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Steuererklärung? Warum sich der Aufwand auch für Dich lohnt

Eine Steuererklärung lohnt sich auch für Dich als Arbeitnehmer, selbst wenn Du gar nicht dazu verpflichtet bist. Denn im Durchschnitt erhält jeder Steuerzahler eine Rückerstattung von 974 Euro. Wissenswertes zur Steuererklärung für 2018 liest Du bei uns.
Julia Ptock

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Julia Ptock

16. Juli 2019

“Und, hast Du schon Deine Steuererklärung gemacht?“ – Diese Frage löst bei vielen Steuerzahlern Kopfschmerzen aus. Die wenigsten Arbeitnehmer kümmern sich um ihre Steuererklärung, doch der Aufwand kann sich lohnen. Im Durchschnitt erhält jeder Steuerzahler eine Rückerstattung von 974 Euro.

Wir erklären Dir in diesem Artikel, wer überhaupt eine Steuererklärung machen muss und wer freiwillig eine Steuererklärung abgeben kann. Kleine Anmerkung in eigener Sache: Wir sind keine Steuerberatung und ersetzen keinen zertifizierten Steuerberater. Alle Angaben ohne Gewähr. 

 Bis wann muss die Steuererklärung abgegeben werden?

Falls Du eine Steuererklärung abgeben musst, gilt für Dich die gesetzliche Abgabefrist. Die Steuererklärung 2018 muss dann bis zum 31. Juli 2019 beim Finanzamt sein. Wenn die Erklärung durch einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein angefertigt wird, verlängert sich die Abgabefrist bis zum 28. Februar 2020.

 Wer muss keine Steuererklärung machen? 

Es gibt in Deutschland bestimmte Fälle, in denen keine Steuererklärung gemacht werden muss: 

#1 – geringes Einkommen

Verfügst Du nur über ein geringes Einkommen, das unter dem Grundfreibetrag liegt, musst Du keine Steuererklärung machen. Unter dem Grundfreibetrag versteht man den Betrag, der für das Existenzminimum festgelegt wurde. Anders gesagt: Der Grundfreibetrag soll Deine finanzielle Lebensgrundlage sichern.

Für 2018 liegt der Grundfreibetrag für ledige Personen bei 9.000 Euro, für zusammenveranlagte Verheiratete bei 18.000. In den kommenden Jahren wird der Betrag weiter steigen. 2020 wird er bei 9.408 Euro für Singles und bei 18.816 Euro für zusammenveranlagte Verheiratete liegen. Liegt Dein Bruttoeinkommen über den 9.000 Euro, musst Du Steuern zahlen. Aber: Neben dem Grundfreibetrag profitieren Arbeitnehmer vom sogenannten Arbeitnehmerpauschbetrag, der zusätzlich Einnahmen in Höhe von 1.000 Euro steuerfrei stellt. 

In diesem Sinne musst Du als Angestellter keine Steuererklärung für das Steuerjahr 2018 machen, wenn Du brutto ein jährliches Einkommen von 10.000 Euro oder weniger hattest. 

#2 – Steuerklasse I und nur Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit 

Wenn Du Arbeitnehmer und in Steuerklasse I einkategorisiert bist und nur Einnahmen aus Deiner Anstellung als Arbeitnehmer hast, bist Du nicht dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Gleiches gilt für verheiratete Personen mit der Steuerklassenkombination IV/IV. Hintergrund der Regelung: Dein Arbeitgeber hat bereits alle anfallenden Steuern an das Finanzamt abgeführt. 

 Wer muss eine Steuererklärung machen? 

Da es tatsächlich nur diese beiden Ausnahmen bei der Frage, ob man eine Steuererklärung machen muss, gibt, sind entsprechend viele Personen von der Pflicht betroffen. Geregelt wird die Pflicht im Einkommensteuergesetz §46 (EStG). Nachfolgend eine kurze Liste mit Erklärungen, ab wann Du dazu verpflichtet bist, eine Steuererklärung zu machen. Es muss mindestens ein Punkt auf Dich zutreffen.

