Opfer von Identitätsdiebstahl? Das kannst du tun!

Mit gestohlenen Identitäten können Betrüger im Internet nachhaltigen Schaden anrichten. Vermutest du einen Identitätsdiebstahl oder hat sich dieser bestätigt, solltest du sofort handeln. Hier geben wir dir Tipps, wie du vorgehen kannst.

Aurica Voss
Digitaler Identitätsdiebstahl

Das Thema Identitätsdiebstahl nimmt nach wie vor einen hohen Stellenwert ein, wenn es um Datenschutz und Sicherheit im Internet geht. In diesem Artikel erhältst du relevante Informationen rund um dieses Thema und Tipps, was du tun kannst, wenn du selbst betroffen bist.

 Was kann mit gestohlenen Identitätsdaten passieren?

Identitätsdiebstahl, also die missbräuchliche Nutzung personenbezogener Daten durch unbefugte Dritte, ist in Deutschland eine der häufigsten Betrugsarten im Internet. Möglichkeiten, wie Datendiebe die gestohlenen Informationen verwenden können, sind zum Beispiel:

Waren oder kostenpflichtige Dienstleistungen online in deinem Namen bestellen, ohne sie zu bezahlen.

Neue Kredite bei verschiedenen Institutionen beantragen. 

Mit deinen Kreditkarten einkaufen.

Überweisungen oder Abbuchungen von deinem Konto veranlassen.

Sich in deinem Namen bei Versorgungsunternehmen und kostenpflichtigen Dienstleistern anmelden.

Deine Kreditwürdigkeit ruinieren.

Diese und weitere Ausprägungen eines Identitätsdiebstahls können dein wirtschaftliches Leben auf Jahre einschränken. Hinzu kommt: Selbst, wenn die Ursachen beseitigt sind, kannst du weiterhin Schwierigkeiten bekommen, sobald du zum Beispiel Kredite aufnehmen oder einen Handyvertrag abschließen möchtest. Deine Bonität kann nachhaltigen Schaden nehmen, vor allem dann, wenn du den Identitätsbetrug erst spät bemerkst. Tipps, wie du dem Diebstahl und Missbrauch deiner Daten vorbeugen kannst, findest du hier.

 Welche Arten des Identitätsdiebstahls und -missbrauchs gibt es?

Am häufigsten tritt im Zusammenhang mit Identitätsdiebstahl der sogenannte Warenkreditbetrug auf: Betrüger bestellen in Online-Shops Waren auf Rechnung und lassen sich diese an Paketstationen liefern. Die Rechnung bezahlen sie nicht und die geschädigte Person bekommt nicht mit, dass in ihrem Namen Waren bestellt wurden. Lässt der Betrüger die Rechnung ebenfalls an die abweichende Lieferadresse senden, ist das Opfer unter Umständen schon zu einem vermeintlichen Schuldner geworden: Dann wurde bereits ein Mahnverfahren eingeleitet, gefolgt vom Eintrag ins Schuldnerverzeichnis und schlimmstenfalls dem Ergehen eines Haftbefehls. 

Ebenfalls weitverbreitet im Kontext des Identitätsdiebstahls sind Bankbetrug, Kreditkartenbetrug sowie Kontenraub. Hier werden Kontoinformationen missbraucht: Mit gestohlenen Bank-Login-Daten oder Kreditkartennummern werden Geldbeträge auf eigene Konten überwiesen oder Online-Käufe getätigt. Der Versuch, mit den missbrauchten Daten Kredite aufzunehmen, ist ebenfalls nicht untypisch.

Ursachen in all diesen Fällen können manipulierte Bankautomaten, gehackte Passwörter, gestohlene oder verlorene Ausweise oder Phishing-Attacken sein.

Eine dritte Form des Identitätsdiebstahls spielt sich bei Kommunikationsdiensten wie sozialen Netzwerken und E-Mail-Providern ab und ist nicht zu unterschätzen. Die betroffenen Accounts werden gehackt und im Namen des Account-Inhabers beispielsweise Phishing-Mails versandt. Oder es werden Social-Media-Profile verwendet, um eine Person gezielt zu mobben oder ihren Ruf zu schädigen. Auch Zugangsdaten zu Bankkonten können mit missbrauchten Social-Media-Accounts abgefangen werden.

Im Folgenden geben wir euch Hinweise, was ihr in den entsprechenden Fällen tun könnt.

 Rechnung für Ware, die ich nicht bestellt habe - was tun?

Wenn du eine Rechnung, Mahnung oder ein Inkassoschreiben erhalten hast für etwas, das du nicht bestellt hast, solltest du schnell handeln. Auch wenn das Schreiben unberechtigt ist: Ignorieren solltest du es auf keinen Fall. 

