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Die Geschichte der Auskunfteien

Schon im 15. Jahrhundert führten Kaufleute in Venedig Listen über solvente Geschäftspartner. Mehr zur Geschichte der Auskunfteien verraten wir hier.
Elisa Thiem

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Elisa Thiem

5. Dezember 2018
Geschichte der Auskunfteien

Bevor wir Dich in die Geschichte der Auskunfteien entführen, eine kurze Erklärung dazu, was eine Auskunftei eigentlich so macht.

Im Laufe der Zeit wurden die Rahmenbedingungen für Auskunfteien in Deutschland definiert, und sie leisten einen wesentlichen Beitrag für einen gesunden Kreditmarkt und eine funktionierende Volkswirtschaft. Zudem vermindert die Bonitätsprüfung das Überschuldungsrisiko von Verbrauchern.

 Was sind Auskunfteien und was tun sie

Eine Auskunftei ist in Deutschland ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen, das bonitätsrelevante Informationen zu Privatpersonen und Wirtschaftsunternehmen erhebt und verarbeitet. Diese Informationen geben Auskunft über die wirtschaftliche Betätigung, Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit von natürlichen oder juristischen Personen.

Auskunfteien berechnen mit dem Bonitätsscore einen Wahrscheinlichkeitswert. Dieser Wert drückt die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles aus. Banken, Versicherungen oder Online-Shops fragen den Bonitätsscore zu Privatpersonen bei Auskunfteien zum Schutz vor Zahlungsausfällen ab.

Durch die Prüfung der Kreditwürdigkeit werden überwiegend nur gedeckte Kredite vergeben. So können Unternehmen das Kreditrisiko bei verschiedenen Kunden besser einschätzen und die Zahlungskonditionen entsprechend anpassen. Um das Risiko auszugleichen, hat das Unternehmen zwei Möglichkeiten: (1) Höhere Zahlungskonditionen verlangen oder (2) den Kredit verweigern. Das Prinzip gilt auch bei einer guten Bonität. Je besser Deine Bonität, desto günstigere Konditionen werden Dir angeboten und desto wahrscheinlicher erhältst Du natürlich einen Kredit.

 Nun aber zur Hintergrundgeschichte

Seit Jahrhunderten besteht der Bedarf, sich über Zuverlässigkeit und Bonität eines Geschäftspartners zu erkundigen. Der sogenannte “Rat der Zehn” in Venedig führte bereits im 15. und 16. Jahrhundert eine Liste mit den Namen unzuverlässiger und insolventer Kaufleute. Diejenigen, die nicht auf der Liste standen, galten als solvent.

Im 19. Jahrhundert wurden im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung sogenannte Handelsauskunfteien gegründet. “Dun & Bradstreet” ist im Grunde die Ur-Auskunftei und wurde schon 1841 in New York gegründet. Kurz darauf entstanden dann die ersten Auskunfteien in Europa: 1861 Wys Muller (Niederlande), 1870 der Kreditschutzverband (Österreich), 1872 die Auskunftei Schimmelpfeng und 1879 die Auskunftei Creditreform (Deutschland), um nur einige zu erwähnen.

In Deutschland entwickelt sich die spätere SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung; der Originalname lautet “Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung”) aus der BEWAG (Berliner Städtische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft) heraus. (Der Konzern wurde in mehreren Schritten völlig von Vattenfall Europe Berlin aufgekauft und ist mittlerweile aus dem Handelsregister gelöscht.)

In den 1920er Jahren verkaufte die BEWAG neben Strom auch auf Raten finanzierte Haushaltsgeräte, die mit der Stromrechnung beglichen wurden. Wie schon der “Rat der Zehn” im 15. und 16. Jahrhundert, vertraute die BEWAG dabei auf eine Liste ihrer Kunden; mit dem Unterschied, dass sie die zuverlässig pünktlich zahlenden Kunden aufführten.

Vor dem Verkauf eines elektrischen Haushaltsgerätes wurde also diese Liste abgeglichen. Wer eine gute Zahlungshistorie aufwies, erhielt ein Gerät und somit einen Ratenkauf.

Daraus entstand dann die Grundlage für ein System zur Beurteilung des Zahlungsverhaltens von Privatpersonen.

