredit wurde zum 12.07.2015 vollständig zurückgezahlt. Der entsprechende Eintrag verschwindet zum 12.07.2018 aus Deiner Bonitätsauskunft.

 Abgeschlossene Inkasso- oder Mahnverfahren

Abgeschlossene Inkasso- oder Mahnverfahren haben eine Löschfrist von 3 Jahren und werden ebenfalls taggenau gelöscht. Voraussetzung hierfür ist die Begleichung der offenen Forderungen.

Beispiel: Du hast die Forderung eines Gläubigers am 04.05.2015 erfüllt. Das bedeutet, dass der Eintrag 3 Jahre später, also am 04.05.2018, aus Deiner Auskunft gelöscht wird.

 Gerichtsdaten

Gerichtsdaten, wie Haftanordnungen, Eidesstattliche Versicherungen oder Nichtabgabe der Vermögensauskunft, werden taggenau nach Ablauf von 3 Jahren gelöscht.

Beispiel: Ein gerichtlicher Eintrag wurde am 12.06.2015 im Schuldnerverzeichnis veröffentlicht. Dieser Eintrag wird am 12.06.2018 gelöscht.

 3. Ausnahmefälle von Löschfristen

Eine vorzeitige Löschung von Gerichtsdaten ist möglich, wenn der Schuldner den Zahlungsforderungen frühzeitig nachkommt. Dieser kann den gerichtlichen Eintrag nach dem Vorzeigen der Zahlungsbestätigung beim zentralen Vollstreckungsgericht löschen lassen.

Erst nach 10 Jahren sind Verbraucher- und Privatinsolvenzverfahren komplett verschwunden. Derartige Verfahren bestehen aus mehreren Verfahrensschritten. Daten aus einzelnen Verfahrensschritten müssen zwar schon nach drei Jahren gelöscht werden, in Gänze wird das Verfahren allerdings erst nach zehn Jahren gelöscht. Das Ganze sieht wie folgt aus:

Wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, erfolgt ein erster negativer Eintrag. Dieser wird jedoch bereits nach taggenau 3 Jahren wieder gelöscht.

Die Zeit, die zur Abbezahlung der Schulden benötigt wird, nennt sich “Wohlverhaltenszeit”. Diese Zeitspanne wird ebenfalls als Eintrag vermerkt und erst nach zusätzlichen 3 vollen Kalenderjahren gelöscht. Am Ende der Wohlverhaltenszeit erfolgt die Restschuldbefreiung.

Der erfolgreiche Abschluss des Insolvenzverfahrens wird dann nochmals 3 volle Kalenderjahre gespeichert. Auf diese Weise kommst Du auf insgesamt drei Einträge und, je nach Beginn des Insolvenzverfahrens, auf eine maximalen Löschfrist von insgesamt zehn Jahren.

Beispiel Löschfristen für Insolvenzverfahren: Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erfolgte am 02.04.2009. Nach taggenau 3 Jahren, also am 02.04.2012, wird der Eintrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gelöscht. Nun erfolgt ein Eintrag zur Restschuldbefreiung, welcher zum Abschluss des 3. Kalenderjahres, also am 31.12.2015, gelöscht wird. Das Insolvenzverfahren ist nun erfolgreich abgeschlossen. Diese Information wird ebenfalls für 3 volle Kalenderjahre bis zum 31.12.2018 gespeichert. Erst ab dem 01.01.2019 sind keinerlei Einträge mehr zu dem Insolvenzverfahren in der Bonitätsauskunft gespeichert.

 4. Bonitätsanfragen von Banken

Bewirbst Du Dich bei einer Bank auf einen Kredit, prüft diese Deine Bonität bei einer Auskunftei, um Deine Zahlungsfähigkeit besser einschätzen zu können. Hierbei kann die Bank zwischen zwei Merkmalen wählen: Der Kreditanfrage oder der Konditionsanfrage.

Eine Kreditanfrage wird taggenau 12 Monate in Deinen Bonitätsinformationen gespeichert. Fragst Du bei mehreren Banken einen Kredit an, summiert sich die Zahl der Einträge und führt unter Umständen zu einer Verschlechterung Deiner Bonität.

Im Gegensatz dazu wird eine Konditionsanfrage nicht gespeichert. Sie ist bonitätsneutral und hat daher keinen weiteren Einfluss auf Deine Bonität.

Unser Tipp: Bestehe immer auf eine Konditionsanfrage!

 Löschfristen und die DSGVO

Die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) legt fest, wann und unter welchen Voraussetzungen personenbezogene Daten gelöscht werden müssen. Sie wurde bereits im Frühjahr 2016 verabschiedet und enthält strenge Richtlinien zum Umgang mit personenbezogenen Daten. Seit Mai 2018 ist sie offiziell in Kraft getreten und europaweit wirksam.

