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Ratingagenturen: Ermittlung der Bonität von Staaten

Ratingagenturen ermitteln unter anderem die Bonität von Staaten. Wie sie dabei vorgehen und was Ratingagenturen genau sind erfährst Du hier.
Elisa Thiem

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Elisa Thiem

11. Dezember 2018
Ratingagenturen: Bonität von Staaten

Wenn Privatpersonen oder Unternehmen mehr Geld benötigen, als sie eigentlich zur Verfügung haben oder eine Investition tätigen möchten, nehmen sie in der Regel einen Kredit bei der Bank auf. Um herauszufinden, wie kreditwürdig die potentiellen Kreditnehmer sind, wird vor der Kreditvergabe eine Bonitätsprüfung durchgeführt. Wenn Staaten mehr Geld ausgeben möchten, als über die Steuern eingenommen wurde, machen ebenso Staaten Schulden. Auch wenn Staaten Schulden aufnehmen, werden sie auf ihre Kreditwürdigkeit geprüft. Dafür sind die Ratingagenturen zuständig.

 Was sind Ratingagenturen?

Staaten werden von Ratingagenturen auf ihre Bonität geprüft. Ratingagenturen sind private Unternehmen, die gewerbsmäßig nicht nur die Bonität von Staaten sondern auch die Bonität von Unternehmen ermitteln.

Das Rating ist für verschiedene Personengruppen von Interesse, neben Investoren zum Beispiel für Kreditinstitute, Zentralbanken und Versicherungen, denn sie alle haben ein ökonomisches Interesse an der Zahlungsfähigkeit des Staates. So werden Ratingagenturen auch von diesen Investoren, Kreditgebern und -nehmern sowie von Emittenten damit beauftragt die Bonität zu ermitteln.

Oft wird Ratingagenturen deshalb vorgeworfen, dass sie nicht unabhängig agieren können, da ihre Auftraggeber gleichzeitig ihre Kunden sind. Ratingagenturen werden oft kritisiert, dass sie keine objektive Bewertungen erstellen, sondern aus Eigeninteresse handeln. So sagt man Ratingagenturen nach, dass sie manchen Unternehmen bessere Ratings ausstellen, um von dem Unternehmen nochmals mit der Erstellung eines Ratings beauftragt zu werden.

 So funktioniert das Rating

Sowohl für Staaten als auch für Unternehmen vergeben Ratingagenturen einen Score von AAA (triple A) bis zu D, wobei AAA das beste und D das schlechteste Rating darstellt.

Die Faktoren, die zur Ermittlung der Bonität von Privatpersonen, Unternehmen und Staaten ermittelt werden sind entsprechend unterschiedlich. So werden bei Privatpersonen bisherige Zahlungserfahrungen und Personendaten wie Alter und Wohnort herangezogen. Bei Unternehmen spielen ebenfalls bisherige Zahlungserfahrungen sowie die Bilanz, Branche und Resistenz gegen Konjunkturschwankungen eine Rolle. Staaten finanzieren sich über Bonds und zur Ermittlung der Bonität wird ähnlich wie bei Unternehmen die Bilanz untersucht. Hier sind die Gesamtschulden, die Schulden verglichen zum Bruttoinlandsprodukt (dem Gesamtwert aller in einem Jahr produzierten Waren und Dienstleistungen eines Landes) sowie die Höhe des Budgetdefizits relevant. Dementsprechend ist die Wirtschaftsleistung eines Staates entscheidend für die Ermittlung der Bonität.

Probleme bei der Erstellung des Ratings und somit bei der Bewertung der Bonität ergeben sich daraus, dass Unternehmen sowie Staaten ein Interesse an einem möglichst guten Rating haben und anders als bei Privatpersonen auch einen Einfluss darauf haben, welche Informationen über sie den Ratingagenturen zugänglich sind. So müssen Unternehmen zum Beispiel auf Anfrage der Ratingagenturen Informationen offenlegen, doch es obliegt in der Hand der Unternehmen gezielt Informationen zur Bonitätsbeurteilung bereitzustellen. Auch das kann, neben des oben genannten Interessenkonfliktes der Ratingagenturen, eine unverfälschte Einschätzung der Bonität erschweren.

Ratingagenturen erstellen ebenfalls einen Ausblick. Dieser Ausblick soll Anlegern und weiteren Interessierten eine Einschätzung darüber geben, wie sich die Zahlungsfähigkeit des Staates in Zukunft entwickeln wird. Erteilt die Ratingagentur also einen negativen Ausblick, trotz gutem Gesamtrating, so kann das enorme Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft von Anlegern haben. Der Ausblick wird für die kommenden 6 Monate oder für 2 Jahre erstellt. Die Ausblick Stufen können dabei positive, stable, negative oder developing sein. Bei einem positiven Ausblick sind die Chancen hoch, dass das Rating in kommender Zeit noch verbessert wird, bei negative entsprechend umgekehrt. Der Ausblick developing deutet auf ein Rating hin, das sich sowohl positiv als auch negativ entwickeln könnte. Der Ausblick wird auf Grundlage des voraussichtlichen Wirtschaftswachstums und der politischen Entwicklungen in einem Land erstellt.

 Schlechte Bonität bei Staaten

Was passiert wenn ein Staat eine schlechte Bonität hat, beziehungsweise kein Investment Grade mehr (AAA bis einschließlich BBB bei Standard & Poor’s)? Wird ein Staat durch die Ratingagenturen als nicht mehr ausreichend zahlungsfähig erachtet, so erhält er ein schlechtes Rating. Ähnlich wie bei Privatpersonen und Unternehmen, führt das schlechte Rating dazu dass der Staat Kredite nun nur noch zu schlechteren Konditionen bekommen kann, das heißt zu höheren Zinsen.

Erfolgt kein Eingriff durch andere Staaten oder Staatengemeinschaften, so muss sich der Staat trotz der schlechten Konditionen weiter verschulden, um alte Schulden abzubezahlen. Das resultiert jedoch in einem Teufelskreis, da die hohen Zinsen die Zahlungsfähigkeit des Staates nur noch weiter verschlechtern. Das sieht man aktuell am Beispiel Griechenlands. Da ein Staat de facto nicht insolvent im Sinne eines Verbrauchers gehen kann, ergeben sich daraus viele Probleme.

Im Folgenden findest Du eine Übersicht der möglichen Ratings und von entsprechenden Länderbeispielen mit diesem Rating exemplarisch für Standard & Poor’s:

AAA

Deutschland

AA+

USA

AA

Frankreich

AA-

China

A+

Israel

A

Slovenien

A-

Botswana

BBB+

Spanien

BBB

Panama

BBB-

Indien

BB+

Bulgarien

BB

Brasilien

BB-

Georgien

B+

Kenia

B

Angola

B-

Argentina

CCC+

Barbados

CCC

Venezuela

CCC-

n/a

CC

n/a

C

n/a

D

Mosambik

Übersicht der möglichen Ratings und von entsprechenden Länderbeispielen

Elisa Thiem

Elisa Thiem

machte den Bachelor of Arts in Literaturwissenschaften in Bonn und den Master in Germanistik in Potsdam. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Manager bei bonify aus.