Was ist eigentlich der „Zweidrittelzins“?

Immer wieder stößt man bei Kreditangeboten auf Texte, die "Zweidrittelzins" enthalten. Wir erklären dir in diesem Artikel, was es damit auf sich hat.

Veröffentlicht am: 12.04.2021

Zweidrittelzins

Wer Kreditangebote vergleicht, schaut sich idealerweise immer auch das Kleingedruckte an. Denn da drin stehen die wichtigen Dinge, die überhaupt erst dazu führen, dass man die Angebote verschiedener Kreditanbieter miteinander vergleichen kann. Der Zweidrittelzins, oder 2/3-Zins, ist dafür eine wichtige Grundlage.

 Was ist der Hintergrund des Zweidrittelzinses?

Wir bei bonify betonen in unseren Artikeln immer wieder, wie wichtig Vergleiche bei der Kreditsuche sind. Nur wenn man verschiedenen Angebote miteinander vergleicht, kann man sicher sein, auch die besten Konditionen für sich gefunden zu haben. Beim Vergleichen geht es vor allem um die Höhe der Zinsen

Jeder Kreditnehmer will vor allem eins: einen niedrigen Zinssatz. Denn bei Geld gibt es keine Qualitätsunterschiede. Das Geld von Bank A ist genauso gut wie das von Bank B. Was zählt, ist einzig der Preis, den man für das geliehene Geld zahlen muss. 

Weil Kreditnehmer vor allem darauf achten, wie niedrig der Zinssatz ist, geben die Kreditgeber, also die Banken und Vermittler, eben aus Werbezwecken auch einen möglichst geringen Zinssatz an. Möglicherweise gibt es diesen niedrigen Zinssatz aber nur für eine Handvoll Kunden mit hervorragender Bonität. Die breite Masse der Kreditnehmer mit nur guter bis durchschnittlicher Bonität wird nach dem Antrag einen höheren Zinssatz angeboten bekommen. Das ist aber von vornherein nicht zu erkennen, aufgrund der absichtlich aus Werbezwecken niedrig angegebenen Zinssätze. 

Verbraucher auf Kreditsuche können also eine Bank, die niedrige Zinssätze für eine breite Masse von Kunden hat, nicht unterscheiden von einer Bank, die ihre Top-Konditionen nur sehr wenigen Kunden anbietet.  

Da das nicht verbraucherfreundlich ist, hat sich der Gesetzgeber die Regelung mit dem 2/3-Zins ausgedacht: Seit 2010 sind alle Anbieter von Krediten gesetzlich dazu verpflichtet immer auch den Zweidrittelzins anzugeben, wenn mit konkreten Zinssätzen für ein Kreditangebot geworben wird.

 Was bedeutet der Begriff Zweidrittelzins?

Der Zweidrittelzins gibt an, welchen Zins  zwei Drittel aller Kunden auch tatsächlich erhalten. Wenn also zu einem bestimmten Kreditangebot der Zweidrittelzins mit 3 Prozent angegeben wird, dann erhalten von 100 Kreditnehmern durchschnittlich 66 exakt diese 3 Prozent (oder einen geringeren Zinssatz). Die  Bank  muss also mindestens zwei von drei Antragstellern den Kredit zu dem von ihr bestimmten Zweidrittelzinssatz oder zu einem günstigeren Zinssatz gewähren.

Der Zweidrittelzinssatz stellt also den tatsächlichen Zinssatz für einen repräsentativen Beispielkredit dar. Deswegen wird im Zusammenhang mit dem Zweidrittelzinssatz auch immer eine Kreditsumme und eine Laufzeit genannt für die er gilt.

 Der Zweidrittelzins macht Kreditangebote vergleichbar

Bei den meisten Krediten wird die Zinshöhe von der Bonität des Kreditnehmers bestimmt. Kreditnehmer mit guter Bonität zahlen geringere Zinsen, Kreditnehmer mit durchschnittlicher Bonität zahlen höhere Zinsen. 

Um die tatsächlichen Konditionen für einen Kredit zu erfahren, muss ein Kreditnehmer also erst einen Antrag stellen und die Bonitätsprüfung der Bank abwarten. Er muss also zunächst ein Angebot für sich persönlich einholen und dafür seine persönlichen Daten angeben. Der Zweidrittelzins macht es möglich, die üblichen (also auch tatsächlich bewilligten) Zinssätze unterschiedlicher Kreditanbieter schon vorab zu vergleichen, ohne dafür eine Kreditanfrage stellen zu müssen.

Wenn du Kreditvergleichsportale nutzt, ist der Zweidrittelzins also eine gute Vergleichsgröße. Auch bei bonify wird der Zweidrittelzins für die verschiedenen Kreditangebote angegeben und du kannst die Angebote damit besser einschätzen. 

Gäbe es den Zweidrittelzins nicht, hätten Konsumenten nur die Zinsspanne, also die “Von x% -y%” -Angabe der Kreditanbieter als Anhaltspunkt. Solche Zinsspannen werden meist von den Banken angegeben, sind aber für die Kreditinteressenten nicht sehr aussagekräftig. Denn was nützt es, zu wissen, dass die Zinsen “1,0 bis 4,5 %” betragen können, wenn man nicht weiß, wo auf dieser Skala man am Ende landet? Der Zweidrittelzins gibt den Kunden einen Anhaltspunkt, welche Zinshöhe üblich und wahrscheinlich ist. So kann man die einzelnen Offerten besser einschätzen und Lockangebote früh identifizieren. 