Hier eine kurze Zusammenfassung, was die DSGVO für Dich, Deine Daten und deren Löschung bedeutet:

Es werden deutlich striktere Löschpflichten durchgesetzt, als im Vergleich zum bis dahin geltenden alten Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). So beinhaltet Artikel 17 der DSGVO explizit ein “Recht auf Vergessenwerden”. Damit ist gemeint, dass digitale Informationen zu einer Person nicht dauerhaft gespeichert werden dürfen.

Die unrechtmäßige Verwendung und Speicherung Deiner Daten können für das jeweilige Unternehmen sehr teuer werden. Es drohen Bußgeldstrafen von bis zu vier Prozent des globalen Umsatzes des Unternehmens, jedoch maximal 20 Millionen Euro.

Die erhobenen, gespeicherten sowie archivierten Daten und ihre vorhergesehene Löschung müssen von Unternehmen übersichtlich dokumentiert werden. Dabei muss eindeutig erkennbar sein, zu welchem Zweck die Daten erhoben wurden. Für eine fristgerechte Löschung dieser Daten ist seitens des Unternehmens zu sorgen.

Verbraucher können eigenständig Einschränkungen der Datennutzung und -verarbeitung von Unternehmen einfordern. Du kannst beispielsweise gemäß Artikel 21 DSGVO bei Unternehmen Widerspruch gegen die Verarbeitung Deiner Daten einlegen. Das entsprechende Unternehmen muss dem nachkommen, falls Dein Interesse an Deinen Daten schutzwürdig ist und somit die Unternehmensinteressen überwiegt.

Die DSGVO erweitert Dein Auskunftsrecht gegenüber Unternehmen. Jedes Unternehmen muss Dich auf Anfrage darüber informieren, welche Daten über Dich zu welchem Zweck gespeichert sind.

Die Regelungen gelten nicht nur auf Bundes- oder Landesebene, sondern sind europaweit wirksam. Sie dienen einer Vereinheitlichung der europäischen Datenschutzbestimmungen.

 Wo stehen die genauen Löschfristen?

Die Löschfristen sind weder in der Datenschutz-Grundverordnung, noch im neuen Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) schriftlich festgehalten. Sie waren Bestandteil des alten Bundesdatenschutzgesetzes, welches bis zum Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 den Datenschutz in Deutschland geregelt hat.

Laut dem Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht sind die bisherigen Löschfristen unter Geltung der Datenschutz-Grundverordnung weiterhin sachgerecht und gültig. Es ist allerdings fraglich, inwiefern Gerichte zukünftig anders entscheiden werden. Bis dahin gelten die oben genannten Löschfristen als status quo. Wir werden Dich informieren, falls sich die Sachlage ändert.

 Warum sind Löschfristen so wichtig?

Einträge in Deiner Bonitätsauskunft, egal ob positiv oder negativ, haben einen großen Einfluss auf Deine Kreditwürdigkeit. Deine Bonität wird mit einem Scorewert ausgedrückt, der unter anderem auf Grundlage Deiner Bonitätseinträge berechnet wird.

Stell Dir nun vor, gespeicherte Daten wären unendlich lang speicherbar. Das würde bedeuten, negative Einträge, wie beispielsweise ein Insolvenzverfahren, stünden für immer in Deiner Bonitätsauskunft und würden Deine Bonität langfristig schädigen.

Immerhin zwei Drittel aller gespeicherten Bonitätsinformationen sind fehlerhaft oder veraltet. Eine Fehlerquelle sind auch nicht eingehaltene Löschfristen. Einträge werden nicht immer automatisch zum Ablauf der Löschfrist tatsächlich gelöscht, obwohl die Unternehmen eigentlich dazu verpflichtet wären. Aus diesem Grund solltest Du regelmäßig Deine Bonität überprüfen und eventuelle Fehler korrigieren oder löschen lassen.

Vor allem zu Beginn eines neuen Jahres lohnt sich die Kontrolle Deiner Bonitätsauskünfte. Die Auskunfteien entfernen dank der Löschfrist häufig punktgenau zu Jahresbeginn bonitätsrelevante Daten. Aus diesem Grund empfehlen wir Dir in jedem Fall, Mitte Januar eine Selbstauskunft von allen relevanten Auskunfteien einzuholen.

 Wie bonify Dir mit Negativmerkmalen und Löschfristen hilft

Bei bonify hast Du die Möglichkeit, kostenlos und online Deine Bonität abzufragen. So kannst Du Deinen Bonitätsscore und die über Dich gespeicherten Daten ganz einfach kontrollieren. Solltest Du Einträge entdecken, die falsch oder veraltet sind, kannst Du diese direkt über bonify korrigieren lassen.

Du möchtest mögliche Negativmerkmale oder Einträge in Deinen Bonitätsdaten immer überblicken und die rechtskonforme Einhaltung der Löschfristen kontrollieren? Dann melde Dich jetzt auf bonify.de an!

Elisa Thiem

machte den Bachelor of Arts in Literaturwissenschaften in Bonn und den Master in Germanistik in Potsdam. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Manager bei bonify aus.