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So erkennst Du unseriöse Kreditvermittler

Unseriöse Kreditanbieter und Kreditvermittler machen sich die Notsituation eines Kunden gern zu nutzen. Geworben wird mit hohen Sofort-Krediten zu günstigen Konditionen ohne SCHUFA-Abfrage.
Julia Ptock

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Julia Ptock

13. Mai 2019

Sicherheiten werden auch nicht verlangt. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es auch! Erneut warnt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) vor unseriöser Kreditwerbung. Wir geben Tipps, wie Du unseriöse Kreditvermittler erkennst. Immer wieder werben unseriöse Kreditanbieter im Internet mit kostenlosen Kreditanfragen und goldenen Kreditkarten. Die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentralen warnen ausdrücklich vor solchen Angeboten. Grund für die Warnung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e. V. ist die steigende Anzahl betroffener Verbraucher, die Opfer von solchen unseriösen Kreditvermittlern geworden sind.

 Wenn die Werbung das Blaue vom Himmel verspricht

Die finanzielle Not von Verbrauchern hat in den vergangenen Jahren eine Menge zweifelhafter Anbieter auf den Plan gerufen. Im Ausland registriert (Niederlande, Schweiz, Großbritannien), ködern sie im Internet Verbraucher mit SCHUFA-freien Krediten und ″exklusiven″ MasterCard-Kreditkarten. Ihre Angebote auf den Webseiten bewerben sie als ″fair″, ″transparent″ sowie ″zuteilungssicher″. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt zudem explizit vor unseriösen Vermittlern auf Facebook, Instagram und Twitter. Auch hier wird mit ″minimalem Papierkram″, nicht benötigten Sicherheiten und SCHUFA-freien Krediten geworben. Die vermeintlichen Helfer staffieren ihre Seiten zudem mit Qualitätssiegeln und Bewertungen aus, um den Seiten einen seriösen Anstrich zu verleihen.

Dass sich hinter diesen Versprechen unseriöse Anbieter verbergen, die die finanzielle Situation der Verbraucher ausnutzen wollen, zeigen die Beschwerden im Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentralen.

 Kampf gegen Windmühlen

Problematisch ist vor allem, dass Verbraucher, die in die Fallen der vermeintlichen Anbieter geraten, nicht mehr oder nur sehr schwer aus den geschlossenen Verträgen herauskommen. Demnach reagieren die Firmen nicht auf Schreiben bzw. Widerrufe der Verbraucher. Stattdessen kommt es für Betroffene noch viel schlimmer: Bei Nichtzahlung der verlangten Beträge erhalten Verbraucher Mahnungen mit weiteren Kosten. Ein Anbieter geht sogar noch unverschämter vor und bietet im Vorfeld des Vertragsabschlusses eine Art Stornierung an, bei der die Betroffenen dennoch 139,90 Euro zahlen müssen.

″Verbraucher sollten diese oder ähnliche Angebote meiden. Einen seriösen Kredit ohne vorherige Kreditwürdigkeitsprüfung werden sie in Deutschland nicht bekommen″, sagt Kerstin Schultz, Teamleiterin Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Dass der Verbraucherschutz einen Kampf gegen Windmühlen kämpft, ist frustrierend. Immer wieder gingen sie in den vergangenen Jahren mit Abmahnungen, Klageverfahren und Behördenmeldungen erfolgreichen gegen einschlägige Anbieter vor. Doch es tauchen immer wieder neue auf. Aktuell warnen die Marktwächter von den Internetseiten credifant.com; cards24.credit; meister.cards; verbraucher.cards; kreditanfrage.gratis; volks.cards.

 Woran erkennt man unseriöse Angebote?

Wer finanziell in der Klemme steckt, ist leider häufig besonders anfällig für solche unseriösen Angebote, die schnelle und unkomplizierte Abhilfe versprechen. Aber solche Angebote sind in der Regel zu schön, um wahr zu sein. Wir zeigen Dir, wie Du schwarze Schafe erkennst.

 Vorkosten oder Vermittlungsgebühren per Nachnahme

Seriöse Kreditvermittler werden Dir keine Vorkosten in Rechnung stellen. Will Dir ein Anbieter, meist handelt es sich dabei sogar nur um Kreditvermittler, Vorkosten in Rechnung stellen, solltest Du hellhörig werden.

Tatsächlich ist es so, dass Vermittler erst dann eine Gebühr erheben dürfen, wenn

der Kredit vermittelt und ausgezahlt und

dies im Vorfeld vertraglich geregelt wurde.

Und ganz unter uns: Ein guter Vermittler wird Dir nie Vermittlungskosten in Rechnung stellen, da sie vom Kreditanbieter (der Bank oder Ähnliches) eine Provision erhalten.

Die Masche, die die Betrüger anwenden, ist oft dieselbe: Nach dem Kreditantrag schicken die Anbieter einen Brief, der Dich über die Genehmigung des Kredites informieren soll. Der Brief wird per Nachnahme versendet, da Du als Empfänger dann direkt beim Postboten die Gebühr bezahlen musst. Diese liegt oftmals im dreistelligen Bereich. Zusammengefasst heißt das: Du sollst Geld bezahlen, obwohl Du nicht mal weißt, was in dem Brief steht.

