Cybercrime: Zahlen und Statistiken für Deutschland 

Internetkriminalität, Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl - abstrakte Gefahren, die eine ernst zu nehmende Bedrohung darstellen. Wie groß diese ist, zeigen Ergebnisse aus unterschiedlichen Studien und Berichten. Mit Infografik.

Julia Ptock
Statistiken mit Lupe

Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren und Informationen zu seiner eigenen Person. Verbrecher und Kriminelle nutzen das aus. Sie sammeln im Netz zu einer Person so viele verfügbare Daten wie möglich und übernehmen irgendwann die Identität des ahnungslosen Internetnutzers. Mit der gestohlenen Identität können Betrüger im Internet nachhaltigen Schaden anrichten. Was du machen solltest, wenn du Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden bist, haben wir in diesem Artikel für dich zusammen gefasst. 

Aber sind Identitätsdiebstahl und Datenmissbrauch wirklich ein so großes Problem? Statistiken für Deutschland gibt es eher selten. Doch die Studien, die es gibt, zeichnen ein klares Bild. Nämlich, dass immer mehr Menschen in Deutschland Opfer von Datendiebstahl werden. Wir haben für dich die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zu dem Thema herausgesucht und aufgearbeitet. 

 Cybercrime: mehr als 100.000 Straftaten in 2019

Das Deutsche Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht jedes Jahr im Herbst das sogenannte „Bundeslagebild Cybercrime". Laut BKA umfasst Cybercrime die Straftaten, „die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten (Cybercrime im engeren Sinne, CCieS) oder die mittels dieser Informationstechnik begangen werden."

Straftaten in Bereich CCieS beinhalten unter anderem Fälle von Computerbetrug und das Ausspähen beziehungsweise Abfangen von Daten. In der nachfolgenden Grafik haben wir die jeweiligen Fallzahlen von 2010 bis 2019 zusammengefasst. Vor allem in den letzten vier Jahren hat die Gesamtanzahl an Delikten im Bereich Cybercrime zugenommen. Zwischen 2018 und 2019 wird ein Plus von 15,4 Prozent verzeichnet. Der größte Anteil der Straftaten wird im Bereich Computerbetrug registriert. Für das Jahr 2019 wurde in diesem Deliktsfeld ein Anstieg von 18 Prozent registriert. Die Fälle, in denen Daten ausgespäht oder abgefangen wurden, sind seit 2015 weitestgehend konstant. Sie schwanken zwischen 9.600 in 2017 und 10.628 in 2016. 2019 wurden knapp 10.000 Delikte zur Anzeige gebracht. Das BKA geht jedoch davon aus, dass im Bereich Cybercrime von einem „weit überdurchschnittlichen Dunkelfeld ausgegangen werden kann". Das liegt unter anderem daran, dass betroffene Personen gar nicht merken, dass sie Opfer einer Straftat geworden sind oder die Straftaten nicht angezeigt werden, weil kein finanzieller Schaden entstanden ist.  

Statistik Fälle von Cybercrime laut BKA Bundeslagebild Cybercrime
Anzahl der Delikte Cybercrime, Computerbetrug und Ausspähen/Abfragen von Daten zwischen 2010 und 2010. Quelle: BKA - Bundeslagebild Cybercrime

Übrigens: In dem Deliktsfeld Computerbetrug werden Sachverhalte erfasst, bei denen das Internet als Tatmittel fungiert hat. Darunter fallen nach Angaben des BKA zum Beispiel auch der Waren- oder Leistungsbetrug in folgender Form: Beim Versuch, eine Ware oder Dienstleistung über das Internet zu erlangen, erfolgt durch die Betrüger keine Bezahlung der Bestellung. 

Die Ausgaben des „Bundeslagebild Cybercrime" können übrigens auf der Webseite des BKA heruntergeladen werden. 

 Jeder 3. Deutsche bereits Opfer von Identitätsdiebstahl

Cyberkriminalität, Computerbetrug und Datendiebstahl sind entweder Überbegriffe oder vorbereitende Handlungen für den Identitätsmissbrauch. Unter Identitätsmissbrauch versteht man die missbräuchliche Nutzung personenbezogener Daten (der Identität) einer natürlichen Person durch Dritte. Aber wie oft kommt es dazu? Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC von 2016 gibt Antwort auf die Frage. 

