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Der Rahmenkredit: Die günstige Alternative zum Dispo

Der Dispo hat zu hohe Zinsen, beim Ratenkredit ist die Mindestdarlehenssumme zu hoch… Die Lösung: ein Rahmenkredit. Wie ein Rahmen- bzw. Abrufkredit funktioniert, wann er sich lohnt und wie man ihn bekommt, erklären wir hier.
Julia Ptock

text von

Julia Ptock

17. Dezember 2018
Rahmenkredit als Dispo-Alternative

Wenn am Ende des Monats das Geld knapp wird, greifen viele Leute auf den zum Girokonto gehörenden, aber teuren Dispokredit zurück. Das muss nicht sein. Günstiger als ein Dispokredit ist ein sogenannter Rahmenkredit bzw. Abrufkredit.

Bei einem Rahmenkredit vereinbaren Kunde und Bank einen festen Kreditrahmen, aus dem der Kreditnehmer flexibel Geld abrufen kann. In aller Regel funktioniert das über das Girokonto, kann aber auch losgelöst bei einer anderen Bank geschehen. In diesem Punkt unterscheidet sich der Abrufkredit vom Dispositionskredit, da sich beide sonst in den Grundprinzipien sehr ähneln. Die Laufzeit des Rahmenkredites ist unbegrenzt. Der Kreditrahmen wird zwar dauerhaft eingeräumt, die Bank kann ihn aber jederzeit ordentlich kündigen. Dabei hat sie die vereinbarte Kündigungsfrist einzuhalten.

Dank der niedrigen Zinsen erfreut sich der Rahmenkredit in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Die im Auftrag des Bankenfachverbandes e.V. durchgeführten GfK-Studien zur Konsum- und Kfz-Finanzierung aus den letzten Jahren belegen diese Entwicklung. Demnach stieg die Nutzung von Rahmenkrediten seit 2010 von vier Prozent auf elf Prozent in 2016. Nachdem der Wert 2017 um drei Prozentpunkte auf acht Prozent gesunken war, stieg er im letzten Jahr wieder auf neun Prozent. Der Dispositionskredit verlor in den letzten fünf Jahren an Beliebtheit. Die Nutzung sank von 19 Prozent in 2013 auf 12 Prozent in 2018. 

 Auszahlung und Rückzahlung des Rahmenkredites 

Der Rahmenkredit ist eine Mischung aus Dispokredit und Ratenkredit. Wie auch beim Dispokredit wird dem Kreditnehmer von der Bank eine Kreditlinie gewährt, die meistens zwischen 2.500 und 25.000 Euro liegt. Die genaue Höhe hängt maßgeblich von der Bonität und Einkommenssituation des Kreditnehmers ab. Wenn der Kreditnehmer Geld benötigt, kann er das Geld von seinem Rahmenkredit-Konto abrufen. Dabei muss nie der vollen Kreditrahmen ausgeschöpft werden, auch kleinere Summen können in Anspruch genommen werden. Bei den meisten Banken gibt es keine Mindestsumme. Zinsen werden nur auf die abgerufene Geldsumme gezahlt. 

Die Rückzahlungsmodalitäten eines Rahmenkredites sind abhängig von der Bank. Einige Banken verlangen eine monatliche Mindestrückzahlung. Die Höhe dieser Rückzahlung kann beispielsweise ein paar Prozent des eingeräumten Kreditrahmens oder alternativ ein Paar Prozent des beanspruchten Gelds betragen. Viele Banken verzichten allerdings auch auf eine Mindestrückzahlung. Gerade in puncto Rückzahlungsmodalitäten besticht der Rahmenkredit durch seine Flexibilität. Schulden können problemlos über die Mindestrückzahlung hinaus getilgt werden, eine Rückzahlung der gesamten genutzten Kreditsumme ist ebenfalls möglich.

Beispiel: Die Bank und der Kreditnehmer haben einen Rahmenkredit in Höhe von 6.000 Euro vereinbart. Für den Urlaub nimmt der Kreditnehmer 2.000 Euro vom Kreditkonto. Mit dem Kreditanbieter, also der Bank, ist vereinbart, dass er jeden Monat zwei Prozent der in Anspruch genommenen Summe zurückzahlen muss. Das bedeutet, dass der Kunde 2 % x 2.000 € = 40 € pro Monat auf das Rahmenkredit-Konto zurückzahlen muss. 

Um den Kredit abzuzahlen, wird das geliehene Geld einfach auf das Rahmenkredit-Konto zurückgezahlt. Eine Vorfälligkeitsentschädigung, wie sie es beispielsweise beim Ratenkredit geben kann, gibt es in der Regel nicht. Übrigens: Auch wenn der Kredit gekündigt werden soll, muss die geliehene Summe vollständig zurückgezahlt werden. 