Gegebenenfalls musst du damit rechnen, dass weitere Zahlungsaufforderungen bis hin zum gerichtlichen Mahnbescheid bei dir eintreffen. Zusätzlich kann es bei der jeweiligen Kreditauskunftei zu einem Negativeintrag in deinem Zahlungsverhalten kommen, was eine schlechtere Bonität zur Folge haben kann. Bekannt gewordene Fälle machen deutlich, wie viel Zeit, Kosten und Nerven damit verbunden sind, den eigenen Ruf und die Bonität wiederherzustellen.

Je schneller du reagierst, desto eher können weitere Missbräuche mit deinen Identitätsdaten vermieden und Folgeschäden eingedämmt werden.

Widerspruch einlegen: Im ersten Schritt solltest du nachweislich Widerspruch einlegen. Erkläre schriftlich (und behalte eine Kopie davon), dass du den Kauf nicht getätigt hast und die Rechnung beziehungsweise Mahnung unberechtigt ist. Geht es um einen gerichtlichen Mahnbescheid, muss innerhalb von 14 Tagen ein schriftlicher Widerspruch erfolgen. Nutze für den Widerspruch den im Mahnbescheid enthaltenen Vordruck und die Hinweise zum Ausfüllen. Du kannst im Netz auch Musterbriefe herunterladen, beispielsweise bei Verbraucherzentralen. Nur, wenn du Forderungen widersprichst, kannst du Einträgen bei der Schufa oder anderen Auskunfteien vorbeugen. Wenn du nichts unternimmst, kann dir ein Vollstreckungsbescheid drohen. Dieser kann die Pfändung deines Gehalts oder ähnliches zur Folge haben kann - egal, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht.

Strafanzeige stellen: Im nächsten Schritt solltest du den Fall bei der Polizei zur Anzeige bringen. Bewahre eine Kopie der Anzeige auf, falls an anderer Stelle um Bestätigung des Identitätsdiebstahls gebeten wird. 

Juristischen Beistand hinzuziehen: Je nach Sachverhalt kannst du den Fall zusätzlich an eine Anwältin oder einen Anwalt übergeben. Das empfiehlt sich, wenn du eine relevante Frist verstreichen hast lassen oder wenn du dich der Situation nicht gewachsen fühlst.

Konten überprüfen: Um dich abzusichern, solltest du überprüfen, ob noch weitere deiner Konten betroffen sind oder sein könnten. Verschaffe dir einen Überblick über alle Zugänge, die mit deinen personenbezogenen Daten oder Passwörtern zusammenhängen.

Auskunfteien informieren: Setze die Auskunfteien darüber in Kenntnis, dass du von einem Identitätsmissbrauch betroffen bist. Einige Auskunfteien bieten hierfür ein Formular zur Meldung von Identitätsbetrug an. Du kannst auch eine Kopie deiner Strafanzeige an die jeweiligen Auskunfteien schicken. Du solltest eine Selbstauskunft über deine Einträge anfordern. Übrigens kannst du das auch kostenlos hier bei bonify tun!

 

 Identitätsmissbrauch mit dem Bankkonto oder der Kreditkarte

Ein Datendiebstahl kann mit dem Missbrauch deines Girokontos oder deiner Kreditkarten oder beidem einhergehen - mit potenziell immensen Folgeschäden. 

Wenn das Bankkonto oder die Kreditkarte gehackt wurde und das Geld weg ist, sind die ersten Fragen, die sich stellen: Bleibe ich auf dem entstandenen Schaden sitzen oder haftet die Bank? Komme ich nur an mein Geld, wenn der Täter ausfindig gemacht wird? Oder erstattet mir die Bank das gestohlene Geld in voller Höhe?

 Mein Bankkonto wurde gehackt - bleibe ich auf dem Schaden sitzen?

Die gute Nachricht ist: Grundsätzlich kann die betroffene Bank für den Schadensersatz in Anspruch genommen werden. Die Bank wird jedoch nicht sofort freiwillig einer Schadensersatzforderung zustimmen wollen. Zunächst wird sie prüfen, ob beispielsweise grob fahrlässiges Verhalten zu dem Identitätsmissbrauch geführt hat. Hier kommt es auf verschiedene Faktoren an, beispielsweise, ob du deinen Computer angemessen gesichert hast. Du solltest dir auf jeden Fall juristischen Beistand holen, damit eine Einzelfallbetrachtung unter Berücksichtigung aller Umstände stattfinden kann. Hier können dir Anwälte, die auf IT-Sicherheit und Datenschutz spezialisiert sind, helfen.

 Was tun, wenn das Bankkonto oder die Kreditkarte von Identitätsdiebstahl betroffen sind?

Wenn du merkwürdige Überweisungen von deinem Konto oder generell Unregelmäßigkeiten in deinen Transaktionen feststellst, solltest du schnell reagieren:

Bank beziehungsweise Kreditgeber informieren: Setze umgehend deine Bank und/oder den Kreditgeber in Kenntnis über die verdächtigen Abbuchungen oder Überweisungen. Erkläre, dass du den Verdacht hast, von einem Identitätsbetrug betroffen zu sein. Das Ganze solltest du der Bank im Anschluss auch in schriftlicher Form zukommen lassen sowie entsprechende Kopien aufbewahren.

