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Der Kontokorrentkredit: ein Helfer im Notfall

Weißt Du, was ein Kontokorrentkredit ist? Nein? Keine Sorge, in diesem Artikel erklären wir, was sich hinter dem Begriff verbirgt, mit welcher Zinshöhe Du rechnen musst und wer einen Kontokorrentkredit bekommt.
Julia Ptock

text von

Julia Ptock

14. Dezember 2018
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Hast Du schon einmal den Begriff Kontokorrentkredit gehört? Kurz und knapp gesagt, handelt es sich dabei um einen Kredit, der zur kurzfristigen Überbrückung finanzieller Engpässe gedacht ist und auf den Kreditnehmer, wurde er ihm einmal zur Verfügung gestellt, immer wieder in Anspruch genommen werden kann. Die bekannteste Art des Kontokorrentkredits ist der Dispokredit.

 Der Kontokorrentkredit und das Kontokorrentkonto

Fangen wir bei den Grundlagen ein. Um einen Kontokorrentkredit in Anspruch nehmen zu können, braucht man ein Kontokorrentkonto. Dabei handelt es sich zum Beispiel um ein klassisches Girokonto, auf dem – so wie Du es kennst – Einzahlungen und Auszahlungen verbucht und verrechnet. Das Kontokorrentkonto ist auch unter dem Namen Verrechnungskonto bekannt.

Entsprechend ist ein Kontokorrentkredit für Privatpersonen nichts anderes als ein Dispokredit und bezeichnet das zur Verfügung stehende Kreditlimit dieses Kontos. Der Begriff Kontokorrentkredit wird in der Regel im Zusammenhang mit Geschäftskonten verwendet. Dann spricht man allerdings nicht von einem Dispokredit, sondern von einem Betriebsmittelkredit.

 Was genau zeichnet einen Kontokorrentkredit aus?

Rechtlich gesehen handelt es sich bei dieser Kreditart um ein Darlehen, das nach einer vertraglichen Vereinbarung zwischen Bank und Kontoinhaber freigegeben wird. Ein gesondertes Kreditkonto wird nicht benötigt. Die vertraglich vereinbarte Kreditlinie (die für einen Kreditnehmer festgelegte obere Grenze für einen Kredit) steht dem Kreditnehmer voll zur Verfügung, solang der Kredit nicht gekündigt wird.

 Merkmale

Diese Kreditart ist immer mit einem Konto mit laufender Rechnung wie dem Girokonto oder einem Unternehmer-Girokonto verknüpft. Das bedeutet: Einnahmen und Ausgaben laufen über dieses Konto und gleichen im besten Fall den Kredit regelmäßig aus. Somit kann der genutzte Kreditrahmen auch jederzeit getilgt werden.

Bei einem Kontokorrentkredit werden die Kreditlinie, also die betragsmäßige Obergrenze bis zu der ein Kreditnehmer eine bestimmte Kreditart in Anspruch nehmen darf, die Kreditzinsen, der Kreditzweck sowie individuelle Kreditsicherheit vertraglich festgelegt. Was die wenigsten wissen: Die Laufzeit bei einem Kontokorrentkredit beträgt häufig nur sechs Monate. In dieser Zeit sollte das Konto ins Positive umschlagen. In den meisten Fällen wird der Kredit nach dieser Zeit nicht von der Bank gekündigt, sondern gestundet; also verlängert.

Am besten geeignet ist der Kontokorrentkredit für finanzielle Engpässe. Sollte beispielsweise ein wichtiges Gerät im Haushalt neu benötigt werden, eine Reparatur oder eine Rechnung anstehen, könnte hier der Kredit Abhilfe leisten. Da der Kredit eigentlich eher für Notfälle und nicht als Dauerlösung gedacht ist, fallen die Zinsen oft höher aus als bei den meisten anderen Krediten. Wird das Limit des Kontokorrentkredits überschritten, setzt ein sogenannter Überziehungskredit ein, der noch höhere Zinsen mit sich bringt.

 Vorteile und Nachteile

Vorteile

hohe Flexibilität

schnelle Verfügbarkeit

variable Rückzahlungsmöglichkeiten

Überbrückung finanzieller Engpässe und Notfälle

Nachteile

enorm hohe Zinsen (durchaus auch im zweistelligen Bereich)

Gefahr, sich dauerhaft zu verschulden und über die eigenen Verhältnisse zu leben

 Unterschied zwischen Kontokorrentkredit und normalen Kredit

Auch wenn es sich bei dem Kredit rechtlich um ein normales Darlehen handelt, unterscheidet sich die Art doch in einigen Punkten von einem normalen Verbraucherkredit wie einem Rahmenkredit oder Ratenkredit.