 Zinshöhe und monatliche Raten

Die Flexibilität des Rahmenkredites bei der Rückzahlung ist einer seiner großen Vorteile. Mögliche monatliche Mindestraten falle meist sehr gering aus und im Gegensatz zum Ratenkredit gibt es auch keine feste Laufzeit mit immer gleichen, pro Monat zu zahlenden Raten. Die Medaille hat jedoch immer zwei Seiten. 

Dadurch, dass beim Rahmenkredit der Kreditnehmer von Monat zu Monat selbst entscheiden kann, wie viel er zurückzahlen will (falls es keine Mindestrate gibt), ergeben sich einige Risiken, die den Rahmenkredit teuer werden lassen können: 

#1 – Der effektive Jahreszins ist nicht fix

Rahmenkredit-Zinsen sind variabel und die Berechnung erfolgt auf den Tag genau. Das bedeutet, dass die Bank die Zinsen jederzeit verändern kann. Der Grund: Der Zins orientiert sich an einem Referenzzinssatz, etwa an den der Europäischen Zentralbank (EZB). Je nachdem, ob der Referenzzins fällt oder steigt, entwickelt sich auch der Zinssatz für den Rahmenkredit. Oftmals liegen die Zinsen im Bereich von etwa 5,00 bis 8,00 Prozent p. a.

Es gibt Banken, die den Abrufkredit in den ersten Monaten bzw. für das erste Jahr mit einem festen Aktionszins bewerben, der extrem niedrig ist. Ein solches Angebot lohnt sich vor allem dann für Dich, wenn Du Dir sicher bist, dass Du den in Anspruch genommenen Betrag innerhalb des Aktionszeitraumes zurückzahlen kannst. Dann sparst Du Zinsen im Vergleich zu einem normalen Rahmenkredit, der auf lange Sicht niedriger verzinst ist als ein Kredit zu den Konditionen, die dem Aktionszeitraum folgen.

#2 – Überschuldung und negativer Schufa-Eintrag

Problematisch wird ein Rahmenkredit auch dann, wenn der Nutzer die monatlichen Raten nicht mehr aufbringen kann. Das kann zum Beispiel beim Verlust des Arbeitsplatzes passieren. Kann der Kreditnehmer die Raten nicht mehr begleichen, kann die Bank den Kredit kündigen. Für den Nutzer bedeutet das im schlimmsten Fall, dass er eine Anschlussfinanzierung benötigt, um den offenen Betrag des Abrufkredites zu tilgen. Wer dazu nicht in der Lage ist, riskiert einen negativen Eintrag zu seiner Kreditwürdigkeit bei der Schufa. 

 Wann hat ein Rahmenkredit Sinn?

Es gibt im Leben immer mal wieder Situationen, in denen man kurzfristig Geld benötigt. Ein Rahmenkredit erlaubt Dir, jederzeit kurzfristig Geld für einen kürzeren Zeitraum zu leihen, wenn Du etwa für eine unvorhergesehene Anschaffung finanziellen Spielraum benötigst. Typische Verwendungsbeispiele für den Rahmenkredit sind beispielsweise der Ausgleich des teuren Dispos oder von Kreditkartenschulden, unerwartete Notfälle oder Situationen, in denen der eigenen Notgroschen nicht ganz reicht. 

Generell passt ein Abrufkredit immer dann, wenn Du kurzfristig Geld brauchst und es Dir leihen musst, Du Dir aber sicher bist, die Schulden in naher Zukunft ganz oder zum Großteil wieder tilgen kannst. Ein Rahmenkredit lässt sich aber auch auf längere Zeit nutzen, um zum Beispiel einen Puffer für stürmische Zeiten zu haben oder um auf höhere Rechnungen zu reagieren – zum Beispiel bei einem Umzug oder bei einer Hochzeit. 

Tipp: Der Rahmenkredit ist zwar preiswerter als der Dispo, allerdings teurer als ein normaler Ratenkredit. Wenn Du das Geld (und nicht nur die Option auf das Geld) länger als 12 Monate benötigen, ist ein klassischer Ratenkredit im Normalfall die bessere Lösung.

 Voraussetzungen für einen Rahmenkredit

Willst Du einen Rahmenkredit in Anspruch nehmen, musst Du einige Voraussetzungen erfüllen. Der Kreditnehmer muss 

eine positive Schufa-Auskunft haben. Wie bei jedem Kredit prüft die Bank im Vorfeld Deine Bonität, also Deine Kreditwürdigkeit. 

volljährig sein (mindestens 18 Jahre alt).

