Gläubiger

Ein Wort,  das leicht zu merken ist. Trotzdem ist der Begriff Gläubiger nicht so leicht verständlich, wie man im ersten Augenblick meinen mag. Deshalb haben wir diesen Artikel zusammengestellt, um dir zu helfen, den Begriff ein für alle Mal zu verstehen und die Frage "Was ist ein Gläubiger?" endgültig zu beantworten.

Veröffentlicht am: 20.04.2021

Gläubiger: ein Darlehensgeber

 Was ist ein Gläubiger?

Ein Gläubiger, auch Kreditor genannt, ist eine Einrichtung, ein Unternehmen oder eine Person, die einem Schuldner Waren, Dienstleistungen oder einen Geldkredit zur Verfügung gestellt hat und im Rahmen des dadurch entstandenen Schuldverhältnisses eine Leistungsforderung innehat. Damit ist im Regelfall eine Geldforderung gemeint.

Ein Schuldner ist das Gegenteil eines Gläubigers – der Begriff bezieht sich auf die Person oder Organisation, die dem Gläubiger Geld schuldet. Sobald ein Gläubiger die Ware/Dienstleistung oder den Kredit geliefert hat, wird zu einem späteren Zeitpunkt (normalerweise vorher vereinbart) eine Rückzahlung, in der Regel zuzüglich Zinsen, erwartet. Vereinfacht ausgedrückt, ist die Schuldner-Gläubiger-Beziehung komplementär zur Kunden-Lieferanten-Beziehung.

Im Regelfall besteht zwischen Gläubiger und Schuldner ein Schuldverhältnis aus einer vertraglichen Vereinbarung. Im Rahmen dieses Schuldverhältnisses ist der Gläubiger derjenige, der eine Leistung seitens des Schuldners einfordern kann, bei der es sich meistens um eine Geldleistung handelt. Jedoch ist auch die Erbringung einer Leistung in Form von beispielsweise Dienstleistungen möglich.

 Welche Rechte hat ein Gläubiger?

Das Schuldrecht ist im Zweiten Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) genau definiert. Der Gläubiger hat explizit das Recht auf den Leistungserfolg durch den Schuldner. Es genügt nach § 362 BGB nicht, lediglich eine Leistungshandlung zu erbringen – der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung für den Kreditor erfolgreich zu liefern.

Der Zeitpunkt der Leistungserfüllung ist dabei in dieser Rangfolge festgelegt:

Vertragliche Vereinbarung

Umstände

Gesetzliche Regelung

Heißt: Wurde ein Fälligkeitsdatum vertraglich vereinbart, kann der Gläubiger den Leistungserfolg nicht vor dem vereinbarten Zeitpunkt fordern. Falls über den Zeitpunkt der Leistungserbringung keine vertragliche Vereinbarung getroffen wurde, hat der Kreditor nach § 421 BGB das Recht auf sofortige Erfüllung der Leistung.

Wenn der Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, kann der Kreditor seine Forderungen auf verschiedene Weise geltend machen. Zunächst sendet er dem Schuldner eine Mahnung oder Zahlungserinnerung, welche den Schuldner über seine vertraglichen Verpflichtungen und die Folgen von Verstößen informiert. Wenn dies nicht den erwarteten Erfolg erzielt, können Gläubiger vor Gericht gehen.

Der Gläubiger hat nach dem BGB außerdem die Möglichkeit, seine Leistungsansprüche an eine andere Person abzutreten. In einem solchen Fall spricht man von einem Zedent, dem alten Gläubiger, der seine Ansprüche an einen Zessionar, den neuen Gläubiger abgibt.

 Schuldverhältnis – vertraglich versus gesetzlich

Schuldverhältnisse existieren in zwei Ausprägungen:

Vertragliches Schuldverhältnis: Ein vertragliches Schuldverhältnis resultiert aus vertraglichen Vereinbarungen, beispielsweise in Form eines Kauf- oder Kreditvertrages.

Gesetzliches Schuldverhältnis: Ein gesetzliches Schuldverhältnis wird durch Gesetze festgeschrieben, beispielsweise Kompensation bei Körperverletzung

Im vertraglichen Schuldverhältnis steht dem Gläubiger eine festgelegte Leistung aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung zu. Im gesetzlichen Schuldverhältnis steht die Leistung dem Gläubiger auch ohne vorherige vertragliche Absprache zu.

 Schuldverhältnis – Kunde und Lieferant

Im geschäftlichen Alltag ist das Schuldverhältnis besonders durch die Beziehung zwischen Kunde und Lieferant geprägt. Wenn ein Lieferant Waren geliefert hat, die der Kunde noch nicht vollständig bezahlt hat, entsteht ein Schuldverhältnis. In diesem Fall ist der Lieferant der Gläubiger, da er noch auf die Leistungserbringung (Bezahlen der Rechnung) durch den Kunden, in diesem Fall Schuldner, wartet. Die Beziehung zwischen den beiden Begriffen ist wichtig, insbesondere bei kleinen Unternehmen, da sie sich auf die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in der Bilanz und den Cashflow auswirken.

Ein Gläubiger zu sein, kann als Vermögenswert betrachtet werden, der die finanzielle Stärke eines Unternehmens untermauert, während eine übermäßige Verschuldung als negativ angesehen wird. Während viele Unternehmen erfolgreich den Spagat zwischen diesen beiden Faktoren schaffen, können Fehlkalkulationen dazu führen, dass insbesondere kleinere Unternehmen aufgrund von Cashflow-Problemen bankrottgehen.

 Die Gläubiger-ID

Händler müssen eine Gläubigeridentifikationsnummer besitzen, um SEPA-Lastschriften von Zahlungspflichtigen empfangen zu können. Die Gläubiger-ID (Gläubigeridentifikationsnummer) kennzeichnet jeden SEPA-Lastschriftgläubiger. Die Gläubiger ID kann elektronisch beantragt werden. Der Antrag auf Vergabe der Gläubiger-ID wird über die Webseite der Deutschen Bundesbank gestellt.

 Das Saldierungsverbot

Saldierungsverbot im Rahmen eines Schuldverhältnisses bedeutet, dass Forderungen und Schulden desselben Unternehmens in der Buchhaltung nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoB)  nicht miteinander verrechnet werden dürfen.

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Veröffentlicht am: 20.04.2021