Dabei muss man aber beachten, dass der Zweidrittelzins nur ein Richtwert ist. Entscheidend ist nach wie vor die persönliche Bonität des Antragstellers. Je nachdem, ob die Bonität des Kreditinteressenten besser oder schlechter ist als die der Kunden, die den Zweidrittelzins erhalten haben, kann auch der tatsächliche Zinssatz für diesen Interessenten höher oder niedriger ausfallen als der Zweidrittelzins.

Deswegen ist es äußerst wichtig, die eigene Bonität zu kennen. Kennst du deine Bonität? Falls nicht, kannst du sie dir bei bonify direkt online in 2 Minuten anzeigen lassen – 100 % kostenlos und unverbindlich:

 Machen die Banken das freiwillig?

Da es bei Krediten aus Kreditnehmersicht vor allem um den Preis geht, den man für einen Kredit bezahlen muss, haben Banken grundsätzlich kein Interesse daran, dass man die Preise gut vergleichen kann. Deswegen würden sie den Zweidrittelzins freiwillig nicht angeben.

Zum Glück gibt es aber eine gesetzliche Grundlage, die die Banken zwingt, die Preise für Kredite transparent und verständlich darzustellen. Dazu gehört auch die Angabe des Zweidrittelzinses.

 Was ist die gesetzliche Grundlage?

Das ist die sogenannte Preisangabenverordnung (PAngV) und deren Paragraph 6a „Werbung für Verbraucherdarlehen”

Hier heißt es unter Ziffer 4: „Die in den Absätzen 2 und 3 genannten Angaben sind mit […] einem Beispiel zu versehen. Bei der Auswahl des Beispiels muss der Werbende von einem effektiven Jahreszins ausgehen, von dem er erwarten darf, dass er mindestens zwei Drittel der auf Grund der Werbung zustande kommenden Verträge zu dem angegebenen oder einem niedrigeren effektiven Jahreszins abschließen wird.”

Im Klartext: Sofern es sich um ein bonitätsabhängigen Darlehen handelt, muss der Kreditanbieter einen effektiven Jahreszins in der Werbung angeben, den mindestens zwei Dritteln aller Kunden auch tatsächlich erhalten. Um das tun zu können, muss die Bank abschätzen, welche Bonität zwei Drittel der voraussichtlichen Kunden wahrscheinlich haben werden. Dann kann sie den Zinssatz festlegen, zu dem diese Bonität den mit Laufzeit und Kreditsumme definierten Kredit erhält.

Jetzt kennst du den genauen Ursprung des Zweidrittelzinses. Die Banken sind also dazu verpflichtet, diese Angaben in Werbung und Marketing für Darlehen aufzunehmen.

 Handhaben die Kreditgeber das alle einheitlich?

Nein. Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben dazu, an welcher Stelle in ihrer Zinsspanne Banken den Zweidrittelzins festlegen müssen. Die Kreditgeber können also nach ihren eigenen Kriterien vorgehen und bestimmen, welche Voraussetzungen ein Kunde mitbringen muss, um den Zweidrittelzins zu bekommen. 

Das Entscheidende dafür ist immer die Bonität des individuellen Antragstellers. Wenn der Antragsteller die von der Bank als durchschnittlich definierte Bonität besitzt, erhält er den Kredit mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Zweidrittelzins. 

Kreditinteressenten mit besserer Bonität als der Durchschnitt, werden einen niedrigeren Zinssatz erhalten, zählen somit auch zu den „zwei Dritteln” (da ja die gesetzliche Vorgabe lautet, dass zwei Drittel den Zweidrittelzins oder einen niedrigeren Zinssatz erhalten müssen). Lediglich Kunden mit unterdurchschnittlicher Kreditwürdigkeit werden einen Zinssatz angeboten bekommen, der über dem Zweidrittelzins liegt. Oder – falls die Bonität zu gering sein sollte – sie erhalten überhaupt keine Kreditbewilligung.

 Müssen die Banken auch bei einem bonitätsunabhängigen Kredit den Zweidrittelzins angeben?

Es gibt Kredite, die bonitätsunabhängig vergeben werden. Das bedeutet, dass für alle Kreditnehmer der gleiche Zinssatz gilt. Jeder Antragsteller, der den geforderten Mindestwert bei der persönlichen Bonität erreicht, erhält den Kredit zu den ausgeschriebenen Konditionen. Welche Mindestschwelle für die Bonität dabei erreicht werden muss, entscheidet die Bank intern.

Im Falle eines solchen Kredits muss die Bank nicht zwingend ein 2/3-Beispiel einbauen. Die meisten Banken weisen trotzdem auf die gesetzliche Grundlage hin und bauen solche oder ähnliche Formulierungen als Hinweis ein: Die Angaben entsprechen zugleich dem 2/3 Beispiel nach § 6a Abs. 3 PAngV.

Da bei einem bonitätsunabhängigen Kredit ALLE Antragsteller, denen der Kredit bewilligt wird, den beworbenen Zinssatz erhalten, ist damit auch die Anforderung bezüglich eines repräsentativen Zinssatzes erfüllt.

Aber denke daran: auch wenn ein Kredit bonitätsunabhängig ist, heißt das nicht, dass die Bonität keine Rolle spielt. Denn die Mindestvoraussetzungen musst du mit deiner Bonität erfüllen, um den Kredit zu erhalten.

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Veröffentlicht am: 20.04.2021