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Frauen und Finanzen: Von Hausfrauen zu CFOs

Frauen und Finanzen: Noch vor 40 Jahren mussten Frauen um Erlaubnis bitten, wenn sie arbeiten wollten. Bis heute hat sich einiges getan.

text von

Elisa Thiem

12. Dezember 2018

Noch immer ist die “Gender Pay Gap” (Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern) existent; Auch wenn nicht in jedem Unternehmen die Frauen weniger Gehalt beziehen, ist es doch die Regel. Skurrile Phänomene in der Marktwirtschaft wie “Gender Pricing” (unterschiedliche Preise für das gleiche Produkt in stereotypen Designs) noch immer Realität.

Wie aber steht es eigentlich um das Thema Frauen und Finanzen? Wie hantieren Frauen mit ihrem Geld? Wie sieht es mit den ach so beliebten Vergleichen zwischen Männern und Frauen in Bezug auf Kreditaufnahmen, Schulden und Co. aus? Der Bonitäts- und Finanzexperte bonify hat das finanzielle Verhalten von über 70.000 Nutzer*innen anonym analysiert und verrät, wie Frauen (und Männer) mit ihren Finanzen umgehen.

Bevor alles begann

Es erscheint absurd, aber tatsächlich konnten Ehemänner das Arbeitsverhältnis ihrer Frauen bis ins Jahr 1958 fristlos beenden, sollten sie der Meinung sein, die Gattin würde ihre “familiären Verpflichtungen vernachlässigen”. Nachdem diese Regelung abgeschafft wurde, dauerte es vier weitere Jahre bis Frauen ein eigenes Bankkonto eröffnen durften.

Erst seit 40 Jahren dürfen verheiratete Frauen selbst entscheiden, ob sie arbeiten gehen oder nicht. Vorher war das Einverständnis des Ehemannes nötig.

Aber wie ist es heute?

In den meisten westlichen Ländern schreitet die Emanzipation stetig voran. Frauen studieren, was sie möchten, machen Karriere in den verschiedensten Bereichen, werden Bundeskanzlerin, Premierministerin, gründen Konzerne und auch die “Gender Pay Gap” verkleinert sich – zumindest in jungen Unternehmen und manchmal nur in der Theorie.

Gender Pay Gap

In der Realität erhalten Frauen auch 2018 in Deutschland immer noch 19 bis 21 Prozent (je nach Region) weniger Lohn als Männer. So groß ist die sogenannte unbereinigte Lohnlücke. Unbereinigt auf Grund nicht berücksichtigter unterschiedlicher Qualifikationen, Berufe, Hierarchiestufen oder Arbeitsumfang. Bereinigt um diese Punkte bleibt immer noch eine Lücke von etwa sechs Prozent. Dabei gibt es Unterschiede in verschiedenen Berufen .

Nach Berufen

Tendenziell ist der Unterschied in frauendominierten Berufen am geringsten aber auch hier gibt es Ausreißer: Arzthelfer verdienen zehn Prozent mehr als ihre Kolleginnen, obwohl in diesem Beruf nur zwei Prozent Männer arbeiten. Am höchsten ist der Unterschied in Berufen mit ausgeglichenem Frauen- und Männeranteil. Besonders groß fällt die Lücke mit 27 Prozent im Verkauf aus. Frauen im Polizeidienst dagegen, mit einem geringen Frauenanteil von unter zehn Prozent, verdienen fast zehn Prozent mehr als Männer.

Bonität

Vielleicht habt Ihr Euch das bei Eurer letzten SCHUFA Auskunft gedacht. Es gibt sehr wohl – auch wenn nicht bekannt in welchem Maße – Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wenn es um die Berechnung von Bonitätsscores geht. So lässt sich beobachten, dass Frauen im Durchschnitt höhere Zinsen für Kredite zahlen, was sich in der Nutzeranalyse von bonify nachvollziehen lässt. (Nutzerinnen von bonify haben durchschnittliche Zinssätze von 5,1%. Männliche Nutzer hingegen 4,89% –  die monatliche Raten für Frauen betragen 215 EUR und 274 EUR für Männer).

 Frauen und Finanzen

Auf die Gesamtpopulation gerechnet, kommen 0,25 Kredite auf jede Frau und 0,34 Kredite auf jeden Mann. Ob das daran liegt, dass Männer eher dazu neigen, Kredite aufzunehmen oder aufgrund ihres in der Regel höheren Einkommens den Kreditantrag für die Familie stellen, lässt sich nicht eindeutig bestimmen.

