Fälligkeitsdarlehen – am Ende kommt der Hammer

Wenn du dir für dein Darlehen eine besonders niedrige monatliche Zahlung wünschst, könnte ein Fälligkeitsdarlehen interessant für dich sein. Durch die niedrigen Raten verfügst du über einen besseren monatlichen Cashflow.

Veröffentlicht am: 10.05.2021

Fälligkeitsdarlehen

Aber: Das endfällige Darlehen ist eine der teuersten Kreditarten. Trotzdem gibt es Fälle, in denen der Abschluss eines solchen Kredits sinnvoll ist, beispielsweise wenn am Ende der Laufzeit ein großer Geldbetrag, beispielsweise aus einer Erbschaft oder einer Lebensversicherung, fällig wird.

 Was ist ein Fälligkeitsdarlehen?

Das Fälligkeitsdarlehen ist auch als endfälliges Darlehen oder Festdarlehen bekannt. Bei dieser Art von Darlehen zahlen Kreditnehmer mit ihren monatlichen Raten nur die Zinsen für das Darlehen, nicht den Darlehensbetrag selbst. Dies führt zu niedrigerer monatlicher Belastung während der Laufzeit. Schließlich müssen Darlehensnehmer den gesamten Darlehensbetrag am Ende der Laufzeit zurückzahlen.

Die Laufzeit wird bei dieser Form von Darlehen im Vorhinein von Kreditnehmer und Kreditgeber festgelegt und beträgt meist zwischen 5 bis 25 Jahren. Da der Kreditnehmer während dieser Zeit lediglich die Zinsen zahlt, sich also die Kreditsumme nicht verringert, bleiben die Zinsen stets auf konstanter Höhe. Sondertilgungen sind im Rahmen von Fälligkeitsdarlehen nicht üblich.

In der Vergangenheit kam diese spezielle Art von Darlehen häufig im Rahmen eines Fremdwährungsdarlehens zustande. Inzwischen sind endfällige Darlehen auch eine beliebte Alternative zur Finanzierung von Immobilien geworden, auch wenn Interessenten deutlich häufiger auf Annuitätendarlehen oder Bausparverträge mit anschließenden Bauspardarlehen setzen.

 Absicherung oder Tilgungsersatz

Da Fälligkeitsdarlehen ein vergleichsweise höheres Risiko für Banken darstellt, da sie theoretisch bis zum Ende der Laufzeit mit Zahlungsausfall rechnen müssen, sichern sie sich zusätzlich ab. Als Absicherung der immens hohen Schlussrate fungiert oft eine Kapitallebensversicherung, ein Bausparvertrag oder eine vergleichbare, sichere Geldanlage. Das so angesparte Geld wird am Ende der Kreditlaufzeit genutzt, um den Darlehensbetrag zurückzuzahlen. 

 Vor- und Nachteile eines Fälligkeitsdarlehens

Bevor Kreditnehmer sich für ein Fälligkeitsdarlehen entscheiden, sollten vorher die Vor- und Nachteile dieser Darlehensart gegeneinander abgewogen werden.

 Vorteile

1. Niedrigere monatliche Belastung

Da Darlehensnehmer nur die Zinskomponente des Kredits zahlen, wird ihre reguläre Rate während der Laufzeit  vergleichsweise gering sein. Wer ein geringeres Einkommen hat oder aus anderen Gründen in eine finanzielle Notlage gerät, kann eine vorübergehende Umstellung der Kreditrückzahlung auf eine reine Zinszahlung nutzen, um Kreditrückzahlungen besser bewältigen können. Einige Kreditgeber haben diese Option zum Beispiel für Kunden angeboten, die von der Coronavirus-Pandemie betroffen waren.

2. Mehr Cash-Flow

Geringere Raten während der Laufzeit können hilfreich sein, falls Bargeld für andere Zwecke benötigt wird. Zum Beispiel könnte ein Erstkäufer eines Hauses es vorziehen, seine Kreditrückzahlungen so niedrig wie möglich zu halten, nachdem er sein Haus gekauft hat, während er seine Ersparnisse oder einen Notfallfonds aufbaut oder Möbel für sein neues Haus kauft.

