Fake-Shops im Internet: So kannst du dich schützen

Gefälschte Online-Shops - sogenannte Fake-Shops - werden mehr und mehr zum Problem. Der Grund: Die kriminellen Betreiber werden professioneller. Wir zeigen dir, warum Fake-Shops gefährlich sind und woran du sie erkennst.

Julia Ptock
Fake-Shop, Betrüger hinter Shop-Icon

Kleidung, Schuhe, Brillen, Schmuck, Elektronik und Luxusprodukte zum Schnäppchenpreis im Internet gefunden? Vorsicht! Extreme Dumpingpreise sind ein erster Hinweis auf sogenannte Fake-Shops. Mit solchen gefälschten Online-Shops versuchen Kriminelle, arglose Internetnutzer um ihr Geld zu bringen. Gerade mit Blick auf besondere Shopping-Events wie den Black Friday oder Cyber Monday ist hier Vorsicht geboten. Das Problem dabei: Diese gefälschten Online-Shops werden immer professioneller. Vielen Verbrauchern fällt es schwer, seriöse Online-Shops von Fake-Shops zu unterscheiden. 

Studien zeigen, dass immer mehr Verbraucher auf die Maschen der Betrüger hereinfallen. In diesem Artikel erklären wir dir, woran du Fake-Shops erkennst und was du machen kannst, wenn du von so einem Betrug betroffen bist. 

 Großer Schaden durch Fake-Shops

Online-Betrug ist ein Massengeschäft. Betrügern reicht schon ein kleiner Bruchteil von Internetnutzern, die auf die unseriösen Angebote hereinfallen. Schnell kommen so Beträge im vier- oder fünfstelligen Bereich zusammen. Besondere Shopping-Events wie der Black Friday oder Cyber Monday beflügeln das Geschäft. Aber wie viele Verbraucher sind von Fake-Shops betroffen? Wie viele haben bereits Geld verloren?

Einheitliche Zahlen gibt es nicht. Der Branchenverband Bitkom hat Anfang 2020 bei einer repräsentativen Befragung herausgefunden, dass mehr als jeder fünfte Online-Shopper (23 Prozent) in Deutschland beim Einkauf im Netz schon einmal in krimineller Absicht betrogen wurde. Die Marktwächter „Digitale Welt" der Verbraucherzentrale hat im August 2018 die Studie „Fake-Shops - relevantes Verbraucherproblem in Deutschland" veröffentlicht. Mit dem Ergebnis, dass bei über vier Millionen Deutschen von einem Betrug durch Fake-Shops ausgegangen werden muss. 

Verbraucher werden in einem Fake-Shop häufig sowohl um die Ware als auch um ihr Geld geprellt. Wie hoch der finanzielle Schaden ist, lässt sich nur erahnen. Das Problem ist nämlich, dass viele Verbraucher den Betrug nicht anzeigen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Während einige nicht als leichtgläubig gelten wollen, ist es anderen schlicht peinlich, auf einen Fake-Shop hereingefallen zu sein. Andere bezweifeln, dass die Polizei den Betrug aufklären kann. 

 Wie viele gefälschte Shops gibt es?

Auch das ist schwer zu sagen. Nach Angaben der Marktwächter kann eine Einschätzung nur exemplarisch erfolgen. Um am Ende dennoch eine handfeste Zahl nennen zu können, haben die Verbraucherschützer einen Suchalgorithmus verwendet, der auf den Merkmalen eines bereits bekannten Fake-Shops basiert. Auf diese Art konnten zum Stand 20.06.2018 mehr als eine Million URLs identifiziert werden, unter denen Fake-Shops gefunden werden konnten. Die Studienautoren gehen aber davon aus, dass das nur ein Bruchteil ist und das Phänomen Fake-Shops sehr viel umfangreicher ist. 

Eine interessante Erkenntnis der Studie: Die kriminellen Betreiber nutzen vor allem abgemeldete Domains. Viele davon sind als „.de" Top-Level-Domain bei der DENIC registriert. Bei der DENIC handelt es sich um eine eingetragene Genossenschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihre Aufgaben sind der Betrieb und die Verwaltung der Top-Level-Domain „.de" sowie alle damit einhergehenden Aktivitäten.

Eine Analyse des Beratungsunternehmens wdp hat allerdings herausgefunden, dass die DENIC nicht immer ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Eigentlich ist nämlich nicht erlaubt, eine URL-Registrierung unter falschem Namen vorzunehmen. Oft scheint es jedoch keine Verifikation beziehungsweise Identifikation zu geben. Dich mag das vielleicht nicht kümmern, aber wusstest du, dass gestohlene Identitäten von Betrügern gern genutzt werden, um Fake-Shops zu eröffnen? Nein? Dann solltest du damit anfangen, dich und deinen guten Ruf zu schützen.