Laut der Studie „Identitätsklau - die Gefahr aus dem Netz" gab bereits 2016 jeder dritte Deutsche an, schon einmal von einem Identitätsdiebstahl betroffen gewesen zu sein. Oft wurde dabei die E-Mail-Adresse für den Versand von Spam-Mails missbraucht. Für diese Opfer Glück im Unglück, denn es gibt verschiedene Arten des Identitätsdiebstahls, die mitunter mit einem erheblichen Vermögensschaden verbunden sind. 

Laut den Studienautoren ist die häufigste Masche, für die die Identität missbraucht wird, der Warenkreditbetrug. 27 Prozent der Befragten, die schon einmal Opfer waren, gaben an, bereits Rechnungen für Einkäufe erhalten zu haben, die sie nicht getätigt hatten. Beim Warenkreditbetrug bestellen die Kriminellen online Waren und lassen die Pakete beispielsweise an Paketstationen liefern. Die Rechnungen sind nicht zustellbar und werden entsprechend nicht bezahlt. Der Online-Händer lässt dann die richtige Adresse, also die des Identitätsdiebstahlsopfers, ermitteln und schickt Rechnungen und Mahnungen an das unwissende Opfer. 

Ein Identitätsdiebstahl kann entsprechend auch zu einem finanziellen Schaden führen. Knapp 30 Prozent der Befragten, die schon einmal Opfer waren, haben einen finanziellen Schaden erlitten. Bei 27 Prozent lag dieser bei über 1.000 Euro, der durchschnittlich erlittene finanzielle Schaden beträgt 1.366 Euro. 

 Immer mehr Menschen haben Datenschutz- und Sicherheitsbedenken

Nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten EU, wächst die Sorge, Opfer von Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl zu werden. Der im Januar 2020 von der Europäischen Kommission veröffentlichte Report „Europeans' attitudes towards cyber security" zeigt deutlich, dass Europäer - und auch Deutsche - ihr Online-Verhalten aufgrund von Datenschutz- und Sicherheitsbedenken verändert haben. 

Demnach gaben 46 Prozent der befragten Europäer, die das Internet regelmäßig nutzen, an, dass sie am ehesten darüber besorgt sind, dass jemand ihre persönlichen Daten missbrauchen könnte. In Deutschland liegt der Wert mit elf Prozentpunkten um einiges höher als der EU-Durchschnitt. Mehr Sorgen vor Datenmissbrauch machen sich nur die Einwohner Zyperns (60 Prozent) und die Griechen (wie in Deutschland 57 Prozent). Im Vergleich zu 2018 ist der Wert in Deutschland um 12 Prozentpunkte gestiegen. Das ist der höchste Anstieg innerhalb Europas. 

 Deutsche wechseln eher selten ihre Passwörter

Diese zunehmende Sorge vor Datenmissbrauch wirkt sich auf die Art und Weise, wie das Internet genutzt wird, aus. Beispielsweise gaben 42 Prozent der befragten Europäer an, dass sie keine E-Mails mehr vor Absendern öffnen, die sie nicht kennen. Genauso viele erklärten, dass sie Anti-Viren-Software auf ihrem Gerät installiert haben. Fast ein Drittel (30 Prozent) gab zudem an, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie persönliche Informationen auf einer Webseite eingeben, gesunken ist. Allerdings nutzen nur 29 Prozent verschiedene Passwörter für unterschiedliche Online-Accounts. 

Mit Blick auf Deutschland ergibt sich folgendes Bild: 

Jeder Zweite öffnet keine E-Mails von Absendern, die er nicht kennt. 

57 Prozent haben eine Anti-Viren-Software installiert. 

48 Prozent der Deutschen gaben an, dass die Wahrscheinlichkeit, persönliche Informationen auf einer Webseite einzugeben, gesunken ist.

Allerdings nutzen nur vier von zehn Deutschen (41 Prozent) unterschiedliche Passwörter für verschiedene Online-Dienste.