#1 – Arbeitgeber 

Wenn Du Deinen Arbeitgeber in einem Jahr gewechselt hast und der neue Arbeitgeber bei der Lohnsteuerberechnung die Werte des vorherigen Arbeitgebers nicht berücksichtigt hat, musst Du tätig werden. Ist das der Fall findest Du auf Deiner Lohnsteuerbescheinigung den Großbuchstabe “S“ in Zeile 2. Eine Steuererklärung abgeben musst Du außerdem auch, wenn Du mehr als ein Anstellungsverhältnis hast und in Steuerklasse VI eingruppiert bist.

#2 – Lebenspartnerschaften 

Wenn Du und Dein Partner die Steuerklassenkombination III/V habt, bist Du zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Das gilt auch, wenn Steuerklasse IV mit Faktor gewählt wurde. Übrigens: Auch Geschiedene bzw. Verwitterte, die noch im selben Jahr heiraten, sind verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen. 

Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner müssen auch eine Steuererklärung machen, wenn einer der Partner eine Einzelveranlagung beantragt hat oder für Kinder nicht die hälftige Aufteilung des Ausbildungsfreibetrags bzw. des Behindertenpauschbetrags gewählt wurde.

#3 – Lohnersatzleistungen

Wenn Du Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I, Krankengeld, Kurzarbeitergeld oder Elterngeld erhältst, kann es sein, dass Du eine Steuererklärung abgeben musst. Generell sind diese Leistungen immer steuerfrei, allerdings unterliegen sie dem Progressionsvorbehalt und können den persönlichen Steuersatz auf die restlichen Einkünfte erhöhen. Es gilt: Bekommst Du mehr als 410 Euro pro Jahr dieser Lohnersatzleistungen, musst Du eine Steuererklärung machen. 

#4 – Nebeneinkünfte

Wie bereits erwähnt, musst Du eine Steuererklärung machen, wenn Du neben Deinen Einkünften aus Deiner nichtselbständiger Arbeit noch weitere Einkünfte hast. Dies können beispielsweise Mieteinnahmen oder Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit sein. Liegt die eingenommene Summe im Jahr unter 410 Euro, musst Du keine Steuererklärung machen. 

#5 – Freibetrag/Lohnsteuerermäßigungsanspruch

Wenn Du auf Deiner Lohnsteuerbescheinigung Freibeträge für den Lohnsteuerabzug hast eintragen lassen, musst Du ebenfalls eine Steuererklärung machen. Ausnahmen von der Regel sind eingetragene Pauschbeträge für Behinderte, Hinterbliebene und Kinderfreibeträge.

#6 – Minus aus dem Vorjahr (Verlustvortrag)

Hast Du im letzten Jahr einen steuerlichen Verlust, zum Beispiel aus Wertpapiergeschäften oder Kapitalanlagen, gehabt, musst Du eine Steuererklärung machen. Dieses Minus wird dann auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet. Übrigens: Auch Studenten können ihre Studienkosten von ihren zukünftigen Einnahmen abziehen lassen. 

#7 – Selbstständigkeit

Wenn Du ein Gewerbe hast, freiberuflich oder selbstständig tätig bist, kommst Du um eine Steuererklärung nicht herum. 

#8 – Das Finanzamt ruft an

Wenn Du einen Anruf oder einen vom Finanzamt bekommst und man Dich dazu auffordert, eine Steuererklärung zu machen, dann musst Du dieser Aufforderung auch nachkommen.

 Was muss versteuert werden?

Kurz und knapp: Relevant ist an dieser Stelle das zu versteuernde Einkommen.

Das Steuerrecht unterscheidet zwischen Einnahmen (alle Bruttobeträge, die Dir zufließen), Einkünften (Beträge, die übrig bleiben, wenn Du bestimmte Ausgaben von Deinen Einnahmen abziehst) und dem Einkommen (Summe aller Einkünfte, von denen Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen abgezogen wurden). 

Wie sich das zu versteuernde Einkommen zusammensetzt und was es für unterschiedliche Einkünfte gibt, kannst Du hier nachlesen. 