über ein regelmäßiges und ausreichendes Einkommen verfügen. 

einen festen Wohnsitz in Deutschland haben.

ein Girokonto bei einer deutschen Bank haben. 

 Der Rahmenkredit und die Bonität

Wie bei jedem anderen Kredit überprüft der Kreditgeber die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Kreditnehmers. Wird der Kredit von der Bank gewährt, wird dieser in der SCHUFA und/oder bei anderen Auskunfteien eingetragen. 

So ein Eintrag hat die Konsequenz, dass sich der Rahmenkredit später bei anderen Kreditanfragen bemerkbar macht. Wenn ein Verbraucher aber generell auf sicheren finanziellen Füßen steht und einem beantragten Rahmenkredit für einen längeren Zeitraum nicht ausnutzt, macht sich das sogar positiv in der Bonität bemerkbar.

Aber: Ein Rahmenkredit wird bei der Beantragung eines weiteren Kredites angerechnet. Beantragst Du nämlich einen anderen Kredit, sieht die Bank den Rahmenkredit und zieht ihn bei den Berechnungen für Deinen monatlichen Überschuss ab. Als Resultat wird Dir sehr wahrscheinlich eine niedrigere Kreditsumme zur Verfügung gestellt, als im Vorfeld von Dir vermutet. Der Grund dafür liegt in der Annahme der Bank, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Du Deinen Rahmenkredit in der Zukunft wieder nutzt und ihn entsprechend bedienen musst.

Übrigens: Es gibt Banken, die bonitätsunabhängige Rahmenkredite vergeben. Das bedeutet aber nicht, dass keine Bonitätsprüfung stattfindet. Vielmehr heißt das, dass die Zinsen unabhängig von der Bonität des Kreditnehmers vergeben werden. Eine Bonitätsprüfung findet trotzdem statt. Nur wenn die allgemeine Bonität positiv ausfällt, wird auch ein Kredit vergeben. Aus diesem Grund solltest Du Deine Bonität immer im Blick haben, denn je besser Deine Bonität, desto vertrauenswürdiger bist Du für die Bank.

 Der Rahmenkredit auf einen Blick

Wie der Rahmenkredit funktioniert, haben wir hier noch mal übersichtlich für Dich zusammengefasst: 

Die Darlehenssumme kann zwischen 2.500 Euro und 25.000 Euro variieren.

Von der vereinbarten Summe kann der Kreditnehmer jederzeit so viel nehmen, wie er benötigt, wobei nie die gesamte Summe genutzt werden muss.

Die Zinsen sind günstiger als beim Dispokredit, können sich allerdings täglich ändern.

Es gibt keine festen Laufzeiten, was den Rückzahlungsdruck verringert.

Ein Rahmenkredit wird auch Selbstständigen gewährt.

Aber Vorsicht: Für einen Rahmenkredit braucht es Selbstdisziplin. Deshalb sollte man den Kredit immer im Hinterkopf behalten und sich finanziell nicht übernehmen.

 Vor- und Nachteile eines Rahmenkredites

Vorteile

Nachteile

kann unabhängig von der eigenen Bank, bei der man sein Girokonto hat, beantragt werden

teurere Zinsen als beim Ratenkredit

Kreditrahmen liegt oft zwischen 2.500 und 25.000 Euro, manchmal auch erst ab 5.000 Euro

Zinsen sind variabel und können sich jederzeit ändern.

günstigere Zinsen als beim Dispo

dauerhafte Ausnutzung des Rahmenkredites verursacht dauerhafte Zinskosten

Kredit ist flexibel abrufbar und muss nicht immer genutzt werden

Eintrag des Kredites bei der Schufa

Beträge können in beliebiger Höhe vom Kreditkonto abgebucht werden, einen Mindestbetrag gibt es häufig nicht

es besteht die Gefahr der Überschuldung 

flexibel bei der Rückzahlung mit geringen monatlichen Mindestraten 

erhöht das Risiko, über seinen Verhältnissen zu leben

wird nur einmal beantragt und steht dann zur freien Verfügung, Laufzeit ist unbegrenzt

keine Kosten bei Nichtnutzung

Zinsen werden nur für den abgerufenen Betrag fällig

Sondertilgung möglich

Geldreserve für den Notfall

Vor- und Nachteile des Rahmen- bzw. Abrufkredites

Julia Ptock

Julia Ptock

hat ihren Master of Arts in Germanistik & Kommunikation- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig gemacht. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Managerin bei bonify aus.