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Was sind Negativmerkmale und welche Bedeutung haben sie?

Auskunfteien speichern Daten über Privatpersonen. Diese Daten werden in “positiv“ und “negativ“ unterteilt. In diesem Beitrag erklären wir, was Negativeinträge sind, wie sie deine Bonität beeinflussen und wann sie wieder gelöscht werden.
Julia Ptock

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Julia Ptock

5. Dezember 2018
Negativmerkmale (hart, mittel, weich) SCHUFA Bonität

In Deutschland gibt es viele Auskunfteien. Die bekanntesten sind die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung), die Creditreform Boniversum (Partner von bonify), Crif Bürgel und infoscore Consumer Data GmbH (Arvato infoscore). Die Auskunfteien sammeln neben Personendaten auch Informationen zum Zahlungsverhalten und zur Vertragstreue

Die Daten zum Zahlungsverhalten und zur Vertragstreue werden positiv oder negativ bewertet. Positive Informationen dienen als Hinweise darauf, dass Unternehmen dieser Person Vertrauen entgegenbringen und Geschäfte mit ihr machen. Negative Einträge sind hingegen Merkmale, die zeigen, dass sich die Person nicht vertragsgemäß verhält. 

In diesem Beitrag erklären wir, was Negativeinträge sind, wie sie deine Bonität beeinflussen und wann sie wieder gelöscht werden. 

 Unterschiedliche Arten von Negativmerkmalen 

Wie bereits erklärt, sind Negativeinträge Merkmale, die zeigen, dass eine Person sich nicht vertragsgemäß verhält. Dazu gehören unter anderem jegliche Formen von Schulden, nicht oder zu spät bezahlten Rechnungen sowie Ratenzahlungen, bei denen Verbraucher in den Rückstand geraten sind und ihre Verbindlichkeiten nicht fristgemäß getilgt haben.

Ebenfalls negativ wirkt sich die Eröffnung zahlreicher Girokonten auf die Bonität aus. Aber auch das Beantragen von zu vielen Krediten (sogenannte Kreditanfragen) können sich negativ auf den Bonitätsscore auswirken. Leasing-Verträge und Bürgschaften können die Kreditwürdigkeit ebenfalls beeinflussen. Daten aus den öffentlichen Schuldnerverzeichnissen der zentralen Vollstreckungsgerichte haben einen erheblichen Einfluss auf die Bonität. 

Zu den bekanntesten Negativmerkmalen gehören Inkassoverfahren und die Insolvenz. Wer in eine Privatinsolvenz geht und seine Schulden nicht zahlen kann, muss mit einer Negativeintragung in die Bonitätsakte rechnen. 

Übrigens: Zu 90,8 Prozent der Verbraucher über 18 Jahren in Deutschland hat die Schufa 2018 ausschließlich sogenannte Positivinformationen gespeichert. Entsprechend haben 9,2 Prozent der Verbraucher mindestens ein Negativmerkmal. Davon haben 4,4 Prozent ein “weiches“ und 4,8 Prozent mindestens ein “hartes“ Negativmerkmal. 

Quelle: Schufa Kredit Kompass 2019

 Weiche und harte Negativmerkmale

Wichtig zu wissen: Alle Negativmerkmale wirken sich nachteilig auf die Bonität aus. 

Auch wenn alle Negativmerkmale sich schlecht auf die eigene Bonität auswirken, wird zwischen weichen und harten negativen Merkmalen unterschieden. Manchmal wird die Einteilung noch um die Kategorie “mittlere“ Negativmerkmale erweitert. Die Grenzen zwischen weichen und mittleren Negativmerkmalen sind allerdings fließend, weswegen hier nur auf weiche und harte Negativmerkmale eingegangen wird. 

Weiche (und mittlere) Negativmerkmale sind Angaben zur Bonität mit eher geringer Aussagekraft. Das Hauptmerkmal ist eine einseitige Rechtsausübung eines Vertragspartners. Beispiele für weiche Negativmerkmale sind: 

Laufende und abgeschlossene kaufmännische Mahnverfahren 

Laufende und abgeschlossene gerichtliches Mahnverfahren 

Nutzung eines Giro- oder Kreditkartenkontos nach Nutzungsverbot

Harte Negativdaten sind beweiskräftige Angaben über die Bonität. Hauptmerkmal ist eine gerichtliche Bestätigung oder ein rechtskräftiges Urteil. Beispiele für harte Negativmerkmale sind:

Nichtabgabe der Vermögensauskunft

Gläubigerbefriedigung ausgeschlossen

Verbraucher Insolvenzverfahren

Bis zum 31.12.2012 zählten auch die “Eidesstattliche Versicherung“ sowie die “Haftanordnung“ zu den harten Negativmerkmalen. 