Apropos Passwörter: Deutsche ändern eher ihr E-Mail-Passwort als das für ihr Online-Banking. Die Studienautoren wollten wissen, für welchen Online-Dienst in den letzten zwölf Monaten das Passwort geändert wurde. Während 41 Prozent der Deutschen ihr E-Mail-Passwort im letzten Jahr mindestens einmal geändert haben, haben nur 36 Prozent ihr Online-Banking-Passswort geändert. Ein Drittel (34 Prozent) gab sogar an, dass sie für keinen Online-Dienst das Passwort in den letzten zwölf Monaten geändert haben. 

 Jeder Zweite fühlt sich gut informiert

Die Studienautoren fragten auch, wie gut sich die Europäer über die Risiken von Cyberkriminalität informiert fühlen. Das Ergebnis: Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) fühlt sich gut informiert, weitere 11 Prozent sogar sehr gut. Das bedeutet aber auf der anderen Seite, dass fast die Hälfte (47 Prozent) sich nicht gut über die Risiken informiert fühlt. 17 Prozent gaben an, dass sie überhaupt nicht informiert sind. 

Für Deutschland ergibt sich ein vergleichbares Bild. 56 Prozent - und damit mehr als die Hälfte - hält sich für gut informiert. Nicht gut informiert fühlen sich 43 Prozent. Die restlichen zwei Prozent machten keine Angaben. Auch wenn der Wert in Deutschland über dem EU-Durchschnitt liegt, ist noch viel Platz nach oben. In den Top-3-Länder Dänemark, Niederlande und Schweden geben zwischen 80 und 72 Prozent der Befragten an, dass sie sich gut informiert fühlen. 

Sosehr sich die Europäer und die Deutschen über die Risiken von Cyberkriminalität informiert fühlen, so wenige sehen sich selbst dazu in der Lage, sich vor Cyberkriminalität zu schützen. Zwar sind 2019 immer noch 53 Prozent der Deutschen der Meinung, dass sie sich selbst schützen können, doch ist der Wert im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozentpunkte gesunken. Das übertrifft nur Belgien mit einem Minus von 19 Prozentpunkten. 

 Deutsche haben eher Angst vor Malware als vor Identitätsdiebstahl

Aber zurück zu den eigentlichen Gefahren. Cyberkriminalität umfasst viele verschiedene Arten von kriminellen Aktivitäten, wie beispielsweise Bankkarten- oder Online-Banking-Betrug, Schadsoftware, Identitätsdiebstahl, Hacking von Online-Accounts und vieles mehr. Wie zu erwarten, sorgen nicht alle möglichen Aktivitäten für gleich viele Sorgen oder Bedenken. 

In Deutschland sorgen sich die Menschen eher davor (61 Prozent), dass ihr Computer oder Smartphone mit Schadsoftware infiziert wird, als vor Identitätsdiebstahl (55 Prozent). Vor Bankkarten- und Online-Banking-Betrug haben 58 Prozent Angst. Übrigens: Auch Phishing-Mails, über die Betrüger persönliche Daten abgreifen wollen, bereiten mehr als jedem Zweiten (55 Prozent) Sorgen. 

Die Teilnehmer der Studie wurden auch gefragt, ob in den letzten drei Jahren jemand aus ihrer Familie oder dem Freundes- und Bekanntenkreis Opfer eines Cyberverbrechens geworden ist. Das Ergebnis für Deutschland: 

Jeder Dritte (34 Prozent) kennt jemanden, der E-Mails erhalten hat, in denen nach persönlichen Daten gefragt wurde.

27 Prozent kennen jemanden, der Malware oder Viren auf seinem Computer entdeckt hat. 

Fast jeder Fünfte (18 Prozent) kennt jemanden, der schon einmal auf einen Fake-Online-Shop oder eine Produktfälschung hereingefallen ist.

Geht es um Identitätsdiebstahl, sagen acht Prozent, dass sie ein Opfer kennen. Der Wert ist zwar niedrig, allerdings hat er sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. 

 Infografik „Identitätsdiebstahl: die Gefahr aus dem Internet"

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