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Alles, was Du über Strafzinsen wissen musst!

Strafzinsen, Negativzinsen, Minuszinsen oder Verwahrentgelt – egal wie es genannt wird, die Begriffe lösen ein mulmiges Gefühl aus. Aber das muss gar nicht sein! Wir erklären Dir in diesem Artikel, was Strafzinsen sind, warum es sie gibt und ob Dein Erspartes vom Strafzins betroffen ist.

text von

Elisa Thiem

10. Dezember 2018

 Was sind Strafzinsen?

In den letzten Jahren sind die Zinsen auf Erspartes immer weiter gesunken. Das geht mittlerweile so weit, dass es kaum noch eine Bank gibt, die überhaupt Zinsen für Dein Sparguthaben zahlt und wenn doch, dann nur knapp über 0 %.

Wohingegen Sparer früher mit Zinsen für die angehäufte Summe an Geld “belohnt” wurden, werden diese jetzt ab einer bestimmten Summe an Guthaben von verschiedenen Banken “abgestraft”. So kommen negative Zinsen und der des “Strafzins” zustande.

Von Strafzinsen ist also dann die Rede, wenn Du für Dein erspartes Guthaben zusätzlich Zinsen zahlen musst. Negative Zinsen betreffen dabei alle Konten und Formen der Lagerung von Geld auf der Bank. Das heißt also, dass Strafzinsen für Guthaben auf Sparkonten wie Sparbüchern und Girokonten gleichermaßen angewendet werden können.

 Strafzinsen Definition

Strafzinsen sind negative Zinsen auf Dein Sparguthaben.

Aber keine Panik! Nicht jedes gesparte Guthaben ist vom Strafzins betroffen. Wer tatsächlich Negativzinsen zahlen muss und wie hoch diese sind, hängt von der jeweiligen Bank ab.

 Wer muss Strafzinsen zahlen?

Vorerst sind nur Unternehmen sowie überaus wohlhabende Sparer von Strafzinsen betroffen, denn diese "Minuszinsen" werden zumeist erst ab einem Betrag ab 500.000 € an Spareinlagen fällig. Mittlerweile geht die Grenze einzelner Banken, die negative Zinsen fordern, immer weiter runter auf bis zu 100.000 €.

Eine durchsetzungsfähige Lösung diese Art von Zinsen für kleinere Sparbeträge einzuführen, hat sich jedoch noch nicht gefunden und wird von Banken als Tabu betrachtet. Zum aktuellen Zeitpunkt sind Sparguthaben bis zu der Summe von 100.000 € sogar von der Bank geschützt und das selbst dann, wenn die Bank pleite gehen sollte.

Das Ziel von negativen Zinsen ist es demnach nicht, dass Sparer Geld ab einer bestimmten Summe abheben, sondern dass vermögende Sparer ihr Geld in Aktien oder ähnliche Wertpapiere investieren.

 Warum gibt es Strafzinsen und wie hoch sind sie?

Strafzinsen sind ein Produkt der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), welche den Leitzins der europäischen Geldpolitik festlegt. Tatsächlich übt die EZB seit geraumer Zeit gezielt Druck auf die Banken aus, Negativzinsen einzuführen, indem sie selbst negative Zinsen für Kapitalüberschüsse von Banken verhängt. Der Strafzins der EZB an Banken liegt hierbei bei -0,4 Prozent.

Da Banken selbst keine Minuszinsen bei der EZB für geparkte Kapitalerträge zahlen wollen, erhöhen diese wiederum den Druck auf vermögenden Kunden, ihr Erspartes nicht sinnlos zu lagern (Verwahrentgelt), sondern zu investieren. Gleichzeitig werden Banken so dazu bewegt, überschüssiges Geld einfacher für Kredite herauszugeben, um so die wirtschaftliche Situation anzukurbeln.

Vermögende mit einem hohen Sparguthaben müssen mit zwischen -0,3 bis -0,5 Prozent Strafzinsen rechnen. Dieser Prozentsatz wird individuell von den einzelnen Banken berechnet und auf das Ersparte angewendet.

 Welche Banken erheben Negativzinsen?

Nicht alle Banken verlangen Strafzinsen, obwohl die Zinspolitik der EZB natürlich alle Banken gleichermaßen mit ihren Richtlinien unter Druck setzt. Woran liegt es also, dass einige Banken noch keine Minuszinsen für vermögende Sparer verhängen?

Das kann verschiedene Gründe haben, wir listen Dir hier die wichtigsten auf:

Viele Banken haben Angst, dass ihre Kunden zu konkurrierenden Banken wechseln.

Um die Weitergabe von Negativzinsen an Kunden zu vermeiden, haben Banken zuerst andere Maßnahmen wie Stellenabbau und Filialschließungen eingeleitet.

Banken versuchen, Strafzinsen durch Girokontogebühren auszugleichen. Diese wirken auf Kunden harmloser, sind aber vor allem für Kleinsparer in der Summe sogar höher als mögliche Minuszinsen.

Falls Dich interessiert, welche Banken bereits Strafzinsen für Erspartes berechnen und welche Konten jeweils betroffen sind, findest Du hier eine Übersicht zu Banken mit Negativzinsen.

 Von Strafzinsen betroffen, was nun?

Falls Du zu den sehr vermögenden Sparern gehörst und direkt vom Strafzins betroffen bist, hast Du im Endeffekt drei Möglichkeiten:

Die “sichere” Variante: Du bleibst bei der Bank und nimmst den Strafzins in Kauf.

Die “risikoreichere” Variante: Du investierst in Immobilien oder Sachgüter wie Gold.

Die “risikoreichste” Variante: Du investierst Dein überschüssig Erspartes in Wertpapiere.

Bist Du neugierig, welche weiteren Varianten es noch gibt, Dein Geld bestmöglich anzulegen? Dann lies Dir unseren Artikel über alle Optionen der Geldanlage durch!

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Elisa Thiem

machte den Bachelor of Arts in Literaturwissenschaften in Bonn und den Master in Germanistik in Potsdam. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Manager bei bonify aus.