 Negativmerkmale und Löschfristen im Überblick

Da Negativmerkmale sich extrem auf die Bonität einer Person auswirken können, werden diese nach einer bestimmten Zeit aus der Bonitätsakte gelöscht. Die Löschfrist beträgt bei Negativeinträgen in der Regel taggenau drei Jahre nach deren Erledigung. 

Nachfolgend haben wir die wichtigsten Negativmerkmale mit den dazugehörigen Löschfristen tabellarisch aufgelistet. 

 Weiche Negativmerkmale

Weiche (und mittlere) Negativmerkmal

Löschfristen

Fällige, angemahnte und unbeglichene Forderungen

Taggenau nach drei Jahren nach Ausgleich der Forderung

Missbrauch eines Kontos nach Nutzungsverbot

Taggenau nach drei Jahren

Laufende Inkassoverfahren

Taggenau nach drei Jahren nach Erledigung

Außergerichtliche Inkassoverfahren (nach geleisteter Teilzahlung oder Einstellung des Verfahrens)

Taggenau nach drei Jahren

Mahnbescheid

Taggenau nach drei Jahren

Vollstreckungsbescheid

Taggenau nach drei Jahren

Zwangsvollstreckung

Taggenau nach drei Jahren

Weiche (und mittlere) Negativmerkmal

 Harte Negativmerkmale

Negativmerkmale

Löschfristen

Besonderheiten

Nichtabgabe der Vermögensauskunft (Gerichtsmerkmal)

Taggenau 3 Jahre

Bei Vorlage der Löschurkunde kann eine vorzeitige Löschung beantragt werden. Die Löschurkunde muss vom Verbraucher beim zentralen Vollstreckungsgericht des Bundeslandes beantragt werden.

Gläubigerbefriedigung ausgeschlossen (Gerichtsmerkmal)

Taggenau 3 Jahre

Bei Vorlage der Löschurkunde kann eine vorzeitige Löschung beantragt werden. Die Löschurkunde muss vom Verbraucher beim zentralen Vollstreckungsgericht des Bundeslandes beantragt werden.

Gläubigerbefriedigung nach einem Monat nicht nachgewiesen (Gerichtsmerkmal)

Taggenau 3 Jahre

Bei Vorlage der Löschurkunde kann eine vorzeitige Löschung beantragt werden. Die Löschurkunde muss vom Verbraucher beim zentralen Vollstreckungsgericht des Bundeslandes beantragt werden.

Verbraucher Insolvenzverfahren (Gerichtsmerkmal)

Taggenau 3 Jahre

Es ist keine vorzeitige Löschung möglich.

Harte Negativmerkmale

 Darum unterscheiden sich die Datensätze bei den Auskunfteien

Wirtschaftsauskunfteien sind in Deutschland private Unternehmen. Die Informationen, die die Auskunfteien über Privatpersonen speichern, beziehen sie aus zwei Quellen: 

Öffentliche Quellen, wie das öffentliche Schuldnerverzeichnis der zentralen Vollstreckungsgerichte, sind für alle Auskunfteien gleichermaßen zugänglich. Bei öffentlich zugänglichen Quellen ist die Datengrundlage der Auskunfteien gleich. 

Daten aus nicht-öffentliche Quellen stammen in der Regel von anderen Unternehmen, die die Informationen an Auskunfteien melden. Solche Datenlieferanten können unter anderem Banken und Sparkassen, Handelsunternehmen, Telekommunikationsgesellschaften oder Energieversorger sein. Das bedeutet, dass zum Beispiel ein Inkassounternehmen die Informationen zu den offenen Forderungen nur an Auskunftei 1, aber nicht an Auskunftei 2 und 3 meldet. Ein anderes Inkassounternehmen meldet die Informationen wiederum an Auskunftei 3, nicht aber an die anderen. In Deutschland gibt es keine Pflicht, solche Daten an alle Auskunfteien zu melden. Das ist der Grund, warum die sich die Datengrundlagen der einzelnen Auskunfteien unterscheiden können.

 Überwache deine Bonität mit bonify und versuche Negativmerkmale zu vermeiden

Es geschieht leider immer wieder, dass ein Negativmerkmal falsch gespeichert wird oder veraltet ist und die Bonität damit negativ beeinträchtigen. Wer seine Bonitätsauskunft regelmäßig kontrolliert, behält die über sich gespeicherten Daten im Blick. Im Falle eines falschen Eintrags bei der Auskunftei Creditreform Boniversum kannst du diesen durch bonify ScoreKorrektor schnell und einfach korrigieren. 

bonify gibt dir die Möglichkeit, jederzeit online und kostenfrei deine Bonitätsauskunft zu prüfen.

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Julia Ptock

Julia Ptock

hat ihren Master of Arts in Germanistik & Kommunikation- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig gemacht. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Managerin bei bonify aus.