 Fake-Shops und Identitätsdiebstahl gehen oft Hand in Hand

Große Shopping-Events wie der Black Friday oder Cyber Monday spielen den Betrügern in die Hände. Denn neben dem Geld sind auch personenbezogene Daten für Kriminelle von hohem Interesse und Wert. Mit dem Namen, den Konto- und Kreditkartendaten bis hin zur Versandadresse hinterlässt der Verbraucher beim Online-Shopping zahlreiche persönliche Daten.

Die Analyse von PwC „Identitätsklau - die Gefahr aus dem Netz" aus 2016 zeigt, dass mit zunehmender Häufigkeit von Internet-Einkäufen und unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen die Wahrscheinlichkeit steigt, Opfer eines Identitätsdiebstahls zu werden. Das sehen übrigens auch die Befragten so. Auf die Frage „Sind Sie besorgt, dass Sie im Internet oder beim Online-Shopping (noch einmal) Opfer eines Identitätsdiebstahls werden können?" gaben über drei Viertel (76 Prozent) der Befragten, die mindestens einmal in der Woche online einkaufen, an, dass sie besorgt seien. Von den Befragten gaben jedoch nur 38 Prozent an, dass sie schon einmal einen Kauf abgebrochen haben, weil ihnen der Anbieter beziehungsweise die Seite zu unsicher erschien. Bei erfahrenen Online-Shoppern liegt der Wert jedoch höher: nämlich bei 47 Prozent. Nur 19 Prozent der Verbraucher, die selten im Internet einkaufen, haben aus Sicherheitsbedenken schon einmal einen Online-Shop verlassen. 

PwC wollte in der Befragung übrigens auch wissen, wie sich Deutsche so im Internet verhalten. Dabei kam heraus, dass acht von zehn Deutschen zwar bewusst darauf achten, ob die Webseiten vertrauenswürdig sind, auf denen sie unterwegs sind. Allerdings verwendet jeder Zweite dasselbe Passwort für mehrere Online-Accounts. 13 Prozent geben sogar persönliche Informationen an, wenn sie in einer E-Mail dazu aufgefordert werden. Ein solches Verhalten kann schnell dazu führen, Opfer eines Identitätsdiebstahls zu werden. In dem Artikel  „Identitätsdiebstahl: 9 Methoden, wie Betrüger an deine Daten kommen" klären wir über die Tricks der Datendiebe auf. 

 7 Zeichen, an denen du Fake-Shops erkennst

Auch wenn es immer schwieriger wird, einen gefälschten von einem seriösen Shop zu unterscheiden, gibt es dennoch einige Anzeichen. 

 #1 - Die Internetadresse ist auffällig

Die URL kann schnell täuschen. Zum einen bedeutet die Endung „.de" nicht automatisch, dass der Händler in Deutschland sitzt. Hellhörig solltest du zudem auch werden, wenn sich an das .de noch eine weitere Domainendung anschließt, etwa: „.de.com". Zudem solltest du auf eine SSL-Zertifizierung achten. Die erkennst du zum einen an dem „https://" in der URL und zum anderen zeigen mittlerweile sämtliche Browser durch ein kleines Schloss-Icon in der Adresszeile an, ob die Seite eine sichere Verbindung nutzt. Fehlt die SSL-Verschlüsslung, solltest du nicht in dem Shop einkaufen. Außerdem solltest du skeptisch werden, wenn die Webseiten-Adresse überhaupt nicht zu den angebotenen Waren passt.  

 #2 - Nur kundenunfreundliche Zahlungsarten

Seriöse Online-Shops bieten ihren Kunden in der Regel viele verschiedene Zahlungsmethoden an. Auch Fake-Shops werben auf der Startseite mit verschiedenen Zahlungsarten, unter anderem mit Kauf auf Rechnung oder PayPal. Doch wenn man darauf klickt, passiert in einem gefakten Shop oft gar nichts. Obacht auch beim Abschluss der Bestellung: Wird an der Kasse plötzlich nur die Bezahlung via Vorkasse, zum Beispiel in Form von Überweisung, akzeptiert, solltest du in dem Shop nicht einkaufen. 