Schaut man sich die überschuldeten Verbraucher an und teilt diese in Geschlechter auf, beträgt die durchschnittliche Schuldensumme der Frauen 20.420 EUR und die der Männer mehr als das Doppelte; nämlich 46.816 EUR.

Demnach ist, wenn man die gesamten Schulden auf jeden Kopf herunter rechnet, jede Frau um 3.416 EUR und jeder Mann um 9.967 EUR überschuldet. Eine zunehmende Überschuldung der Frauen bestätigt der Schuldneratlas 2018 der Creditreform Boniversum.

 Wie steht’s um den femininen finanziellen Muskel?

Mit der FinFitness berechnet bonify die finanzielle Gesundheit der Nutzer. Dazu sind vier Faktoren entscheidend: a) Haushaltsüberschuss, b) Ersparnisse, c) Rücklastschriften und d) Dauer des Angestelltenverhältnisses. Ähnlich wie die FinFitness bei bonify berechnet wird, analysieren auch Banken oder Versicherungen die finanzielle Situation potenzieller Kunden, bevor es tatsächlich zu einem Vertragsabschluss kommt.

Wie die bonify FinFitness-Studie von November 2017 ergab, unterscheidet sich der Unterschied des FinFitness-Werts zwischen weiblichen und männlichen Nutzern nicht signifikant voneinander.

Die durchschnittliche FinFitness der Frauen beträgt  59,8% und die der Männer 61,8%.

Fun Facts:

Wer einen Bausparvertrag besitzt, hat statistisch eine um 7% bessere FinFitness. Hier führen 7,1% der Frauen einen Bausparvertrag, in den monatlich durchschnittlich 115 EUR eingezahlt werden. (Zum Vergleich: Bei Männern sind es 7,8%, in den monatlich 173 EUR eingezahlt wird.)

Glücksspiel hingegen verschlechtert die FinFitness um 3%. Und auch hier ist der Geschlechterunterschied gering. Pro Quartal geben ganze 10,2% der bonify Nutzerinnen 76 EUR fürs Zocken aus. Bei den Männern sind es 12,1% pro Quartal, was 126 EUR an Ausgaben fürs Glückspiel macht.  

So verschuldet sind Frauen und Männer

 Zelebrieren wir die guten Dinge!

Frauen, die sich mit Finanzen beschäftigen und sich für innovative FinTechs wie bonify interessieren, stehen dem männlichen Geschlecht in nichts nach. Monatliche Zahlungen für Handyverträge, Kreditzinsen oder Autoversicherung unterscheiden sich minimal.

Natürlich gibt es noch immer viele Baustellen. Während heute der Fokus auf dem Weltfrauentag liegt, findet genau 10 Tage später. der “Equal Pay Day” statt; der Tag, ab dem Frauen das erste Mal in einem neuen Jahr beginnen, Geld zu verdienen. Die Gehaltslücke liegt aktuell noch immer bei 21%. Für das Jahr 2019 ergeben sich somit 77 unbezahlte Tage für Frauen. Demnach fällt der “Equal Pay Day” auf den  18. März 2019.

Auch hier gilt: Wissen ist Macht.

Wer sich seiner/ihrer Finanzen bewusst ist, verbessert sie langfristig. Die bonify FinFitness-Studie von 2017 ergab, dass diejenigen, die sich ein Jahr lang aktiv mit ihrer FinFitness beschäftigten, diese um 12% verbesserten und somit von gesünderen Finanzen profitieren. Wer die eigene Finanzlage generell überdenkt und optimiert, erhält günstigere Kredite, Finanzierungen und Verträge und somit auf lange Sicht nur Vorteile.

Der Weltfrauentag lädt dazu ein, sich über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Frauen Gedanken zu machen. Welche Aspekte von Gleichberechtigung wurden bereits erfüllt? Wo geht es in die richtige Richtung und wo herrscht noch viel Änderungsbedarf? Die Nutzeranalyse von bonify zeigt, dass die Aussichten zumindest auf den finanziellen Lebensbereich nicht schlecht stehen und vielleicht bald so gut wie keine Geschlechterunterschiede mehr im täglichen finanziellen Leben sichtbar werden.

Elisa Thiem

machte den Bachelor of Arts in Literaturwissenschaften in Bonn und den Master in Germanistik in Potsdam. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Manager bei bonify aus.