Wie bereits erklärt, wird der Kontokorrentkredit aka Dispokredit einem Kontoinhaber einmal eingeräumt und steht ihm dann dauerhaft zur Verfügung. Ein normales Darlehen wird einmal gewährt und vollständig ausgezahlt. Weiterhin ist der Dispokredit ein revolvierender Kredit. Das bedeutet, dass er mehrfach in wechselnder Höhe bis zur maximalen Kreditlinie beansprucht werden kann. Einer der wichtigsten Unterschiede ist die Zinshöhe. Während der beim normalen Darlehen vergleichsweise niedrig ausfallen kann und von der Bonität des Kreditnehmers abhängt, liegen die Zinsen beim Kontokorrentkredit oft im zweistelligen Bereich und werden unabhängig von der Kreditwürdigkeit des Kontoinhabers festgelegt. Auch bei der Verfügbarkeit unterscheiden sich die Kreditarten. Denn während es bei einem normalen Kredit bis zur Auszahlung etwas dauern kann, kann der Dispokredit sofort genutzt werden.

 Festlegung der Kreditlinie

Über die Höhe des Kreditrahmens entscheiden neben der Bonität (Kreditwürdigkeit) auch die Einkommenshöhe, die Art und Dauer der Anstellung und eventuelle Sicherheiten. Wenn der Kredit automatisch gewährt wird, liegt das Limit häufig bei der Summe des Monatsgehalts. Mit etwas Verhandlungsgeschick kann das Limit auch erhöht werden, aber davon ist eher abzuraten, da der Kontokorrentkredit aufgrund der Zinsen sehr teuer werden kann und man als Verbraucher schnell in eine Kreditabhängigkeit geraten kann.

 Der Kontokorrentkredit und Zinsen

Der Zinssatz dieses Kredites wird vom jeweiligen Kreditgeber festgelegt (ist also von Bank zu Bank variabel) und ist nicht von der Bonität des Kontoinhabers abhängig. Die Zinsen können zwischen 6,0 und 12,0 Prozent betragen. Wichtig zu wissen: Die Zinsen fallen natürlich erst dann an, wenn der Kredit auch beansprucht wird. Das Kreditinstitut berechnet die Zinskosten taggenau.

Übrigens: Bei einem Kontokorrentkredit kann es mitunter noch einen zweiten Zinssatz für eine Überziehung des Kredites geben. Wie muss man sich das vorstellen? Der Dispo ist bis zum Limit ausgereizt. Plötzlich muss allerdings noch eine weitere hohe Rechnung bezahlt oder eine nötige Anschaffung getätigt werden. Dafür wird der Dispo noch mal überzogen und dafür verlangt die Bank noch mal extra Zinsen. Viele Banken haben die unterschiedlichen Zinssätze mittlerweile aber zusammengelegt, aber ein Blick ins Kleingedruckte ist an dieser Stelle mehr als zu empfehlen.

 Zinsberechnung

Die allgemeine Formel für die Zinsberechnung lautet:

Zinsbetrag = (Kreditbetrag x Zinssatz x Tage) / (365 x 100)

Beispielrechnung: Bei einem von der Bank festgelegten Zinssatz von 11 Prozent und einem überzogenen Betrag von 500 Euro zum Monatsende, wobei das Konto für 10 Tage im Minus bleibt, ergäbe sich folgende Berechnung:

Zinsbetrag = (500 € x 11 x 10) / (365 x 100) = 1,51 €

Allerdings wird diese Berechnung jeden Tag erneuert, da sich der Kontostand ja täglich durch weitere Ausgaben oder Einnahmen verändern kann.

 Warum sind die Zinsen so hoch?

Wie auch der Kreditnehmer, nimmt das Kreditinstitut kurzfristig Geld am Kapitalmarkt auf. Die Zinsen für kurzfristige Gelder vom Kapitalmarkt sind im Vergleich recht hoch. Diese Mehrkosten gibt die Bank an den Kunden weiter. Dazu kommt, dass die Bank nicht weiß, wann und in welcher Höhe der Kreditnehmer den Kontokorrentkredit ausgleicht oder beansprucht. Die Flexibilität, die ein Vorteil des Dispos ist, lässt sich die Bank natürlich bezahlen – eben in Form eines höheren Zinssatzes.

 Die Alternative zum Kontokorrentkredit

In puncto Flexibilität ist der Kontokorrentkredit fast nicht zu schlagen. Wer allerdings hohe Zinsen umgehen möchte, kann über einen Ratenkredit nachdenken. Dieser ist dann jedoch an feste Rückzahlungsbedingungen wie monatliche Raten und eine festgelegte Laufzeit gebunden.

Es ist leicht, sich mit dem Kontokorrentkredit ein wenig zu „verlaufen“ und sich plötzlich in Schwierigkeiten mit dem Kontoausgleich zu befinden. In solch einem Fall hilft eine Umschuldung. Hiermit kann man den Kredit auf eine andere Kreditart (zum Beispiel auf den Ratenkredit) umschulden, spart Zinsen und legt eine realistische Rückzahlungsvereinbarung mit dem Kreditgeber fest. Diese kontinuierliche, übersichtliche Art hilft dabei, die Finanzen wieder ordnen zu können.

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Julia Ptock

Julia Ptock

hat ihren Master of Arts in Germanistik & Kommunikation- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig gemacht. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Managerin bei bonify aus.