 Tools, die Dir bei der Steuererklärung helfen

Es ist mittlerweile nicht mehr nötig, die Steuererklärung in Papierform einzurichten – Digitalisierung sei Dank. Nachfolgend wollen wir Dir kurz eine kleine Auswahl von hilfreicher Software bzw. Tools vorstellen, die Dich bei der Steuererklärung unterstützen. 

Elster – die elektronische Steuererklärung

Die Abkürzung Elster steht für “elektronische Steuererklärung“ und ist ein Projekt der deutschen Steuerverwaltung, das von Bayerischen Landesamt für Steuern koordiniert wird. Für eingeloggter Nutzer steht eine individuelle Startseite zur Verfügung, die sich aus der ausgewählten Benutzergruppe ergibt. 

Für die elektronische Übermittlung der verschiedenen Steuerdaten via Internet stellt Elster zwei kostenlose Produkte zur Verfügung:

Mein ELSTER ist das Online-Finanzamt, mit dem die papierlose Abgabe der Steuerdaten über eine interaktive Webanwendung mit höchster Sicherheit, schnell und komfortabel möglich ist.

ElsterFormular ist das 2001 eingeführte Steuerprogramm, bei dem die Daten zu Hause am PC komfortabel eingegeben sowie anschließend die vollständigen Steuererklärungen verschlüsselt und mithilfe einer gesicherten Internetverbindung übertragen werden können.

Taxfix – die Steuer-App

Mit der Steuer-App Taxfix kann die Steuererklärung direkt mit dem Smartphone gemacht werden. Im Gegensatz zu anderen Tools beantwortet der Nutzer durchschnittlich 70 von tausend möglichen Fragen und kann Dokumentinhalte einfach per Scan übertragen. Die App erkennt automatisch die Werte und trägt sie in die richtigen Felder der Steuerunterlagen ein. Am Ende erfährt der Nutzer sofort, wie hoch die Steuererstattung ausfallen wird. Abschließend erstellt Taxfix die Steuerunterlagen und überträgt sie papierlos über die offizielle ELSTER-Schnittstelle elektronisch an das zuständige Finanzamt.

Für diese Übermittlung einer Steuererklärung berechnet Taxfix eine einmalige Gebühr von 34,99 Euro. Bei einer Steuererstattung unter 50 Euro bleibt die App gebührenfrei.

Tax 2019 – die Standard-Lösung

Wie das Online-Portal Finanztip in seinem umfassenden Steuersoftware-Vergleich schreibt, ist Tax 2019 eine für die meisten Arbeitnehmer genügende Standard-Lösung und wird von der Redaktion uneingeschränkt empfohlen.

Tax ist laut Finanztip einfach zu bedienen und lässt sich für bis zu fünf Steuererklärungen innerhalb eines Haushalts nutzen. Die Software unterstützt die vorausgefüllte Steuererklärung. Vorjahresdaten kann das Programm ebenfalls übernehmen. Zudem lässt sich die Steuererklärung komplett papierlos abgeben, weil die Software die digitale Signatur anbietet. Tax von Anbieter Buhl ist für die Finanztip-Redaktion der Preis-Leistungs-Sieger für die Masse der nicht so komplizierten Steuerfälle und kostet rund 15 Euro.

Da ein wirklich umfassender Vergleich zu Steuersoftware hier den Rahmen sprengen würde, möchten wir Dir an dieser Stelle den Software-Vergleich von Finanztip empfehlen, den Du hier findest.

Übrigens noch ein kleiner Hinweis: Einen Teil der Steuerberatungskosten, also auch die Kosten, die Du in Software investiert hast, kannst Du von der Steuer absetzen. Weitere Informationen dazu findest Du an dieser Stelle

 Legale Steuertricks

Fällt das Wort Steuererklärung, denkt natürlich sofort jeder an Steuertricks. Steuerbetrug ist kein Kavaliersdelikt und wen das Finanzamt beim Betrügen erwischt, muss mit harten Strafen rechnen. 