Und hier lauert auch schon die nächste Gefahr …

 Finanzsanierung statt Kredit

Da es sich bei den Anbietern nicht um die eigentlichen Kreditgeber, sondern um Kreditvermittler handelt, finden sich den Nachnahme-Briefen im Großteil der Fälle nur Antragsunterlagen für eine angeblich genehmigte ″Finanzsanierung″. Eine ″Finanzsanierung″ hat nichts mit Finanzierung im eigentlichen Sinne zu tun. Es wird kein Kredit vermittelt. Die Anbieter versprechen lediglich die Finanzunterlagen zu sortieren und eventuell einen Anwalt mit der Verhandlung mit Gläubigern zu beauftragen.

Unser Tipp: Wenn Du Hilfe dabei brauchst, Übersicht in Deine Finanzen und Belastungen zu bekommen, kannst Du Dich z. B. an die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen wenden.

 Hausbesuche

Anstatt die Unterlagen zu versenden, wollen einige Anbieter zu Dir nach Hause kommen, um die Unterlagen unterschreiben zu lassen. Hier gibt es gleich mehrere potenzielle Gefahren: Erstens ist es sehr wahrscheinlich, dass man Dir keinen Kredit vermitteln will, sondern Versicherungen, vermögenswirksame Leistungen oder dubiose Geldanlagen. Dabei erzählen die Anbieter, dass diese ″Dokumente″ als ″Sicherheit für die Bank″ gelten und die Bank solche Unterlagen fordert, um den Kredit zu genehmigen. Das stimmt i. d. R. nicht. Welche Angaben Du machen musst und welche Unterlagen Du für einen Kreditantrag brauchst, erklären wir in diesem Beitrag.

Die zweite potenzielle Gefahr beim Hausbesuch lauert darin, dass die Anbieter Dich zu einer raschen Unterschrift drängen wollen, sodass Du nicht genug Zeit hast, die Unterlagen genau zu prüfen.

 Kostenpflichtige Hotline

Ein weiteres wichtiges Merkmal, an denen Du unseriöse Anbieter erkennst, ist die Servicenummer. Verursacht die Nummer hohe Kosten, wenn Du sie anrufst, ist Vorsicht geboten. Zudem wird häufig versucht, die Kunden möglichst lang in der Leitung zu halten, da über die Telefongebühr abkassiert wird.

 Hohe Kredite ohne SCHUFA-Prüfung und ohne Sicherheiten

Die vermeintlichen Kreditvermittler werben in ihren Anzeigen gern mit 6-stelligen Kreditsummen. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, heißt es dann auch noch, dass die Bonität nicht geprüft wird und auch sonst keine Sicherheiten vom Kreditnehmer benötigt werden.

Spätestens an dieser Stelle sollten bei Dir alle Warnleuchten angehen, denn eine Kreditwürdigkeitsprüfung bei Kreditvergabe ist in Deutschland für Banken Pflicht. Schließlich muss auch die Bank sicherstellen, dass ein Kredit zurückgezahlt werden kann. Ein Kreditanbieter, dem scheinbar egal ist, ob die Kreditrückzahlung durch ein regelmäßiges Einkommen gesichert ist, hat vermutlich gar nicht vor, einen Kredit zu vergeben.

Bei einer Kreditwürdigkeitsprüfung werden vom Kreditgeber, in der Regel also von der Bank, sämtliche verfügbaren Informationen über den Kreditnehmer gesammelt und durch die Anfrage bei einer Auskunftei ergänzt. Die vier größten Auskunfteien sind die SCHUFA, die Creditreform Boniversum, CRIF BÜRGEL und Arvato Infoscore. Die Auskunfteien sammeln auf Grundlage des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) bonitätsrelevante Informationen (Kredite, Girokonten, Mahn- und Inkassoverfahren sowie Gerichtsdaten) über Dich. Informationen über Dein Einkommen, Dein Arbeitsverhältnis oder Deinen Familienstand werden hier jedoch nicht gespeichert. Mithilfe der Daten wird ein sogenannter Bonitäts-Score berechnet, der Auskunft über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles gibt.

 Teure Kreditkarten

Neben Krediten versuchen die Vermittler auch, Kreditkarten zu verkaufen. Diese werden, wie auch von der Verbraucherzentrale angemahnt, gern als ″exklusiv″ beworben. Auf den Webseiten wird von nur ″kurzfristig verfügbaren″ Angeboten gesprochen, um beim Verbraucher zusätzlichen Druck aufzubauen.

Wenig überraschend, handelt es sich bei den Karten aber nicht um klassische Kreditkarten, sondern um teure Prepaid-Kreditkarten. Die Betrüger versuchen, Dich zu überzeugen, dass die Karte Voraussetzung für den Kredit ist. Das stimmt natürlich nicht. Die Betrüger wollen selbst an der Kreditkarte verdienen – zum einen durch eine einmalige Bereitstellungsgebühr, die bei Lieferung der Karte durch Nachnahme gezahlt werden soll, und zum anderen durch eine Jahresgebühr.

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Solltest Du aufgrund Deiner Bonität für einen Kredit abgelehnt werden, solltest Du versuchen, sie langfristig zu verbessern. Wie das möglich ist, erklären wir Dir an dieser Stelle.

Julia Ptock

Julia Ptock

hat ihren Master of Arts in Germanistik & Kommunikation- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig gemacht. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Managerin bei bonify aus.