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Was ist eine Auskunftei? Wir erklären Dir SCHUFA und Co.

Eine Auskunftei ermittelt die Kreditwürdigkeit oder Bonität von Privatpersonen und Unternehmen. In Deutschland gibt es vier große Auskunfteien. Erfahre mehr.

5. Dezember 2018

Eine Auskunftei (häufig auch Wirtschaftsauskunftei genannt) ist ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen, das bonitätsrelevante Daten zu Privatpersonen und Wirtschaftsunternehmen erhebt und verarbeitet. Diese Informationen geben Auskunft über die wirtschaftliche Betätigung, Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit von Verbrauchern sowie Unternehmen. Im folgenden Artikel beschäftigen wir uns mit Auskunfteien, die Bonitäten von Privatpersonen berechnen.

Auskunfteien sind privat geführte Wirtschaftsunternehmen, die sowohl über Verbraucher, als auch Unternehmen Daten sammeln. Auf Grundlage dieser Daten werden die sogenannten Bonitätsscores berechnet.

Unternehmen können ihr kreditorisches Risiko vor dem Eingang einer Geschäftsbeziehung mithilfe der Daten von Auskunfteien besser einschätzen. Ist das Risiko zu groß, kommt in der Regel kein Vertrag zustande.

Es gibt vier große Auskunfteien in Deutschland, die Daten zu Privatpersonen und Unternehmen erheben.

 Allgemeines zur Auskunftei

Auskunfteien sammeln nicht nur Daten über Verbraucher und Unternehmen, sie nutzen sie ebenfalls zur Berechnung von Wahrscheinlichkeitswerten. Ein solcher Wahrscheinlichkeitswert wird auch Bonitätsscore genannt und beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls.

Prüft ein Unternehmen Deine Bonität über eine Auskunftei, erfährt es, wie wahrscheinlich es ist, dass Du Deinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen wirst. Eine gute Bonität heißt in dem Fall, dass Du sehr wahrscheinlich Deine Rechnungen begleichen wirst.

 Wann kann eine Auskunftei die Bonität abfragen?

Voraussetzung für die Abfrage der Bonität ist entweder (1) ein berechtigtes Interesse der Unternehmen an diesen Daten oder eine (2) ausdrückliche Einwilligung des Verbrauchers.

Ein berechtigtes Interesse ist gegeben, wenn das Unternehmen ein Kreditrisiko eingeht. Hierbei darf das Unternehmen die Bonität bei einer Geschäftsanbahnung, aber auch während des Geschäftsverlaufes prüfen.

Beispiel: Bevor ein Unternehmen einen Ratenkauf anbietet oder eine Bank einen Kredit vergibt, müssen die wirtschaftlichen Risiken für das Geschäft abgewägt werden. Richtest Du Dir jedoch bei einer Bank ein Konto ohne Überziehungsmöglichkeit ein, wäre eine Anfrage bei einer Auskunftei unberechtigt, da die Bank hier kein Kreditrisiko eingeht. Die Rechtmäßigkeit der Anfragen wird von jeder Auskunftei stichprobenartig überprüft.

Auch darf die Bonität bei einer Auskunftei angefragt werden, wenn eine ausdrückliche Einwilligung des Verbrauchers vorliegt. Bestellst Du bei einem Online-Shop, wird die Einwilligung oft durch die Setzung eines Hakens eingeholt. Auch kann es sein, dass Du einen Vertrag unterzeichnest, der die Einwilligung beinhaltet.

Zusammengefasst und veranschaulicht haben wir Dir das auch noch mal hier in diesem Video:

 Wozu gibt es Auskunfteien?

Auskunfteien gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch das frühe Kaufmannswesen sah sich mit der Problematik konfrontiert, bei der Vergabe von Krediten die Kreditwürdigkeit von Geschäftspartnern nicht ausreichend beurteilen zu können.

Ursprünglich lag der Fokus darauf, die Kreditvergabe an Unternehmen zu beurteilen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann auch Auskunfteien mit dem Fokus auf Privatpersonen gegründet.

Auskunfteien leisten einen wesentlichen Beitrag für einen gesunden Kreditmarkt und eine funktionierende Volkswirtschaft. Durch die Prüfung der Kreditwürdigkeit werden überwiegend nur gedeckte Kredite vergeben.

So können Unternehmen das Kreditrisiko bei verschiedenen Kunden besser einschätzen und die Zahlungskonditionen entsprechend anpassen. Hast Du beispielsweise eine schlechte Bonität, bedeutet das, dass bei Dir die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles höher ist. So ist das Risiko für das Unternehmen, das Dir einen Kredit geben soll, um einiges höher als bei einer guten Bonität.

Um das Risiko auszugleichen, hat das Unternehmen zwei Möglichkeiten:

Höhere Zahlungskonditionen verlangen

Den Kredit verweigern

Das Prinzip gilt auch bei einer guten Bonität: geringes Ausfallrisiko gleich niedrigere Zinsen und höhere Wahrscheinlichkeit für einen Vertragsabschluss. Zudem vermindert die Bonitätsprüfung das Überschuldungsrisiko von Verbrauchern.

 Welche Daten spielen bei der Bonitätsprüfung für die Auskunftei eine Rolle?

