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Der Dispokredit: Flexibilität zum hohen Preis

Wenn es am Ende des Monats knapp wird, kann ein Dispokredit helfen. Diesen gibt es häufig direkt zum Girokonto dazu. Warum Du ihn aber trotzdem nur im Notfall nutzen solltest, erklären wir in diesem Artikel.
Julia Ptock

text von

Julia Ptock

17. Dezember 2018
Dispokredit wegen leerem Geldbeutel

Wenn am Ende des Monats kein Geld mehr auf dem Konto ist, nehmen viele den sogenannten Dispokredit in Anspruch. Bei einem Dispokredit, auch Dispositionskredit genannt, handelt es sich um eine von der Bank gegenüber dem Kunden eingeräumte, auf einen festen Betrag begrenzte Kreditlinie, welche es ermöglicht, Verfügungen über das Guthaben des Girokontos hinaus vorzunehmen. Oder einfacher gesagt: Rutscht das Konto zum Ende des Monats ins Minus, bist Du im Dispo und hast Dein Konto überzogen. 

Den Dispo zu nutzen, ist keine Schande. Bereits 2015 beanspruchten 43 Prozent der Deutschen laut einer repräsentativen Umfrage von Ipsos im Auftrag der ING-DiBa ihren Dispokredit. Der Großteil der Befragten gab an, den Dispo nur wenige Male im Jahr zu nutzen, also eher für finanzielle Engpässe. Für 17 Prozent der Befragten stellte der Dispo damals eine regelmäßige Geldreserve da. 

 Wie bekommt man einen Dispo?

Den Dispokredit gibt es häufig standardmäßig zum Girokonto dazu. Voraussetzung ist aber, dass auf diesem Konto regelmäßig Einnahmen, wie zum Beispiel das Gehalt, verzeichnet werden. Außerdem sollte die Bonität stimmen. Einen expliziten Antrag, wie beispielsweise für einen Ratenkredit, muss man dafür nicht einreichen. Die Kreditlinie, also die für den Kreditnehmer festgelegte obere Grenze für den Kredit, wird von der Bank festgelegt. Die Höhe der Kreditlinie variiert und kann das ein- bis dreifache des regelmäßigen Geldeingangs betragen. 

Voraussetzungen für die Einrichtung eines Dispos. Der Kreditnehmer …

ist mindestens 18 Jahre alt.

hat regelmäßige Einkünfte.

besitzt keine negativen Schufa-Einträge.

ist Inhaber eines Girokontos.

Der Dispo wird von der Bank einmalig eingeräumt und kann vom Kunden bei Überziehung des Kontos immer wieder genutzt werden, solang er regelmäßig zurückgezahlt wird und das Konto ausgeglichen wird. Die Kreditlinie ist die Obergrenze, bis zu welcher der Kreditnehmer jeden beliebigen Betrag nutzen kann. Wofür das Geld verwendet wird, spielt keine Rolle. 

Im Extremfall kann es vorkommen, dass der Dispo nicht ausreicht und der Kontoinhaber über die gewährte Kreditlinie hinaus Geld vom Konto nimmt und damit das Dispolimit überschreitet. Diesen Fall bezeichnet man als “geduldete Überziehung“ des Dispos. Diese Überschreitung des Limits lassen sich die Banken extrem gut bezahlen, da neben den ohnehin hohen Dispozinsen noch gesonderte Überziehungszinsen fällig werden. 

 Vorsicht vor hohen Dispozinsen

Der Dispokredit bietet sehr viel Flexibilität, ist schnell verfügbar und kann ein Retter in der Not sein. Was verlockend klingt, sollte aber mit Vorsicht genossen werden. Denn die Banken lassen sich diesen Spontankredit sehr gut bezahlen. Kurz gesagt: Ein Dispokredit ist teuer. 

Die Dispokreditzinsen bestimmen die Banken selber. Seit längerer Zeit gibt es Forderungen aus der Politik, Höchstgrenzen für die Zinssätze der Dispositionskredite festzulegen, da viele Banken trotz Zinssenkungen der EZB weiterhin sehr hohe Zinsen für diese Kreditart verlangen. Mit Anbietern wie Cashpresso gibt es erste clevere Dispo-Alternativen. Auch bonify warnt Dich mit dem Dispo-Radar vor dem rutschen in den Dispo.