Darüber hinaus könnte das Geld, das nicht für die Tilgung des Darlehens ausgegeben wird, für andere Investitionsmöglichkeiten verwendet werden. Dieser Ansatz kann besonders vorteilhaft sein, wenn es dem Investor gelingt, die Immobilie innerhalb des Zeitraums, in dem nur Zinsen gezahlt werden, mit Gewinn zu verkaufen, da er in dieser Zeit seine Investitionskosten minimiert hat, indem er nur Zinsrückzahlungen geleistet hat.

 Nachteile

1. Gleichbleibender Zins Da die Tilgung bei Fälligkeitsdarlehen erst am Ende der Laufzeit stattfindet, bleiben die Zinszahlungen über die gesamte Laufzeit gleich hoch. Im Gegensatz dazu können die Zinszahlungen bei einem Tilgungs- oder einem Annuitätendarlehen durch die Tilgungsraten reduziert werden.

2. Kredit muss auf einen Schlag zurückgezahlt werden Am Ende der Laufzeit muss der gesamte Darlehensbetrag auf einen Schlag getilgt werden. Dies erfordert eine Menge Planung und entsprechende Vorsorge.

3. Ggf. Anschlusskosten durch Tilgungsersatzprodukte Durch die Tilgungsersatzprodukte, die zur Absicherung der Tilgung dienen, beispielsweise eine Lebensversicherung, entstehen oft Anschlusskosten. Diese sind vom Darlehensnehmer zu leisten, fließen aber nicht mit in die Tilgung ein.

4. Langfristig teurer

Im Allgemeinen zahlen Darlehensnehmer bei einem reinen Zinsdarlehen über die gesamte Laufzeit mehr an Zinsen als bei anderen Kreditformen. Dafür sind hauptsächlich zwei Faktoren verantwortlich: Die verfügbaren Zinssätze sind in der Regel höher aber auch ohne Zinsunterschied müssten sie während der gesamten Laufzeit Zinsen auf den vollen Kreditbetrag zahlen, da die Kreditsumme nicht getilgt wird. Im Gegensatz dazu würde bei anderen Kreditformen der Darlehensbetrag allmählich abnehmen und damit auch die Höhe der Zinsen, vorausgesetzt, der Zinssatz steigt nicht an.

 Die Vor- und Nachteile von Fälligkeitsdarlehen auf einen Blick

Vorteile

Nachteile

Vorteile

Geringe monatliche Belastung

Nachteile

Gleichbleibender Zins, da das Darlehen erst zum Schluss getilgt wird

Vorteile

Mehr Geld für gewinnbringende Investitionen verfügbar

Nachteile

Eine Summe, die am Ende auf einen Schlag bezahlt werden muss

Vorteile

Nachteile

Ggf. Anschlusskosten durch Tilgungsersatzprodukte

Vorteile

Nachteile

Im Endeffekt teurer

Vor- und Nachteile von Fälligkeitsdarlehen

 Wie berechnet man ein Fälligkeitsdarlehen?

Am folgenden Beispiel wird erklärt, wie man ein Fälligkeitsdarlehen berechnen kann und wie die Tilgung hierbei funktioniert.

Beispiel: Der Kreditnehmer erhält ein Festdarlehen von 250.000 Euro. Der Zinssatz liegt fest bei fünf Prozent und die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Daraus ergibt sich folgender Tilgungsplan:

Zinsen

Tilgung

Jährliche Rate

Zinsen

12.500 Euro

Tilgung

0,00 Euro

Jährliche Rate

7.500 Euro

Zinsen

12.500 Euro

Tilgung

0,00 Euro

Jährliche Rate

7.500 Euro

Zinsen

12.500 Euro

Tilgung

0,00 Euro

Jährliche Rate

7.500 Euro

Zinsen

12.500 Euro

Tilgung

0,00 Euro

Jährliche Rate

7.500 Euro

Zinsen

12.500 Euro

Tilgung

250.000 Euro

Jährliche Rate

262.500 Euro

Festdarlehen von 250.000 Euro, Laufzeit 5 Jahre, jede Zeile entspricht einem weiteren Jahr

 Wann benutzt man das Fälligkeitsdarlehen?