Je mehr Daten eine Auskunftei hat, desto präziser kann sie Aussagen über das Zahlungsausfallrisiko eines Verbrauchers treffen. Datengrundlage für jede Auskunftei sind dabei die Personendaten, wie Name, Alter, Geschlecht und Anschrift. Falls keinerlei weitere Informationen zu einer Privatperson vorhanden sind, wird bereits aus diesen Daten ein Bonitätsscore berechnet. In dem Fall kann sich beispielsweise die Wohngegend auf die Beurteilung auswirken.

Doch je mehr Daten verfügbar sind, desto genauer wird die Einschätzung: Die Anzahl der Girokonten und Kreditkarten wird erfasst, nicht aber deren Saldo. Außerdem Kredite jeglicher Art (Immobilienkredite, Autokredite, Ratenkäufe, Dispositionskredite, Ratenkredite, Rahmenkredite und Handyverträge mit Finanzierung von Telefonen).

Einträge bei Auskunfteien sind also nicht immer schlecht. Sie können auch dazu beitragen, einen guten Score zu entwickeln. Wer nämlich bereits einmal einen Kredit zuverlässig abbezahlt hat, legt durch sein Verhalten in der Vergangenheit nahe, dies in der Zukunft ebenso zu tun.

Negativ wirken sich aber Daten beispielsweise zu Zahlungsverzug, Inkasso- und Insolvenzverfahren oder Gerichtsdaten, wie Haftbefehle, aus.  

 Welche Auskunfteien gibt es in Deutschland?

Heute gibt es viele Auskunfteien in Deutschland, die Informationen zu Privatpersonen erheben. Hierbei haben sich 4 große Auskunfteien herauskristallisiert, die den Meisten bekannt sind. Die vier größten Auskunfteien beschreiben wir folgend.

(1) SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung)

Die größte und bekannteste Auskunftei Deutschlands ist die SCHUFA. Sie arbeitet mit 9.000 Partnern aus Handel, Bank- und Telekommunikationswesen zusammen. Wie alle Auskunfteien greift sie zudem auf die öffentlichen Verzeichnisse zu. Die SCHUFA gilt als Marktführer, gespeichert sind Datensätze zu über 66 Millionen Bundesbürgern.

(2) Creditreform Boniversum

Creditreform Boniversum ist Teil der Creditreform Gruppe, die vor allem für die Bonitätsbewertung von Wirtschaftsunternehmen bekannt ist, aber auch Inkassodienstleistungen erbringt. Grundlage des Datenpools von Boniversum bilden die öffentlichen Quellen, Inkassoeinmeldungen von Partnern sowie sonstige Einmeldungen von Partnern der Auskunftei. Dadurch hat man Datensätze zu etwa 55 Millionen Bundesbürgern gewonnen.

(3) CRIF BÜRGEL

Im Jahr 2017 haben sich die zwei Auskunfteien CRIF GmbH und Bürgel Wirtschaftsinformationen zu einer großen Auskunftei zusammengeschlossen. CRIF BÜRGEL arbeitet zusätzlich zu den öffentlich verfügbaren Daten mit Daten aus Inkassoverfahren sowie den Einmeldungen von Partnerunternehmen.

(4) arvato infoscore

Infoscore verwertet als Tochterfirma von Bertelsmann – neben den öffentlich verfügbaren Informationen – Daten, die von Geschäftspartnern wie Banken, Versandhändlern oder Inkassounternehmen übermittelt werden. Zu diesen gehören neben den Konzernunternehmen der Bertelsmann-Gruppe viele große Unternehmen wie die Deutsche Bahn und andere Nahverkehrsunternehmen. Insgesamt verfügt infoscore über Daten zu 8 Millionen Bundesbürgern.

Mehr zur Geschichte der Auskunfteien erfährst Du hier.

 Auf welcher rechtlichen Grundlage arbeiten Auskunfteien?

Eine Auskunftei muss sich an die strengen Richtlinien der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) halten und wird zusätzlich durch die Landesbeauftragten für Datenschutz der jeweiligen Bundesländer beaufsichtigt. Auf Grundlage der DSGVO und des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) dürfen Auskunfteien Daten erheben, speichern und an Dritte weitergeben. Auskunfteien müssen sich auch an Löschfristen halten.

Die Auskunftei ist grundsätzlich die verantwortliche, Daten verarbeitende Stelle für die von ihr gespeicherten Daten. Das bedeutet, sie haftet für rechtswidrig verarbeitete Daten. Außerdem steht Dir nach Artikel 15 der DSGVO mehrmals im Jahr das Recht auf eine Selbstauskunft von der Auskunftei zu.

 Hier kannst Du Deine kostenlose Selbstauskunft bei der jeweiligen Auskunftei online beantragen:

SCHUFA Holding AG

Creditreform Boniversum

CRIF BÜRGEL

arvato / infoscore Consumer Data GmbH

 Ist bonify eine Auskunftei?

bonify ist keine Auskunftei, sondern agiert als Partner von Auskunfteien und ermöglicht Verbrauchern, kostenlos, online, einfach und schnell Transparenz über die persönliche Bonität zu bekommen, diese zu überwachen und zu optimieren. Zusätzlich zur Bonitätsauskunft bietet bonify die Möglichkeit, Deine Transaktionen von Bankkonten zu verwalten.

Auf Basis Deiner Bonitäts- und Finanzsituation erhältst Du passende Angebote, wie einen Strom- oder Handyvertrag. Auch werden Dir Sparmöglichkeiten aufgezeigt, zum Beispiel durch einen Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter oder durch Umschuldung eines Kredits. Melde Dich jetzt an und lerne bonify kennen!