Was ist eigentlich der „Nominalzins“?

Auch wenn der Nominalzins sowohl im Kreditgeschäft als auch bei Geldanlagen in Anleihen nur eine untergeordnete Rolle spielt, sollte man verstehen, was der Begriff bedeutet. Deswegen widmen wir uns in diesem Artikel allen wichtigen Fragen zum Thema Nominalzins.

Veröffentlicht am: 20.04.2021

Nominalzins

 Was ist der Nominalzins?

Der Nominalzins quantifiziert den Zinssatz, den Anleger für ihre Einlagen erhalten, bzw. den Zinssatz, den Kreditnehmer an Kreditinstitute zahlen müssen. Neben den Nominalzinsen fallen aber weitere Kosten und Gebühren an. Verbraucher können ihren tatsächlichen Gewinn oder die tatsächlichen Kosten des Kredits an der Nettorendite oder dem effektiven Jahreszins ableiten.

2010 wurde die Bezeichnung "Nominalzins" im Rahmen der Novellierung der Verbraucherkreditrichtlinie durch den Begriff "Sollzins" ersetzt.

 Wie wird der Nominalzins berechnet?

Die Höhe der Nominalzinsen im Rahmen von Kreditgeschäften hängt von mehreren Faktoren ab. Im Zusammenhang mit Immobilienkrediten ist der Nominalzins außerdem fast immer umso höher, je länger die Zinsbindung ist, die vereinbart wurde. Auch die Bonität des Darlehensnehmers ist ein wichtiger Einflussfaktor. Kreditzinsen preisen stets das Risiko eines Zahlungsausfalls mit ein. Da dieses Risiko mit abnehmender Bonität des Darlehensnehmers steigt, steigen auch die Zinsen.

Im Rahmen von Baufinanzierungen stellt der Beleihungsauslauf einen weiteren Einflussfaktor für die Höhe des Nominalzinssatzes dar. Je mehr Eigenkapital der Darlehensnehmer mitbringt, desto  niedriger ist der Beleihungsauslauf und desto geringer ist das Risiko für die Bank, dass das Darlehen nicht zurückgezahlt wird. Dieses verminderte Risiko honorieren Kreditinstitute durch einen niedrigeren Nominalzins.

 Nominalzins im Kreditgeschäft

Egal, um welche Art von Kreditgeschäft es sich handelt, zunächst fällt dem potenziellen Kreditnehmer der Nominalzins ins Auge. Der Nominalzins kann sich entweder am Kapitalmarktzins orientieren – variabler Nominalzins für die Dauer des Darlehens - oder für einen vorab definierten Zeitraum festgesetzt sein. Im Rahmen von Ratenkrediten fallen die Zinsfestschreibung und die Darlehenslaufzeit zusammen. Bei Baufinanzierungen ist die Dauer der Zinsbindung jedoch häufig kürzer als die Darlehenslaufzeit.

 Wichtig: Der Nominalzins spiegelt nicht die tatsächlichen Kosten eines Kredits wider.

Um Kredite und tatsächliche Kreditkosten vergleichbar zu machen, sind Kreditinstitute im Rahmen von Kreditgeschäften gesetzlich dazu verpflichtet, den effektiven Jahreszins ausweisen. Dieser enthält unter anderem die Tilgungsverrechnung. Wenn die Tilgung eines Darlehens monatlich verrechnet wird, fallen insgesamt weniger Zinsen an, als bei einer jährlichen Verrechnung. Der Kreditnehmer zahlt in diesem Fall nämlich trotz erfolgter Tilgungsleistung und niedrigerem Darlehensstand den Zinssatz auf den höheren Darlehensstand zu Jahresbeginn.

Kosten, die nicht im Effektivzins enthalten sein müssen, sind Kosten, die für freiwillige Zusatzleistungen anfallen, wie etwa eine besonders schnelle Auszahlung oder eine Restschuldversicherung.

 Nominalzins bei Anleihen

Bei Anleihegeschäften entspricht die Bruttorendite nur dann dem Nominalzins, wenn ein Anleger das Papier ohne Ausgabeauf- oder Ausgabeabschlag bei Emission erwirbt und es bis zum Ende der Laufzeit hält. Ist dies nicht der Fall, verändert sich die Bruttorendite im Vergleich zum Nominalzinssatz zum Nachteil bzw. Vorteil des Anlegers. Erwirbt oder verkauft der Anleger eine Anleihe über die Börse, entspricht der Kurs nur in den seltensten Fällen genau 100 Prozent, jedoch wird der Nominalzins auf diesen Kurs berechnet. Wenn der Anleihepreis 100 % und der Nominalzins 3 % beträgt, erhält der Anleger eine Dividende von 3 Euro pro Jahr. Wenn Anleger Anleihen zu 99 % kaufen und einen Nominalzins von 3 % erhalten, erhöht sich die Rendite auf 4 %, wenn die Haltedauer ein Jahr beträgt und die Anleihe anschließend vom Emittenten zurückgezahlt wird.

 Nominalzins bei Tages- und Festgeld

Tages- und Festgelder werden ohne Kursschwankungen eingezahlt und ausgezahlt. Im Wertpapiergeschäft würde man daher sagen, dass der Preis immer 100 % beträgt. Also entspricht der Nominalzins hier tatsächlich dem Effektivzins, sofern keine langfristigen Berechnungen durchgeführt werden und Zinsen und Zinseszinsen enthalten sind. Hier gilt, dass Tages- und Festgeldangebote mit höheren Zinssätzen tatsächlich vorteilhafter sind als solche mit niedrigeren Zinssätzen.

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Veröffentlicht am: 20.04.2021