Übrigens: Wenn der Kauf auf Rechnung nicht möglich ist, kann das auch mit deiner Bonität zusammenhängen. Warum das so ist, erfährst du in diesem Artikel

 #3 - Extrem günstige Preise

Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, ist es in fast allen Fällen auch nicht wahr. Das Sprichwort trifft vor allem auf Preise zu. Wenn sich in einem Shop auffallend niedrigpreisige Angebote häufen, solltest du auf jeden Fall genauer hinsehen - denn nicht wenige Abzocker arbeiten mit dieser Lockmethode. Frag dich also selbst: Wie realistisch ist der Preis? Falls du dir nicht sicher bist, nutze einen Preisvergleich. 

 # 4 - Fake-Gütesiegel in Fake-Shops

Um möglichst seriös zu wirken, schmücken sich betrügerische Shops gern mit Gütesiegeln. Manche davon sind frei erfunden, andere wiederum von anderen Seiten geklaut oder werden genutzt, obwohl sie dazu keine Berechtigung haben. Durch einen Klick auf das Siegel oder eine kurze Recherche bei dem Gütesiegelanbieter kannst du herausfinden, ob es sich um eine Fälschung handelt. 

 #5 - Zu viele sehr gute Kundenbewertungen

Ein Online-Shop, der nur Fünf-Sterne-Bewertungen hat, ist sehr wahrscheinlich Fake. Um hier auf der sicheren Seite zu sein, solltest du im Internet noch mal nach dem Shop googeln. Wenn du stark abweichende oder auf Betrug hinweisende Bewertungen findest, solltest du nicht in dem Shop kaufen. 

 #6 - AGB, Widerrufsbelehrung, Datenschutzerklärung und Impressum sind fehlerhaft 

In Deutschland gibt es für Onlineshop-Betreiber viele gesetzliche Vorschriften. Unter anderem braucht jeder Online-Shop ein Impressum, das Angaben über den Shop-Betreiber enthält. Das sind unter anderem der Name sowie eine Adresse, unter der er tatsächlich erreichbar sein muss. Du kannst mit Google Maps prüfen, ob sich an der angegebenen Adresse wirklich eine Firma befindet. 

Weitere wichtige rechtliche Elemente sind die AGB (Allgemeinen Geschäftsbedingungen), die Widerrufsbelehrung und die Datenschutzerklärung. Das Problem: Betrüger kopieren solche Rechtstexte gern von anderen Seiten. Deshalb sollte man die Texte aufmerksam lesen. Finden sich mehrere Rechtschreib- und Grammatikfehler drin, sollte dich das stutzig machen. 

 #7 - Kontakt zum Händler nicht möglich

Fake-Shops bieten so gut wie nie Kontaktmöglichkeiten an. Prüfe also, ob eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer angegeben ist. Schau zur Not auch ins Impressum. Wenn dort nur ein Postfach (ohne Straße und Hausnummer), eine Postbox oder eine kostenpflichtige, teure Telefonnummer steht, handelt es sich nicht um einen seriösen Shop. 

 Bei einem Fake-Shop eingekauft. Und jetzt? 

Leider kommt es immer wieder vor, dass Betroffene erst zu spät merken, dass sie bei einem Fake-Shop eingekauft haben. Wenn das passiert, sollte schnell gehandelt werden. 

Zuerst sollten Betroffene versuchen, die bereits angeordnete Überweisung zu stoppen oder rückgängig zu machen. Viel Zeit hat man dafür allerdings nicht. Ist das Geld bereits auf dem anderen Konto gutgeschrieben, ist es oft zu spät. Deine Bank hat dann keinen Zugriff mehr auf das Geld. Du kannst aber einen kostenpflichtigen Überweisungsrückruf wegen Betrugsverdachts veranlassen. Um deiner Bank den Ernst der Lage deutlich zu machen, solltest du zudem zur Polizei gehen und den Betrug anzeigen. Das Aktenzeichen kannst du an die Bank weitergeben. Zudem solltest du sämtliche Beweise wie Kaufverträge, Bestellbestätigungen, E-Mails und Belege sichern. 

Falls der Einkauf mit Kreditkarte bezahlt wurde, solltest du zudem unbedingt die Kreditkarte sperren lassen. Denn anders als bei seriösen Shops werden Kreditkartendaten unverschlüsselt an die Betrüger übertragen. Das bedeutet, dass die Kriminellen deine Kreditkartendaten haben und auf deine Rechnung einkaufen können. 

 Die Daten sind weg

Von den Zahlungsinformationen einmal abgesehen, ist ein abgeschlossener Einkauf bei einem Fake-Shop auch noch aus einem anderen Grund ein Problem. Du hast dem Betrüger nämlich viele persönliche Daten gegeben - wie beispielsweise deinen Namen, deine Adresse, deine E-Mail-Adresse und dein Geburtsdatum. Die übermittelten Daten kannst du leider nicht wieder zurückholen.

Julia Ptock