 Zur Geschichte der SCHUFA

Nach dem 2. Weltkrieg, 1952, wurde die BUNDES-SCHUFA e.V.in Hannover (später in Wiesbaden von den 13 in der Bundesrepublik Deutschland bestehenden Regionalgesellschaften gegründet. Seit 1977 fällt das Handeln der SCHUFA unter das Bundesdatenschutzgesetz und schon 1978 wurde auf eine elektronische Datenverarbeitung (kurz EDV) umgestellt. Das bedeutet, auch schon seit Ende der 1970er Jahre konnten Verbraucher eine Selbstauskunft anfordern. Aus der BUNDES-SCHUFA e.V. wurde im Jahre 2000 die SCHUFA-HOLDING AG, an die die Anteile der Regionalgesellschaften zwei Jahre später übertragen wurde.

Quelle: https://www.schufa.de/de/ueber-uns/unternehmen/geschichte-schufa/

 Zur Geschichte der Creditreform

Die Geschichte der Creditreform beginnt bereits im 19. Jahrhundert. Im Zuge der Industrialisierung herrschte ein starkes Wirtschaftswachstum. Um die Jahrhundertwende stand Deutschland auf Platz 2 der Länder mit dem größten Produktionsvolumen, direkt hinter den USA.  Mit steigenden Gewinnchancen und einem breiteren Spektrum an Geschäftspartnern vergrößert sich aber auch das Risiko von Zahlungsausfällen. So wurde zunächst der „Verein Barzahlung“ gegründet, der Kredite zunächst abschaffen sollte. Dieses Unterfangen wurde dann aber mit der Gründung des „Verein Creditreform zum Schutze gegen schädliches Creditgeben“ gemildert. Mit der Creditreform sollten nun die Schwierigkeiten und Missstände im gewerblichen Zahlungs- und Kreditwesen abgeschafft werden.

Die vier Ziele des Vereins Creditreform waren

Schutz der Mitglieder vor Zahlungsausfällen

Auskünfte über potenzielle Geschäftspartner durch Austausch mit weiteren Vereinen

Kooperieren mit Außenständen

Kredite und „Kreditverhältnisse“ reformieren

Quelle: https://www.creditreform-saarbruecken.de/ueber-uns/historie-creditreform.html

Von der Idee eines Netzwerkes für Unternehmen begeistert, gründeten sich im Laufe der Jahre verschiedene Vereine Creditreform bis hinaus ins Ausland.

Auch seine Laufbahn in Bezug auf Mahnverfahren und Inkasso begann die Creditreform sehr früh. So wurden sogenannte Suchlisten erstellt, auf denen all diejenigen Leute vermerkt wurden, die bereits zwei Mahnungen und andere Zahlungserinnerungen ignoriert haben. Die beiden Weltkriege schadeten der Creditreform erheblich und so dauerte es bis in die späten 1940er Jahre, bis die Creditreform sich wieder aufgepäppeln konnte.

1947 wurde die Creditreform Zentralverwaltung e.V. ins Leben gerufen; mit Sitz in Neuss – wo die Creditreform bis heute verortet ist.

Die Creditreform war 1974 in ganz Europa die einzige Auskunftei mit einem kompletten Fernschreibnetz und wurde zehn Jahre später aufgrund einer Datenbank eines Zentralrechners zur weltweit größten Informationsstelle zu deutschen Unternehmen (mit 2.117.618 Datensätzen).

Der Bonitätsindex von der Creditreform wurde in den Jahren 1985/1986 eingeführt und sollte die Einschätzung eines Geschäftspartners auf einen Blick ermöglichen.

Mit der Gründung der Creditreform AG 2002 wurde eine Muttergesellschaft erschaffen, die die kleineren Zweige reguliert und im August vor allem als erstes deutsches BaFin zertifiziertes Ratingunternehmen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht angenommen.