Immobilie zur Vermietung: Ein endfälliges Darlehen bietet sich an, wenn man vorhat eine Immobilie zu kaufen, um diese weiterzuvermieten möchte. Die Kreditzinsen können Darlehensnehmer von der Steuer absetzen. Für selbst genutzte Immobilien, ist diese Darlehensform hingegen eher ungeeignet – außer zum Ende der Laufzeit wird seitens des Darlehensnehmers eine recht hohe Einmalzahlung, beispielsweise durch eine Erbschaft, erwartet.

Wertpapiere und Fonds: Das Investieren in Wertpapiere und Aktienfonds mit einem Fälligkeitsdarlehen ist ebenfalls möglich. Da die Renditen solcher Anlageobjekte allerdings kaum planbar und steuerlich nicht begünstigt sind, ist das Risiko hier groß, dass zum Ende der Laufzeit nicht ausreichend Kapital für die Tilgung erwirtschaftet wurde.

Lebensversicherung: Auch eine Lebensversicherung kann mit einem Fälligkeitsdarlehen finanziert werden. Da aber inzwischen Steuern auf Erträge aus solchen Versicherungen erhoben werden, lohnt sich die Finanzierung mittels Fälligkeitsdarlehen kaum noch.

 Wann lohnt sich ein endfälliges Darlehen?

Fälligkeitsdarlehen eignen sich vor allem für Kreditnehmer, die eine Immobilie erwerben wollen, um diese zu vermieten: Sie können die Finanzierungszinsen von der Steuer absetzen und profitieren so von Steuervorteilen.

Auch für Darlehensnehmer, die bereits wissen, dass sie während der Darlehenslaufzeit eine der Tilgung entsprechende Summe ansparen können, aber auf möglichst großen Cash-Flow angewiesen sind, sind mit einem endfälligen Darlehen unter Umständen gut beraten.

 Alternativen zum Fälligkeitsdarlehen

Es gibt zwei Alternativen zum endfälligen Darlehen: Das Tilgungsdarlehen und das Annuitätendarlehen:

 Tilgungsdarlehen

Beim Tilgungsdarlehen zahlt der Darlehensnehmer jeden Monat konstante Tilgungsraten. Während die Tilgungsrate über die Laufzeit die gleiche bleibt, passt sich die Zinsrate stets an den verbliebenen Darlehensbetrag an. Der größte Vorteil gegenüber dem endfälligen Darlehen besteht für den Darlehensnehmer darin, dass die monatliche Belastung mit fortlaufender Zeit immer geringer wird. Diese Darlehensform eignet sich am ehesten für Personen, die sich die hohen Raten am Anfang der Laufzeit leisten können und den Kredit schnellstmöglich abbezahlen wollen.

 Annuitätendarlehen

Auch beim Annuitätendarlehen wird der Kreditbetrag bereits während der Laufzeit abbezahlt. Der Kreditnehmer zahlt jeden Monat eine gleichbleibende Rate, die sich einem Teil Tilgung und einem Teil Zinszahlung zusammensetzt. Dadurch steigt mit der Laufzeit die Tilgung und die Zinskosten sinken. Der größte Vorteil dieser Darlehensform gegenüber dem endfälligen Darlehen ist, dass es für Darlehensnehmer leicht kalkulierbar ist. Sie ist besonders für Personen geeignet, die großen Wert auf Planbarkeit legen und konstante Raten verlässlich stemmen können.

 Fälligkeitsdarlehen vergleichen

Beim Fälligkeitsdarlehen gilt wie bei allen anderen Kreditformen: Ein Vergleich spart im Zweifelsfall bares Geld. Auch wenn die Zahl der Banken, die Fälligkeitsdarlehen anbieten, geringer ist als bei herkömmlichen Ratenkrediten, Autokrediten oder Immobilienkrediten, sollten Interessenten trotzdem die Konditionen von mindestens drei Kreditinstituten anfragen und miteinander vergleichen.

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Veröffentlicht am: 25.08.2021