Die Stiftung Warentest hat erst vor Kurzem die Angebote von 1.285 Banken, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken verglichen. Das Ergebnis: Der durchschnittliche Zinssatz bei einem Dispokredit liegt bei 9,68 Prozent. Es gibt aber nach wie vor Banken, die bis zu 13,75 Prozent Zinsen verlangen. 

Lässt die Bank eine “geduldete Überziehung“ des Dispos zu, kann man davon ausgehen, dass die Zinsen mindestens so hoch sind wie der eigentliche Dispozins. Es kommt aber durchaus vor, dass Banken hier noch mal extra bis zu 20 Prozent Zinsen fordern. 

 Achtung vor unrechtmäßigen Gebühren!

Wie Finanztip berichtet, haben einige Banken im Zusammenhang mit dem Dispo oder der geschuldeten Überziehung versucht, Kunden weitere Gebühren in Rechnung zu stellen. 

Folgende Extragebühren sind nicht zulässig: 

Keine Bearbeitungsgebühren für Kontoüberziehungen

Keine überhöhte Pauschale beim Überziehungskredit

 Die Rückzahlung eines Dispokredits 

Im Gegensatz zu anderen Krediten gibt es beim Dispo keine fixen monatlichen Raten und keinen festgelegten Stichtag, an dem der Dispokredit zurückgezahlt werden muss. Der Kontoinhaber bestimmt selbst, wann er sein Konto wieder ausgleicht bzw. erfolgt der Ausgleich automatisch, wenn Einnahmen auf dem Konto verzeichnet werden. 

Zwar verlangen die Banken oft keine zusätzliche Sicherheit, doch in den AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) lassen sie sich gegenüber dem Kunden ein Pfandrecht einräumen. Auf das Recht wird zurückgegriffen, wenn der Bankkunde seinen Dispokredit nicht zurückzahlt bzw. diesen ausgleicht. Das Kreditinstitut erhält somit Zugriff auf andere bei der Bank unterhaltene Konten des Kunden, von denen dann der Betrag gepfändet werden kann. 

Es kommt durchaus vor, dass die Bank den Dispokredit kündigt. Eine fristlose Kündigung ist selten, kann aber vorkommen. Gründe für die Kündigung des Dispos vonseiten der Bank können sein: 

Regelmäßige bzw. dauerhafte Überziehung des Dispos, wenn keine geduldete Überziehung vereinbart wurde. 

Wenn die Bank keine Einnahmen mehr auf dem Konto registriert. 

Es zu einem Negativeintrag in der Bonitätsakte kommt. 

 Vor- und Nachteile des Dispokredits im Überblick

Vorteile eines Dispokredits

Nachteile eines Dispokredits

Hohe Flexibilität

Hohe Zinsen

Rückzahlung jederzeit möglich

Langfristig ungeeignet (Bank kann jederzeit kündigen)

Rückzahlung in beliebiger Höhe möglich

Kreditrahmen ist beschränkt

Zinsen fallen nur für den genutzten Zeitraum an

Bei Überziehung des Dispokredites wird es noch teurer

Keine besonderen Sicherheiten notwendig

Gefahr, in einen Teufelskreis der Verschuldung zu geraten

Vor- und Nachteile des Dispokredits

 Überschuldet? So kommt man aus der Dispofalle

Das Konto zu überziehen kann vorkommen, sollte jedoch eher die Ausnahme als die Regel sein. Wer regelmäßig seinen Dispo nutzt und auch über einen längeren Zeitraum im Minus ist, sollte sich nach einem Ausweg aus der Dispo-Schuldenfalle umsehen. 

Eine Möglichkeit ist die Dispo-Umschuldung. Dafür wird der Dispokredit in einen Ratenkredit umgeschuldet. Der Zinssatz bei diesen Krediten ist in der Regel wesentlich niedriger als der Dispozins. Außerdem zwingen die Raten dazu, die Schulden tatsächlich abzubauen. Bevor man jedoch einfach seinen Kredit umschuldet, sollte man sich darüber Gedanken machen, wie hoch die Kreditsumme sein muss und wie hoch die Raten sein können. Eine zu hohe Kreditsumme geht nämlich mit zu vielen Zinsen einher. 

 Mit dem bonify Finanzvergleich den Dispokredit umschulden

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Julia Ptock

Julia Ptock

hat ihren Master of Arts in Germanistik & Kommunikation- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig gemacht. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Managerin bei bonify aus.