Betroffene Karten sperren: Das belastete Konto oder die betroffene Kreditkarte solltest du unverzüglich sperren oder auflösen lassen. Bevor dein Konto aufgelöst wird, solltest du auch vergangene Kontobewegungen überprüfen und Verdachtsfälle dokumentieren.

Kreditauskunftei informieren: Kläre die entsprechenden Kreditauskunftei über deinen Sachverhalt auf. Sie kann Betrugswarnungen für das zweck­ent­fremdete Konto einrichten, sodass Kreditgeber zur Einholung deiner Erlaubnis verpflichtet sind.

Kreditsperre einrichten lassen: Mit einer Kreditsperre kannst du verhindern, dass in deinem Namen neue Konten eröffnet und für diese Kredite eingeräumt werden. Durch die Sperre kann dein Status von einem potenziellen Kreditgeber nicht abgefragt und somit ein Kredit nicht bewilligt werden.

Grundsätzlich gilt: Kontrolliere laufend die Zahlungsbewegungen auf deinen Bankkonten und achte auch auf kleine Beträge. So kannst du sichergehen, dass alle Überweisungen und Abbuchungen von dir autorisiert wurden.

 Gehackte Social-Media- und E-Mail-Konten sind ein ernst zu nehmendes Risiko

Der Missbrauch der Identität durch gehackte Social-Media- oder E-Mail-Accounts kann fatale Folgen haben, zum Beispiel: 

Versand von Spam-Mails mit Viren oder Trojanern im eigenen Namen

Online-Einkäufe mit E-Mail-Adresse und geknacktem oder ausgespähtem Passwort

Cyber-Mobbing

Datendiebe können sich mithilfe eines gekaperten E-Mail-Accounts als jemand ausgeben, der oder die vermeintlich im Ausland festsitzt. Von ihrem Smartphone versenden sie Nachrichten an Personen aus dem Adressbuch: Sie behaupten, dass ihnen Geld und Ausweis gestohlen worden sind, um so von diesen Personen Geld für den Rückflug zu erbitten.

Auch Beleidigungsklagen und Strafverfolgung wegen versendeter Phishing-Mails können die Folge einer gestohlenen E-Mail-Adresse oder eines gehackten Social-Media-Accounts sein.

Wenn du den Verdacht hast, dass deine E-Mail-Konten oder deine Social-Media-Accounts von einem Identitätsdiebstahl betroffen sind, empfehlen wir folgendes Vorgehen: 

Passwort zurücksetzen: Das ist wichtig, damit dein Account nicht weiterhin von den Betrügern genutzt werden kann. Führe diesen Schritt nicht nur für Accounts durch, die konkret betroffen sind, sondern für alle, bei denen du dieselben Passwörter verwendest. Setze ein starkes Passwort ein.

Single-Sign-on-Passwörter zurücksetzen: Bei Accounts mit Single-Sign-on (zum Beispiel Facebook) reicht eine einmalige Anmeldung für den Zugang zu diversen anderen Accounts. Setze auch hier ein neues, starkes Passwort ein.

Social-Media-Profil sperren: Wenn du selbst nicht autorisiert bist, kontaktiere den Plattform-Betreiber mit der Bitte, dein Profil zu sperren und gegebenenfalls gepostete Beiträge zu entfernen.

Kontakte informieren: Erkläre deinen Freunden, Bekannten, Kollegen und Geschäftspartnern, dass du von Identitätsdiebstahl betroffen bist und jemand in deinem Namen im Netz agiert.

Mit Virenprogramm Geräte auf Schadsoftware prüfen: Egal ob Laptop oder Smartphone - auf allen Geräten, mit denen du im Internet aktiv bist, sollte ein aktuelles Virenprogramm installiert sein. Dieses hilft dir, schädliche Software zu finden und zu entfernen.

Zum Schutz deiner sensiblen Daten kannst du deine E-Mail-Adressen regelmäßig einem Check unterziehen. So bringst du in Erfahrung, welche Informationen über dich im Internet abrufbar sind. Hierfür kannst du beispielsweise den Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) nutzen: Dieser teilt dir innerhalb weniger Sekunden mit, ob persönliche Daten von dir im Internet veröffentlicht sind und wenn ja, welche.

 Fazit: Schnelles Handeln kann entscheidend sein, um den Schaden einzudämmen

Wenn du den Verdacht hast, dass deine Daten in falsche Hände geraten sind, solltest du diesem Verdacht sofort nachgehen. 

In jedem Fall lohnt es sich, schon im Vorfeld jederzeit einem möglichen Identitätsmissbrauch vorzubeugen. Sogenannte Identitätsschutzdienste können beispielsweise deine Kreditwürdigkeit überwachen oder dir proaktiv mitteilen, wenn in deinem Namen neue Konten eröffnet werden.

Aurica Voss