Unter der Creditreform AG bündeln sich bis heute verschiedene Töchter wie

Boniversum – Bonitätsprüfung von Privatperson und Selbstauskünfte und bonify Partnerauskunftei!

microm – Consumer Marketing mit Schwerpunkt auf Kunden- und Marktstrukturanalysen

Creditreform Consulting Networks – Inkasso-Management

Creditreform Compliance Services – Beratung und Lösungsfindung für Compliance (Regelungen), Geldwäsche und Betrugsvorbeugung in der Finanzdienstleisterbranche

beDirect in Kooperation mit Bertelsmann – Marketing- und Adressdienstleistungen

 Lister der Auskunfteien in Deutschland

SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung)

Die SCHUFA ist die größte und bekannteste Auskunftei in Deutschland. Sie arbeitet mit 9.000 Partnern aus Handel, Bank- und Telekommunikationswesen zusammen. Wie alle Auskunfteien, greift sie zudem auf die öffentlichen Verzeichnisse zu. Die SCHUFA gilt als Marktführer in Deutschland und verfügt über Informationen zu über 67 Millionen natürlichen Personen. Im Jahr 2016 hat die SCHUFA nach eigenen Angaben über 140 Millionen Auskünfte erteilt. Über 2 Millionen Anfragen zur Einsicht in eigene Daten der Verbraucher wurden bearbeitet.

Creditreform Boniversum

Im Jahr 1997 wurde die Creditreform Boniversum GmbH als Tochterunternehmen der Creditreform AG mit Fokus auf Auskünfte über Verbraucher (B2C-Bereich) gegründet. Grundlage des Datenpools von Boniversum bilden öffentliche Quellen, Inkassoeinmeldungen sowie sonstige Einmeldungen von Partnerunternehmen der Auskunftei. Insgesamt verfügt Boniversum über ca. 110 Millionen Datensätze zu etwa 55 Millionen natürlichen Personen. Nicht zuletzt ist Boniversum die Partnerauskunfte von bonify.

CRIFBÜRGEL GmbH

CRIFBÜRGEL GmbH (ehemals Bürgel Wirtschaftsinformationen und Deltavista)

2017 verschmolzen die Auskunfteien CRIF GmbH und Bürgel Wirtschaftsinformationen zu CRIFBÜRGEL. Das Unternehmen fokussiert sich auf Kredit- und Bonitätsinformationen und besonders auf die Bereiche Banken, Finanzdienstleistungen, E-Commerce, Payment Services und Telekommunikation. CRIFBÜRGEL ist heute auf vier Kontinenten vertreten.

Regis24 GmbH

Regis24 ist ein konzernunabhängiges Unternehmen, das in 2013 als Dienstleister für Anschriftenermittlung gegründet wurde und sich im Laufe der letzten Jahre zu einer führenden Auskunftei entwickelt hat.

Regis24 verfügt über öffentliche und nicht-öffentliche Daten über natürliche Personen in Deutschland. Zu den öffentlichen Quellen gehören u.a. Schuldnerverzeichnisse der Amtsgerichte sowie Veröffentlichungen zu Insolvenzverfahren. Zudem übermitteln Unternehmen, z.B. Inkasso, eCommerce, Payment-Provider, positive und negative Zahlungserfahrungen im Einklang mit dem BDSG an Regis24.

infoscore

infoscore gehört zur Unternehmensgruppe arvato Financial Solutions und verwertet als Tochterfirma von arvato (Bertelsmann) neben den öffentlich verfügbaren Daten Informationen, die von Geschäftspartnern aus den Bereichen Versandhandel/E-Commerce, Telekommunikation, Banken und Versicherungen und Inkassounternehmen eingemeldet werden.

Nach eigenen Angaben verfügt infoscore über einen Datenbestand von ca. 40 Millionen Informationen insb. zum negativen Zahlungsverhalten (Negativinformationen) von etwa 8 Millionen natürlichen Personen.

 Apropos Bonitätsdaten: Wie gut ist eigentlich Deine Bonität?

bonify spielt den Vermittler zwischen Dir und der Auskunftei und bietet Dir als Bonitätsplattform kostenlosen und unbegrenzten Zugang zu Deinen Bonitätsdaten. Dazu arbeiten wir mit der Creditreform Boniversum zusammen.

Prüfe gleich selbst Deine Bonität, melde eventuelle Falscheinträge und entdecke weitere Vorzüge von bonify. Was wir Dir neben kostenlosen Bonitätsauskünften noch so bieten, verrät Dir der ultimative Überblick über bonify.

Elisa Thiem

Elisa Thiem

machte den Bachelor of Arts in Literaturwissenschaften in Bonn und den Master in Germanistik in Potsdam. Jetzt lebt sie ihre Leidenschaft zum Schreiben als Content und PR Manager bei bonify aus.