Allerdings kann man sehr wohl durch den ein oder anderen legalen Trick ein bisschen mehr Geld bei der Steuer rausschlagen. Die Anbieter der Steuer-App Taxfix haben auf ihrem Blog einige legale Steuertricks zusammengetragen. Wir fassen diesen nachfolgend kurz zusammen: 

#1 – Entfernungspauschale nutzen

Geht es um den Arbeitsweg, kann es sich zeitlich manchmal lohnen, den längeren Weg zu nehmen. Wenn Du einen längeren und offensichtlich verkehrsgünstigeren Weg tatsächlich regelmäßig nutzt, kannst Du diesen auch angeben. Aber Vorsicht: Dank Google kann das Finanzamt sehr schnell nachprüfen, ob der Weg tatsächlich schneller und verkehrsgünstiger ist. Kilometer dazu zu schummeln, ist nicht erlaubt. 

#2 – Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen

Krankheitskosten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, können häufig als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden. Dabei ist aber wichtig, dass ein Arzt vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Kauf des Hilfsmittels eine Verordnung dieser ausgestellt wurde. Zudem muss die Summe der Kosten die der sogenannten zumutbaren Eigenbelastung überschreiten. Was sich dahinter verbirgt, kannst Du hier nachlesen

#3 – Sachspenden

Dass man Geldspenden von der Steuer absetzen kann, ist kein Geheimnis. Die wenigsten wissen aber, dass man auch Sachspenden in der Steuererklärung angeben kann. Dabei ist aber wichtig, dass die Spenden für die satzungsmäßigen Zwecke des Vereins genutzt werden. Es ist auch möglich, gebrauchte Gegenstände abzusetzen. 

#4 – Tiersitter

Tiersitter können als haushaltsnahe Dienstleistungen abgesetzt werden. Dies ist aber nur möglich, wenn Dein Liebling in Deiner Wohnung versorgt wird. Absetzbar sind Fahrt- und Arbeitskosten, Futter oder Katzenstreu leider nicht. Als Sonderausgaben kannst Du übrigens auch Haftpflichtbeiträge für Hunde oder Pferde. Diese Beiträge müssen als Teil Deiner privaten Versicherungen aufgeführt werden. 

#5 – Berufskleidung

Die professionelle Reinigung von Berufskleidung (wie z. B. von Polizisten, Ärzten und Krankenschwestern) kann als Werbungskosten abgesetzt werden. Es empfiehlt sich, die Berufsbekleidung in der Reinigung – und nicht selbst – waschen zu lassen. 

#6 – Eigenbelege statt Quittung

Wenn Du keinen ordentlichen Nachweis für eine Ausgabe hast (also eine Rechnung oder Quittung), kannst Du die Ausgabe auch mit einem Eigenbeleg beim Finanzamt nachweisen. Taxfix rät allerdings, dass Eigenbelege nur im Ausnahmefall eingesetzt werden sollten. 

#7 – Kontoführungsgebühren

Immer mehr Banken lassen sich das Girokonto bezahlen und verlangen Kontoführungsgebühren. Diese sind in Höhe von 16 Euro aber pauschal absetzbar. 

Eine Steuererklärung als Arbeitnehmer zu machen, ist dank digitaler Helfer mittlerweile recht einfach und dauert oft nicht so lang, wie viele glauben. Selbst bei einem großzügig geschätzten Zeitaufwand von vier Stunden würde der Stundenlohn bei der durchschnittlichen Steuerrückerstattung von 974 Euro mehr als 240 Euro betragen. 

bonify selbst hilft Dir zwar nicht bei der Steuererklärung, allerdings unterstützen wir Dich dabei, Deine Finanzen im Blick zu behalten. Als kostenfreie Finanzmanager-App zeigen wir Dir Deine Sparpotenziale bei Deinen Ausgaben auf. Teste bonify noch heute und melde Dich in weniger als drei Minuten an! 

Julia Ptock

Julia Ptock

hat ihren Master of Arts in Germanistik & Kommunikation- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig gemacht. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Managerin bei bonify aus.